Jana Hoch: Kronenherz (Royal Horses, Band 1), ab 12 J.

Jana Hoch: Kronenherz (Royal Horses, Band 1), ab 12 J., Würzburg 2020, Arena Verlag, ISBN 978-3-401-60520-3, Hardcover, 356 Seiten, Format: 14,9 x 4 x 21,4 cm, Buch: EUR 15,00 (D), EUR 15,50 (A), Kindle: EUR 11,99, auch als Hörbuch lieferbar.

Abb. (c) Arena Verlag

„Wenn ich ihn normal erlebte, erinnerte Edward mich immer wieder an Ethan. Diese obercoolen Sprüche. Diese Sicherheit, sich alles nehmen zu dürfen, was er wollte, egal, ob er andere dabei verletzte oder nicht.“ (Seite 120)

England, Frankreich, Schweden, Portugal, Italien, Deutschland … in all diesen Ländern haben die 16jährige Greta Hayes und ihr älterer Bruder Jordan schon gelebt. Ihre Eltern ziehen alle paar Jahre aus beruflichen Gründen um. Im Moment sind sie in Stuttgart stationiert. Die Kinder leben in London, um dort ihre Ausbildung abzuschließen.

Greta hat Mist gebaut

Greta wohnt bei ihrem Bruder, was auch prima klappt. Doch was seine Schwester in ihrer Freizeit treibt, kriegt er nicht mit. Durch einen Kerl namens Ethan lässt sich Greta in eine ganz furchtbare Geschichte hineinziehen, die jetzt aufzufliegen droht. Unter keinen Umständen dürfen die Eltern davon erfahren, sonst muss sie sofort weg aus London und zu ihnen nach Stuttgart ziehen!

Was Greta Schreckliches getan hat, wird zunächst nicht erklärt, weshalb die Phantasie der Leser*innen ins Kraut schießt: Einbruchdiebstahl? Drogenhandel? Prostitution? Wir kriegen nur mit, dass Greta nach einem dramatischen Vorfall mit ihren Nerven am Ende ist.

Als Praktikantin aufs königliche Gestüt

Patenonkel Yorick Halldorson, der bei der Gutsverwaltung des königlichen Gestüts Caverley Green in West Sussex arbeitet, nimmt Greta erst einmal aus der Schusslinie. Er vermittelt ihr, die weder was mit den Royals noch mit Pferden am Hut hat, dort ein Sommerferien-Praktikum. Die Rechnung geht auf: Greta kommt schnell auf andere Gedanken. Sie muss hart arbeiten und viel lernen, um es dem grummeligen Stallmeister Alan Quinn recht machen zu können. Sie lernt neue Leute kennen wie die übermütigen Sixton-Geschwister, die zickige Brina, den charmanten James und den launischen Pferdetrainer Edward, der sie permanent mit provozierenden Bemerkungen piesackt. Genau wie Ethan!

Auch wenn die Weltbürgerin Greta keine Ahnung vom britischen Königshaus hat: dass der smarte „James“ in Wirklichkeit einer der Prinzen ist, ahnt sie recht bald. Niemand auf dem Gut darf darüber sprechen und überprüfen kann sie ihre Vermutung auch nicht – man hat ihr aus Sicherheitsgründen das Handy abgenommen und sie hat auch keinen Zugang zu einem Computer mit Internetanschluss. Die Securitymenschen hier nehmen ihren Job sehr ernst.

Ein Pferdetrainer mit Geheimnissen

James hat offensichtlich Interesse an Greta, obwohl – oder vielleicht gerade weil – sie sich in ihrem Praktikantenjob einige Klöpse leistet und mehrfach kurz davor steht, gefeuert und mit Schimpf und Schande nach Hause geschickt zu werden. Greta hat aber kein Interesse daran, mit einem Partyprinzen anzubandeln, auch wenn er noch so amüsant ist. Für ihn wäre sie doch nur eine von vielen. Der arrogante Pferdetrainer Edward ist mehr nach ihrem Geschmack. Hoffentlich erfährt er nie etwas von ihrer schrecklichen Tat!

