Marianne Kaindl: Nazi-Allergie. Der dritte Coco-KatzenKrimi

Marianne Kaindl: Nazi-Allergie. Der dritte Coco-KatzenKrimi, Stetten bei Meersburg 2017, ABB-Verlag, ISBN 978-3-945664-02-5, Hardcover 176 Seiten mit diversen s/w Abbildungen, Format: 15,4 x 2 x 21,6 cm, Buch: EUR 14,80, Kindle: EUR 5,49.

Abb.; (c) ABB-Verlag

In Band 1 und 2 haben wir KrimiKatze Coco und ihre Freunde kennengelernt. Sie wohnen zusammen mit der Fotografin und Fotodesignerin Rebekka Sommerthal und deren Familie in einem Haus am Bodensee und sehen sich immer wieder genötigt, die Kriminalfälle der Menschen zu lösen. Hauptkommissar Silkowski, der in manchen Szenen ein wenig an Overbeck aus den „Wilsberg“-Fernsehkrimis erinnert, ist nämlich nicht so rasend motiviert.

Damit die Geschichte funktioniert, müssen die Tiere ein bisschen vermenschlicht werden. Sie können beispielsweise Computer handhaben und verständigen sich mit den Menschen, die die Katzensprache nicht verstehen, mittels einer Übersetzungs-App.

Wozu Menschen fähig sind

Manchmal zweifelt Coco am Verstand der Zweibeiner. Der randalierende Mob, der Geflüchtete aus Syrien auf seine Art „willkommen“ heißt, lässt sie fassungslos zurück. Eine Katze ist eine Katze – Rassismus ist ihren Artgenossen fremd. Dass Menschen nicht nur pöbeln und in Ausnahmesituationen töten können, sondern sogar zu unfassbaren Grausamkeiten in großem Stil fähig sind, wird sie in dieser Geschichte erfahren.

Eben noch hat der Journalist Davide Rosenbaum mit Stefan, Cocos „Dosenöffner“ zusammengesessen und von seinem bevorstehenden Treffen mit „dem Überlebenden“ gesprochen – jetzt liegt er tot auf der Straße. Eine Reihe von Zeugen sagt unabhängig voneinander aus, Rosenbaum sei betrunken auf die Straße gewankt und direkt in ein Auto gelaufen. Coco wundert sich: So viele Leute sind sonst nie um diese Zeit unterwegs! Und um sturzbetrunken zu werden, war Rosenbaum gar nicht lange genug in der Kneipe. Als er sich von Stefan verabschiedet hat, war er noch Herr seiner Sinne. Hat ihm jemand etwas in Glas geschüttet? Wurde er absichtlich überfahren? Und was wollte er noch sagen, ehe er seinen letzten Atemzug tat? Den Namen des Autofahrers?

Nur Katze Coco glaubt an Mord

KrimiKatze Coco tippt also auf Mord. Doch nicht einmal ihr Lebenspartner, Kater Felix, schenkt ihr Glauben. Hauptkommissar Maik Silkowski sowieso nicht. Der ist froh, wenn er seine Ruhe hat und er nicht ermitteln muss. Auch von Dosenöffnerin Rebekka bekommt sie dieses Mal keine Unterstützung. Rebekka ist sauer, weil Coco mit der Ankündigung, die KrimiKatzen suchten freie Mitarbeiter, eine wahre Katzen-Besucherflut ausgelöst hat. Dabei weiß sie genau, dass Coco und ihre Mitkatzen einen ausgezeichneten Riecher für kriminelle Machenschaften haben. Schließlich haben sie schon zwei spektakuläre Fälle aufgeklärt und ihr Frauchen aus einer schlimmen Geschichte herausgepaukt.

Coco lässt sich nichts ein- und nichts ausreden. Ihr Verdacht erhält neue Nahrung, als sie den aktuellen Lebensgefährten der Nachbarstochter zu Gesicht bekommt: „Gernot-Liebster“ ist Geschichtslehrer am Gymnasium und seinem Gerede nach ein, na ja, sagen wir: Rechtspopulist. Er war der „Unfallzeuge“, der beim Anblick des toten Journalisten gelächelt hat …

Verdächtige Nachbarn und andere Probleme

Die KrimiKatzen lassen unter Cocos Leitung den neuen Nachbarn nicht mehr aus den Augen. Was verbindet ihn mit dem Fahrer und dem Beifahrer des Unfallwagens? Wer sind die anderen angeblichen Zeugen? Wer hatte ein Motiv, den Journalisten zu beseitigen? Das war doch nicht nur plumper Antisemitismus, oder? Woran hat Rosenbaum zuletzt gearbeitet? 

