Gina Mayer: Internat der bösen Tiere (Band 2) – Die Falle (ab 10 J.)

Gina Mayer: Internat der bösen Tiere (2) – Die Falle (ab 10 J.), Ravensburg 2020, Ravensburger Verlag, ISBN 978-3-473-40847-4, Hardcover mit Gucklochstanzung, 288 Seiten inkl. 20 Seiten Leseprobe des Folgebands, mit s/w-Illustrationen von Clara Vath, Format: 15,3 x 3 x 21,5 cm, Buch: EUR 14,99 (D), EUR 15,50 (A), Kindle: EUR 9,99.

Abb.: (c) Ravensburger Verlag

„Noch nie war Noel so glücklich gewesen, wie in den Wochen die er im Internat der bösen Tiere  verbracht hatte. Die geheimen Inseln waren seine Heimat, sein Zuhause, dort gehörte er hin. Er war stolz auf seine Mutter, dass sie diesen Ort geschaffen hatte. Und er würde es nicht zulassen, dass Uko ihr Lebenswerk zerstörte.“ (Seite 247)

Teenager Noel, der seine leiblichen Eltern nie kennengelernt hat, hatte bis vor kurzem keine Ahnung, dass er zu den „Auserwählten“ zählt, denen telepathische Kommunikation schon in die Wiege gelegt worden ist. Als er das erste Mal Stimmen in seinem Kopf gehört hat, hat er gedacht, er verliert den Verstand. Doch diese Stimmen haben ihn auf abenteuerlichen Wegen zu den geheimen Inseln geführt, ins „Internat der bösen Tiere“.

Im Internat angekommen

Hier sind seine Lehrer und Schulkameraden – bis auf wenige Ausnahmen – Wildtiere und alle Schüler *innen sollen voneinander lernen. Vor allem sollen sie artenübergreifend gut miteinander auskommen. Dass Noels Mutter Sonya die Schule gegründet hat, macht den Jungen stolz. Aber es ist auch Grund zur Besorgnis, denn sie hat in der Tierwelt auch mächtige Feinde. Was sie ihr angetan haben, weiß niemand, denn sie ist seit 15 Jahren spurlos verschwunden. 

Jetzt sind der Schwarzbär Uko und sein Netzwerk hinter Noel her und die Schulleiterin Mrs Moa – eine Würgeschlange – hat ordentlich zu tun, den Jungen vor seinen Feinden zu beschützen. Weil er aber den Ernst der Lage verkennt und auf ihre Anordnungen pfeift, klappt das nicht so, wie sie sich das vorstellt. Noel ist eben ein typischer Teenager, der lieber mit seinen Kumpels etwas unternimmt, statt sich absondern und einsperren zu lassen. 

Noel ist sich darüber im klaren, dass die Paviane in seiner Klasse – drei echt miese Mobber! – ihn erst recht auf dem Kieker hätten, wenn man ihm als Sohn der Internatsgründerin eine Sonderbehandlung angedeihen ließe. Sie lassen ja jetzt schon keine Chance aus, ihn zu schikanieren. Dass sie durch die eine oder andere Aktion Noels Leben aufs Spiel setzen, finden sie ausgesprochen amüsant. Das müssen die Lehrer und die Schulleitung doch mitkriegen! Warum lassen sie das zu?

Trotz des Verbots zum Tauchlehrgang

Dass Noel nicht am Tauchlehrgang teilnehmen darf, der exklusiv für die menschlichen Schüler*innen veranstaltet wird, weiß er, aber es ist ihm wurscht. Er geht trotzdem hin, weil das eine der wenigen Chancen ist, seine Mitschülerin Katokwe von der Insel der Späher wiederzusehen, in die er sich verliebt hat. Auch sein Kumpel und Mitbewohner Taiyo steht auf Katokwe und der soll sich durch die Teilnahme am Tauchkurs möglichst keinen Vorteil bei ihr verschaffen können.

Jetzt ist Noel also mit seinen menschlichen Schulkameraden, einem tierischen Lehrer und der Schiffsbesatzung der Liberty auf hoher See und hat nur die Wächterhaie zu seinem Schutz. Was, wenn der Angriff aus der Luft kommt? Trauen kann Noel niemandem, denn es gibt einen Verräter in ihren Reihen, der heimlich mit Uko zusammenarbeitet. Und das könnte jeder sein. Verhalten sich nicht ein paar der Jungs auf dem Schiff äußerst merkwürdig? Kommt Krokodil Sirk wirklich auf Anordnung der Direktorin? Und sind die mobbenden Paviane einfach nur charakterlose A***l*cher oder verfolgen sie einen Plan?

