Jordis Lank: Rauklands Sohn, Band 1 der Raukland-Trilogie

Jordis Lank: Rauklands Sohn, Band 1 der Raukland-Trilogie, Luxemburg 2019, Indipendently published/Amazon Europe, ISBN 978-1-695377-64-6, Softcover, 445 Seiten, Format: 12,7 x 2,8 x 20,3 cm, Taschenbuch: EUR 12,99, auch als Kindle Edition lieferbar.

Abb: Cover, Amazon, Bild: Isabell Schmitt-Egner

„Jeder, der rechtmäßiger König von Lannoch sein will, muss sämtliche Prüfungen bestehen, die hier niedergeschrieben sind. So lautet unser Gesetz. Wenn Ihr Lannoch also kampflos wollt, müsst Ihr Euch diesen Aufgaben stellen.“ (Seite 64)

Azel Carinn, König des (fiktiven) nordischen Raukland, ist ein grausamer Mann. Als sein siebzehnjähriger Sohn Ronan aus jugendlicher Naivität eine folgenschwere Dummheit begeht, zögert er nicht, ihn mit 16 Peitschenhieben zu bestrafen und anschließend zu brandmarken. Er kennt den Jungen ja kaum. Als Ronan klein war, war er bei seiner Mutter, einer geraubten Braut, die nach ein paar Jahren Zwangsehe die Chance zur Flucht ergriffen hat. Danach hat der Krieger Zhodan Prinz Ronan großgezogen und ihn zu einem formidablen Schwertkämpfer ausgebildet.

König Azel hätte seinen Sohn auf der Stelle getötet, wenn er nicht noch Verwendung für ihn gehabt hätte. Vielleicht ist der kleine Tunichtgut ja doch noch zu etwas nütze. Es gibt da weit oben im Nordmeer ein unwirtliches Inselchen namens Lannoch. Dort hat’s mehr Schafe als Bauern, ein paar Robben und sehr viel Fisch und Einöde. Aber die Insel ist für die Raukländer aus geopolitischen und strategischen Gründen von gewissem Interesse.

Eignungsprüfung zum König

Azel könnte Lannoch natürlich mit Gewalt erobern, aber es ist billiger, wenn er erst mal seinen Sohn dort hinschickt. Auf Lannoch ist die Königswürde nämlich nicht erblich. König wird derjenige, der es binnen Jahresfrist schafft, eine Handvoll Aufgaben zu lösen, die frühere Herrscher im Lauf der Jahrhunderte aus gutem Grund ersonnen haben.

Mit diesem Auftrag wird der schwer verletzte Ronan auf der Insel ausgesetzt. Schafft er es, sich als nächster König von Lannoch zu qualifizieren, bekommt Raukland die Insel quasi zum Nulltarif. Scheitert er, bringt sein Vater ihn um. Ronans Mission ist also eine Hinrichtung mit Aufschub.

Merin Kendrick, der König von Lannoch, hat natürlich überhaupt kein Interesse daran, dass seine Insel an einen seiner Erzfeinde geht. Deshalb spielt er falsch. Doch der Prinz aus Raukland ist zäher und findiger als gedacht. 

Insgeheim hat Merin ja gehofft, Ronan würde schon an der ersten Aufgabe scheitern: einen Freund zu finden, der ihm beim Absolvieren der Prüfungen hilft. Doch das Schicksal spült dem Königssohn den jungen Kaufmann Liam Strahan vor die Füße, einen gebildeten, feinsinnigen Hasenfuß, der aus gutem Grund für die Hilfe eines versierten Schwertkämpfers so ziemlich alles tun würde. 

König Merin misstraut dem Bewerber

Zum Entsetzen von König Merin bilden das Raubein und der Schöngeist ein überaus kreatives Team. Schlimmer noch: Sie finden mehr und mehr Rückhalt in der Bevölkerung. Es ist natürlich nicht lange geheim geblieben, warum der fremde Prinz auf der Insel ist. Sogar Merins Enkelin Eila findet Gefallen an dem exotischen Königssohn. Das wären doch eigentlich ideale Voraussetzungen für einen Thronfolger, doch Merin kennt Ronans Vater und misstraut deshalb auch dem Sohn. Der maulfaule Kerl macht’s dem König aber auch nicht gerade leicht. Hier und da eine Erklärung hätte sicher nicht geschadet.

Was gar niemand auf dem Schirm hat: einen Menschen, der Ronan nach dem Leben trachtet. Und keiner kennt den Grund. Ein Konkurrent um den Königsthron von Lannoch kann es nicht sein. Wenn jemand König werden will, muss er die Prüfungen ablegen. Einen Mitbewerber zu beseitigen ist sinnlos. 