Als sie den „Überlebenden“ finden, mit dem der Journalist am Abend seines Todes verabredet war, und auch auf diesen ein Attentat verübt wird, ergibt sich langsam ein Bild. Rosenbaum war an einer wirklich üblen Geschichte dran, die nach seinem Tod nun unter den Teppich gekehrt zu werden droht. Doch da haben ein paar finstere Gestalten die Rechnung ohne die KrimiKatzen gemacht. Die ermitteln auf Teufel-komm-raus, auch wenn sie zum Teil ganz andere Sorgen haben: Cocos Katzenfamilie droht auseinandergerissen zu werden. Die Nachbarn, bei denen ihr Partner Felix und zwei ihrer gemeinsamen Kinder leben, wollen nach Hamburg ziehen und ihre Katzen natürlich mitnehmen. Die aber möchten unbedingt zusammenbleiben. Und auch Cocos Menschenfamilie hat ihre Probleme. Doch das muss jetzt erst einmal zurückstehen. Bei diesem ungeheuerlichen Fall geht’s um viel mehr.

Idylle und schreckliche Verbrechen

Reale Gräueltaten mischen sich mit Fiktion. Die Tiere zeigen sehr menschliche Verhaltensweisen. Sie haben ein Familienleben und kennen die gesamte Bandbreite der Gefühle. Sie singen, tanzen, feiern, nutzen moderne Technik und machen sich kluge Gedanken über ihr Leben und das ihrer Zweibeiner. Auch wenn sie zickig, eifersüchtig und stur sein können: In Punkten wie Ehrlichkeit, Geradlinigkeit und Toleranz schneiden sie besser ab als die meisten Menschen. 

Es ist gut, dass die recht idyllische Katzenwelt sowie der optimistische Zusammenhalt einer internationalen Musikertruppe den brüllenden Horden und fürchterlichen Verbrechen gegenüberstehen. Es wäre gar zu trostlos, wenn uns die Autorin mit den Ewiggestrigen und Neu-Gestrigen alleine ließe, ohne Gegenentwürfe zu präsentieren.

Die Krimihandlung ist packend. Der Leser ist zunehmend entsetzt von den Verstrickungen und Scheußlichkeiten, die hier nach und nach ans Licht kommen, und fragt sich, was da sonst noch Grässliches im Verborgenen schlummert – und ob die kleinen KrimiKatzen den größeren, stärkeren und in Skrupellosigkeit geübten Verbrechern überhaupt gewachsen sind. Und natürlich fiebern wir auch auf kätzisch-menschlicher Ebene mit: Muss Coco sich wirklich von ihrem Herzenskater und den gemeinsamen Kindern trennen? 

Gernot-Liebster und die Schuster-Schmids

Als Kenner*in der Reihe denkt man: Ist ja klar, dass die seltsamen Schuster-Schmids aus Cocos Nachbarschaft die Finger in der Geschichte haben! Denen haben wir doch immer schon misstraut!  Diese Nachbarn haben mir allerdings eine Menge Kopfzerbrechen bereitet und mich ein wenig von der Handlung abgelenkt. 

Nachbarstochter Sabine halte ich wegen ihres kleinen Sohnes für eine Frau so um die 30. Gernot-Liebster müsste, nach allem, was wir über ihn wissen, kurz vor der Pensionierung stehen. Für Sabine ist der doch ein uralter Sack, oder? Hatte ich mich etwa verlesen und er ist der Lover ihrer Mutter? Die dürfte in meinem Alter sein (+- 60), zu ihr passt er rein rechnerisch besser. Blätter-blätter-blätter … nein, er gehört definitiv zu Sabine! Und nachdem ich offenbar eine Dialogzeile irrtümlich Sabines Mutter zugeschrieben hatte, geriet ich restlos aus dem Tritt. Die kann doch nicht schon über 90 sein! Das ist sie auch nicht. Es hat aber hübsch eine Weile gedauert, bis ich die Jahreszahlen und Altersangaben richtig sortiert hatte. 🙂

Ich sag’s nur, damit sich andere Zahlenfreaks nicht über die Familienverhältnisse der Nachbarschaft das Hirn zermartern, sondern sich voll und ganz auf die Krimihandlung konzentrieren können. Das lohnt sich nämlich!

Die Autorin

Marianne Kaindl studierte Germanistik, Philosophie und Buchwesen und ergänzte dies durch eine profunde Ausbildung zur Multimedia-Autorin und -Projektleiterin. Für ihren Coco-Katzen-Krimi „Sechs Katzen und ein Todesfall“ wurde sie mit dem Indie Autor Community-Preis 2018 ausgezeichnet. Sie lebt mit ihren Katzen am Bodensee in der Nähe von Meersburg. Seit Heft 5/19 ist Msiealle zwei Monate Gastautorin mit Katzen-Kurzkrimis in der renommierten Zeitschrift „Our Cats“.
Website der Coco-Katzen-Krimis: www.katzen-krimi.de
Marianne Kaindl auf Facebook: www.facebook.com/marianne.kaindl

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

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