Trotzdem genießt Noel das Tauchtraining und Katokwes Nähe. Alles läuft wunderbar – doch kurz vor Schluss geht etwas grandios schief. Einer seiner Freunde verschwindet, entführt von Ukos Leuten. Damit haben sie ein Druckmittel. Denn eigentlich wollen sie Noel …

Die Reihe ist so konzipiert, dass man auch bei Band 2 einsteigen könnte. Ich würde trotzdem empfehlen, mit Band 1 anzufangen. Dann kann man sich schon ein bisschen an dieses exotische Schulsystem gewöhnen.

Eine unterschwellige Bedrohung

Die Geschichte hat ruhige Momente, es steppt nicht ständig der Bär. 😉 . Doch selbst in Szenen, in denen die Schüler*innen einfach nur das Leben genießen, besteht diese unterschwellige Bedrohung: Jemand will Noel ans Leder, obwohl er gerade erst dabei ist, sich in der Welt der „Auserwählten“ zurechtzufinden. Bis vor kurzem hat er ja nicht einmal gewusst, dass es dieses Internat auf den geheimen Inseln gibt. Was immer vor seiner Geburt geschehen ist, welche Rechnung Uko auch mit Sonya offen zu haben glaubt –  Noel weiß nichts davon und ist auch nicht dafür verantwortlich. Sie jagen einen Unschuldigen …

Andererseits haben die Menschenfeinde unter den Tieren durchaus einen Punkt: 

„Ihr Menschen seid böse (…) Ihr werdet die ganze Erde vernichten, wenn wir euch nicht Einhalt gebieten. (…) Mit einer so gewissenlosen Art ist keine Verständigung möglich. Und schon gar keine Versöhnung. (…) Je weniger es von euch gibt, desto besser geht es der Welt.“ (Seite 238)

Aber gäbe es da nicht geeignetere Opfer als ausgerechnet den Sohn einer Frau, die sich für die artenübergreifende Verständigung, Gewaltlosigkeit und ein friedliches Zusammenleben eingesetzt hat?

Warum ist Noel in Gefahr?

Es hilft alles nichts: Um zu verstehen, was wirklich dahintersteckt, wird entweder Sonya auftauchen und sich erklären müssen oder Uko muss aus der Deckung kommen und sich äußern. Darauf, denke ich, läuft die Geschichte hinaus. Ich würde ausgesprochen gerne wissen, was es mit Noels Mutter auf sich hat. Und einen Vater hat der Bub doch auch! 

Uferlos kann man diese Story sicher nicht strecken, sonst wird’s fad. Und jetzt wünsche ich mir einerseits noch viele wilde und phantastische Abenteuer mit den bösen Tieren, aber andererseits auch eine baldige Klärung aller offenen Fragen. Die richtige Balance wird die Autorin finden müssen.

Ach, warum hat es solche phantasievollen Bücher nicht schon gegeben, als ich in diesem Alter war! Wenn es sie gegeben hat, müssen sie sich sehr gut vor mir versteckt haben. Vor mir war keine größere Buchstabenansammlung sicher. Aber ich lese solche Abenteuer auch heute noch gern. Irgendwie ist das INTERNAT DER BÖSEN TIERE eine Reihe für Zehnjährige jeden Alters. 😉

Die Autorin

Gina Mayer, geb. 1965, studierte Grafik-Design und arbeitete danach als freie Werbetexterin, bevor sie Schriftstellerin wurde. Seit 2006 hat sie eine Vielzahl an Romanen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene veröffentlicht. Ihre Werke standen auf der Spiegel-Bestsellerliste und wurden in viele Sprachen übersetzt. Gina Mayer lebt mit ihrem Mann in Düsseldorf.

Die Illustratorin

Clara Vath arbeitet seit 2012 als freischaffende Illustratorin für diverse Verlage. Sie illustriert unter anderem Kinder- und Jugendbücher und schätzt daran vor allem die Vielfältigkeit und das Abtauchen in andere Welten. Ihr Illustrationsstil verbindet oft fantastische und mystische Elemente, die zum Träumen einladen und in Abenteuer entführen.

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

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