Auch Edward hat Geheimnisse. Seine Beziehung zu Prinzessin Lianna ist nur eines davon. Als Greta eine nicht besonders feinfühlige Bemerkung über die junge Frau macht, rastet er völlig aus. Und Greta packt wieder mal prophylaktisch ihre Sachen.

Wem auch immer sie es zu verdanken hat – James oder Onkel Yorick – sie darf dann doch auf dem Gut bleiben und auch Edward kriegt sich wieder ein. Und das, obwohl er inzwischen ihre Vergangenheit kennt. Er wird sogar ein bisschen netter und aufgeschlossener und bringt Greta einiges über Pferde bei. Sie stellen überrascht fest, dass sie mehr Gemeinsamkeiten haben als sie zunächst gedacht hatten und kommen einander näher.

Es könnte so schön sein …

Alles könnte jetzt ganz wunderbar sein, wenn sich nicht James und Edward wegen Greta in die Haare kriegen würden, wenn nicht diverse andere Mädels furchtbar eifersüchtig wären und wenn Edward es endlich über sich brächte, Greta die ganze Wahrheit zu gestehen. Die kommt dann auf dem Sommerfest mit einem Paukenschlag ans Licht …

Die erste Hälfte des Buchs war ich sehr genervt von dem eingebildeten Schönling Edward, der sich darin gefiel, die offensichtlich traumatisierte junge Protagonisten zu schikanieren – und von Greta, die nun schon zum zweiten Mal auf denselben Typ Mann hereinfällt. Erfolgsverwöhnte Weiberhelden, die glauben, sich alles erlauben zu können, sind kein gutes Partnermaterial! Ja, ich weiß, das ist so ein Selbstwert-Ding: „Mit allen anderen hat er es nicht ernst gemeint, aber ich werde ihn zähmen.“ Ja, nee, is’ klar!

Aber dann entwickelt sich die Geschichte zum Glück doch in eine andere Richtung. Auch der coole Edward hat sein Päckchen zu tragen. Nachdem er seine Maske als zynischer Frauenheld fallen gelassen hat und auch Greta nicht mehr auf Teufel-komm-raus die taffe Kämpferin spielt, werden einem die zwei viel sympathischer. Er will in Ruhe sein Leben leben und seine eigenen Entscheidungen treffen und sie hat es satt, immer nur auf der Durchreise zu sein. Sie hätte gerne mal ein wenig Verlässlichkeit und Stabilität. Und genau das dürfte für die beiden jetzt schwierig werden.

Unglaubliche Pointe

Dadurch, wie die beiden jungen Leute mit den Pferden umgehen, erfährt man eine Menge über ihren jeweiligen Gemütszustand. Die Pferde spiegeln ihn. Das waren für mich auch die berührendsten Szenen. Die Pointe der Geschichte – Edwards größtes Geheimnis – empfand ich als derart unglaublich, dass ich nie im Leben auf diese Auflösung gekommen wäre. Ich habe gelacht, als ich das las. Come on! Das könnt ihr mir echt nicht erzählen! Aber ich gehöre ja auch nicht zur angepeilten Zielgruppe.

KRONENHERZ ist der erste Band einer Reihe. Greta und Edward bleiben uns also noch ein Weilchen erhalten. Hoffentlich kommen in den Folgebänden genügend Pferde vor, damit die Handlung nicht in Richtung Kitsch und Regenbogenpresse abgleitet. Ich sehe da eine gewisse Gefahr.

Die Autorin

Jana Hoch wurde 1992 in Hannover geboren und lebt heute immer noch in der Nähe der Stadt. Seit frühester Kindheit hat es sie begeistert, eigene Welten und Charaktere zu entwickeln und diese auf dem Papier festzuhalten. Die Pferdetrainerin nutzt jede freie Minute zum Schreiben – der perfekte Tag beginnt für sie bei Sonnenaufgang, mit dem Laptop auf dem Schoß und einer Tasse Kakao, und endet auf dem Rücken ihres Pferdes Jamie. Mehr Infos zur Autorin gibt es auf Instagram unter jana_loves_jamie.

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

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