Die Leser*innen fragen sich nun:

  • Kann man den oder die Attentäter dingfest machen, ehe sie mit ihren finsteren Plänen Erfolg haben?
  • Was treibt diese*n Menschen an? Was ist sein/ihr Motiv?
  • Schafft Ronan es mit Liams Hilfe, die königlichen Prüfungen zu bestehen?
  • Und was ist, wenn er versagt?
  • Hat Ronans Vater denn das Kleingedruckte gelesen?

Warum tut Prinz Ronan sich das an?

Mir ging’s ein bisschen wie Ronans Kumpel Liam. Der hat zunächst auch nicht kapiert, warum Ronan sich das überhaupt antut. Wenn er ständig befürchten muss, dass sein Vater ihn umbringt, warum geht er nicht einfach im Hafen von Lannoch an Bord irgendeines Schiffes und verdünnisiert sich ans andere Ende der Welt? Was hält ihn in Raukland? Um Macht geht es ihm nicht. Es hat eine Weile gedauert, bis mir klar wurde, dass Ronan glaubt, eine Verantwortung zu haben. Er will ein besserer König werden als sein Vater. Ja, die Anständigen haben es oft schwer!

Ein bisschen skrupelloser hätte der Prinz schon sein dürfen. Die Sitten sind rau, die Heimat ist fern … es hätte doch kein Hahn danach gekräht, wenn mit ein paar Mistkerlen kurzen Prozess gemacht hätte. Und er hätte sich damit höchstwahrscheinlich eine Menge Ärger erspart. Aber er hat halt Ideale. Er ist eben noch jung.

Schwertkampf für Anfänger

Anfangs habe ich versucht, beim Lesen im Detail nachzuvollziehen, wie Ronan seinem Kumpel das  Kämpfen mit dem Schwert beibringt – und das hat das Lesetempo enorm gebremst. Ich habe keine Ahnung vom Schwertkampf und all die Fachbegriffe sagen mir gar nichts. Irgendwann wurde mir klar, dass es darauf gar nicht ankommt. Ronan kann’s und Liam muss es erst lernen. Das ist eine Menge Arbeit, und es steckt sehr viel mehr dahinter als nur Technik. Es geht um die innere Einstellung zum Kämpfen. Die ist bei den beiden jungen Männern verschieden ausgeprägt. Darum geht’s. Wie die Jungs ihr Schwert halten, ist im Grunde egal. Also, für den Leser. Für die Jungs nicht.

Schwierigkeiten hatte ich mit dem Antagonisten, der Ronan am liebsten tot sähe. Da hat mich schon die Personenbeschreibung irritiert. Und obwohl ich verstehe, was ihn motiviert, ist mir sein Vorgehen ein Rätsel. Hätte er sein Ziel nicht viel einfacher erreichen können, indem er an geeigneter Stelle den Mund aufmacht? Okay: Die Männer hier reden nicht gern. So ganz will mir auch nicht in den Kopf, dass nie jemand Verdacht geschöpft und ihm Fragen zu seiner Vorgeschichte gestellt hat: Familie, Freund*innen, Vorgesetzte, Kollegen …

Aber gut – das ist Band 1 von 3. In den Folgebänden wird sich sicher noch manches klären. Und jetzt will ich schon wissen, wie es mit Prinz Ronan weitergeht.

Genre? „Schwert & Pferd“?

Jetzt frage ich mich, was ich hier eigentlich gelesen habe. Ein Jugendbuch? Einen Abenteuerroman, der an fiktiven Schauplätzen spielt? Fantasy ist es nicht, trotz des märchenhaften Szenarios, weil es weder Magie noch Drachen gibt. In einer Amazon-Rezension hat jemand die Genrebezeichnung „Schwert & Pferd“ verwendet. Das habe ich noch nie gehört, aber es gefällt mir. 

Witzig ist die Idee, am Ende des Romans ein paar „Outtakes“ anzuhängen: Lustige Tippfehler und vergurkte Formulierungen, die es so zum Glück nicht in den eigentlichen Roman geschafft haben. Autor*innen sind eben, selbst wenn sie fremde Welten erschaffen, auch nur Menschen. 🙂

Die Autorin

Jordis Lank kam Anfang der siebziger Jahre im äußersten Zipfel des Bergischen Landes zur Welt. Zusammen mit vierzehn Hühnern, einem Hahn, 623.484 Bienen und geschätzten fünf Kaninchen wuchs sie in einem riesigen, halbwilden Garten auf.Wenn sie nicht gerade schreibt, wirft sie Bälle und Keulen in die Luft, sucht verborgene Schätze per GPS oder spielt sich mit Freunden durch Brettspielestapel – das Erzählen von Geschichten ist und bleibt jedoch ihre größte Leidenschaft. Jordis Lank freut sich, von ihren Lesern zu hören – gerne können Sie mit ihr über ihre Homepage http://www.jordis-lank.de/ oder ihr Facebook Profil https://www.facebook.com/jordis.lank in Kontakt treten.

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

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