Julia Salenz: Tatzenfreu(n)de (8 – 12 Jahre)

Julia Salenz: Tatzenfreu(n)de (8 – 12 Jahre), Norderstedt 2021, BoD Books on Demand, ISBN 978-3-753-40307-6, Softcover, 95 Seiten, Format: 12 x 0,6 x 19 cm, Buch: EUR 5,99, Kindle: EUR 2,49.

Abb.: (c) BoD / Salenz

Wieder einmal habe ich gar nicht bemerkt, dass ich ein Buch für Kinder lese. Dass es eines ist, ist mir erst beim Zusammenstellen der bibliographischen Angaben aufgefallen. Das heißt, man kann auch als erwachsene*r Katzenfreund*in seinen Spaß an der Geschichte haben.

Tor zu – Katze gefangen

Katzendame „Stinker“ rennt gern mal los, ohne zu überlegen, wie sie nachher wieder zurück nach Hause kommt. Auf diese Weise gerät sie auch in ein fremdes Gebäude. Das Tor schließt sich hinter ihr – und sie ist gefangen. Einen weiteren Ausgang gibt’s nicht. Zwar hört sie ihre Menschen von Ferne nach ihr rufen, aber sie kann nicht laut genug bemerkbar machen.

Sie versucht alles Mögliche, um sich zu befreien, doch sie hat keine Chance. Es bleibt ihr nichts anderes übrig, als so lange zu warten, bis wieder ein Mensch vorbeikommt und das Tor aufmacht.

Kindheitserinnerungen

Stinker kann gerade nichts tun, also denkt sie zurück an die Zeit, als sie noch ein kleines Kitten war und mit Mutter und Geschwistern auf einem Reiterhof gelebt hat. Nelly hat sie damals noch geheißen. Schön war’s da. Aber eines Tages ist sie aus lauter Angst vor einem grantigen alten Hofkater kopflos davongerannt und hat nicht mehr nach Hause gefunden. Gesucht hat sie niemand.

Hunger und Durst haben sie schließlich in den Garten einer – zum Glück tierlieben – Familie getrieben. Auch wenn Tochter Hannah das Katzenkind gerne behalten hätte – es ist leider nicht möglich. Nelly landet im Tierheim und erhält dort den Namen Marie. Sie hört eine Menge spannender und trauriger Geschichten von ihren tierischen Mitbewohner*innen. Einer nach dem anderen findet ein neues Zuhause, nur bei ihr scheint das ewig zu dauern. Schließlich interessiert sich ein junges Paar für sie.

Katze und Menschen sind einander spontan sympathisch und Marie zieht um. Wie sie zu ihrem neuen Namen „Stinker“ kommt, erzählt uns die Autorin im Buch. 😉

Ein neues Zuhause

Stinker gewöhnt sich schnell ein, treibt allerhand Unfug, den junge Katzen eben so machen, und wickelt ihre Menschen ruckzuck ums Pfötchen. Das ist sehr amüsant. Dennoch hat man als Leser*in stets im Blick, dass die Katze ja gegen ihren Willen eingesperrt ist und dringend auf Hilfe wartet. Und natürlich hofft man, dass diese Hilfe schnellstmöglich naht und Stinker weiter ihr unbeschwertes Katzenleben genießen kann.

Einstweilen gehen ihre Erinnerung weiter. Als Stinker im zweiten Winter bei ihren Menschen lebt, gewinnen diese den Eindruck, dass sie sich als Einzelkatze langweilt. Sie besorgen ihr einen Artgenossen. So kommt der kleine Kater Socke ins Haus.

Der kleine Artgenosse nervt

Das ist zwar lieb gemeint von den Menschen, aber der Kleine ist eben noch ein richtiges Kind. Stinker ist mächtig genervt davon, dass er ihr dauernd am Rockzipfel hängt. Wo sie sich auch versteckt: Socke spürt sie auf. Wo sie ist, will die lästige kleine Klette ebenfalls sein. Jetzt, da Stinker einsam in ihrem Gefängnis hockt, wäre das ausnahmsweise mal nützlich …!

Die Erlebnisse des Stinker-Socke-Teams gehen auf die Erfahrungen der Autorin mit ihren eigenen Katzen zurück. Das glaubt ihr jede*r Katzenhalter*in aufs Wort! Ich jedenfalls habe einiges aus meinen eigenen Multikatzenhaushalt wiedererkannt. Verstecken, vorübergehend spurlos verschwinden und sich in luftigen Höhen versteigen, das können offenbar sehr viele Katzen gut!

Zum Lesen und Vorlesen

Die Schrift ist ein bisschen sehr klein, was für Kinderbücher eher ungewöhnlich ist. Vielleicht bin ich deshalb nicht auf die Idee gekommen, dass es eines sein könnte. Aber bei Selfpublishing sind Seitenzahlen eine Kostenfrage, und da wählt man eben einen kleineren Schriftgrad. Gut: Wenn den jüngeren Kindern die Minischrift zu anstrengend ist, müssen eben Erwachsene aus dem Buch vorlesen. Auch kein Fehler. Das ist ein Buch für Groß und Klein.

Ich fand die TATZENFREU(N)DE amüsant und könnte mir vorstellen, dass es anderen Katzenfreund*innen ebenso ergehen wird – selbst wenn sie dem Alter der angepeilten Zielgruppe längst entwachsen sind.

Die Autorin

Julia Salenz, geboren 1971 in Lübeck, arbeitete zunächst als Bauingenieurin. Später absolvierte sie ein Studium in den Bereichen Soziologie und Pädagogik. Neben der beruflichen Tätigkeit schloss sie eine Ausbildung im Bereich der Tierverhaltensberatung mit dem Spezialgebiet der Katze ab. Ihr umfangreiches Fachwissen sowie die Erlebnisse mit den eigenen zwei Couchtigern lieferten die Vorlage für die tierische Geschichte.

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

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