Monika Feth (Text), Claudia Burmeister (Illustrationen): Armer schwarzer Kater (ab 5 J.)

Monika Feth (Text), Claudia Burmeister (Illustrationen): Armer schwarzer Kater (ab 5 J.), München 2021, cbj Kinder- und Jugendbuchverlag, ISBN ‎978-3-570-17895-9, Hardcover, 61 Seiten mit farbigen Illustrationen, Format: 7,5 x 1,3 x 24,6 cm, Buch: EUR 12,00 (D), EUR 12,40 (A), Kindle: EUR 9,99.

Abb.: (c) cbj Verlag

„Vorsichtig fährt meine Zunge – ohne, dass ich das will – über ihr Köpfchen und sie fängt im Schlaf an zu schnurren. Falls man das Geräuschelchen überhaupt als Schnurren bezeichnen kann. Was ist los mit mir?“ (Seite 38)

Ach, ist das niedlich! Das Buch gefällt auch erwachsenen Katzenfreund:innen, weil die Geschichte so typisch Katze ist!

Wenn der schwarze Kater ehrlich ist, ist es ganz schön langweilig daheim, während seine Menschenfamilie tagsüber außer Haus ist, auch wenn er jederzeit durch die Katzenklappe raus und wieder rein kann. Ein großer Teil seines Lebens besteht aus Warten. Aber wenn seine Menschen endlich von der Arbeit und der Schule nach Hause kommen, dann genießt er ihre ungeteilte Aufmerksamkeit.

Eine Überraschung für den Kater

Als sie ihm eines Tages eine große Überraschung versprechen, ist er zunächst Feuer und Flamme – bis er merkt, dass sich die versprochene Überraschung offenbar in seiner Transportbox befindet. Das Ding bringt doch immer nur Ärger mit sich: Es bedeutet Autofahren und/oder Tierarzt. Das kann nichts Gutes werden!

Als ob er es geahnt hätte! Der Box entsteigt ein dreifarbiges Katzenkind und maunzt erwartungsvoll. Der Kater ist wie vom Donner gerührt und faucht erst einmal. Das soll die tolle Überraschung sein? Dieses halbfertige Wesen? Das bleibt doch nicht etwa auf Dauer hier? ER ist der Kater im Haus! Er braucht keine Konkurrenz und keinen Ersatz!

Eifersüchtig und beleidigt

Eifersüchtig und beleidigt ergreift der schwarze Kater die Flucht und nächtigt nun bei Nachbarsdackel Waldemar – der gar nicht so dämlich ist, wie der Kater immer gedacht hat, sondern sich als kluger und hilfsbereiter Kerl entpuppt, der sein Futter mit ihm teilt und ihm gut zuhört. Er schafft es aber nicht, den Kater zum Heimgehen zu bewegen. Nein, nach Hause will er nicht! Da wohnt jetzt die kleine Ersatzkatz‘. Er ist jetzt ein wilder und freier Straßenkater und kommt alleine klar, so! Er zieht zu den Streunerkatzen auf den Bauernhof. Aber das Leben ohne menschliche Versorgung und Zuwendung ist ganz schön hart.

Tagsüber, wenn seine Menschen unterwegs sind, schleicht er sich durch die Katzenklappe ins Haus, futtert ein bisschen was, schaut, ob die kleine Nervensäge noch da ist und legt sich im Bett seines Lieblingsmenschen schlafen. Bevor seine Menschen nach Hause kommen, ist er schon wieder fort.

Schade, dass ihn keiner vermisst!

Dem kleinen Katzenmädchen, das auf den albernen Namen „Mausi“ hört (oder auch nicht 😉 ), ist es egal, dass der große schwarze Kater es nicht leiden kann. Wenn er schläft, kuschelt sie sich an ihn. Und er ertappt sich verblüfft dabei, die Kleine liebevoll zu putzen. Als Mausi ihm folgt, während er das Haus verlässt, tut er alles, damit sie wieder wohlbehalten heimkommt. Die Familie würde sich andernfalls Sorgen um sie machen und sie suchen. Schade nur, dass ihn keiner vermisst! Aber ist das wirklich so, oder bildet sich der eifersüchtige Kater das nur ein?

Und dann ergibt sich für den Kater überraschend die Gelegenheit, die lästige kleine Konkurrentin ein für allemal loszuwerden. Aber wird er das wirklich übers Herz bringen?

Einzelkatz‘ und Einzelkind

Das Buch kann man der jungen Zielgruppe als ganz normale Tiergeschichte präsentieren. Dass sich Katzen ein neues Zuhause suchen, wenn sich in ihrer bisherigen Menschenfamilie etwas verändert, davon haben die Kinder vielleicht schon gehört. Hier erfahren sie, was dahintersteckt und dass es keinesfalls immer so enden muss.

Vielleicht kann man das Buch auch dazu nutzen, ein Einzelkind auf ein Geschwisterchen vorzubereiten. Da gibt’s ja durchaus Parallelen: Der „Erstgeborene“ ist zunächst eifersüchtig und unglücklich über die Veränderung und fühlt sich zurückgesetzt. Bis er merkt, dass der Neuzugang gar nicht so übel ist und die Situation auch ihre schönen Seiten hat. Ich hoffe, es ist kein Missbrauch, wenn man das Buch so einsetzt. Aber vielleicht haben die Schöpferinnen von ARMER SCHWARZER KATER in ihrem Buch schon immer ein bisschen mehr gesehen als eine herzerwärmende Katzengeschichte.

Die Autorin

Monika Feth wurde 1951 in Hagen geboren, arbeitete nach ihrem literaturwissenschaftlichen Studium zunächst als Journalistin und begann dann, Bücher zu verfassen. Heute lebt sie in der Nähe von Köln, wo sie vielfach ausgezeichnete Bücher für Leser aller Altersgruppen schreibt. Der sensationelle Erfolg der »Erdbeerpflücker«-Thriller machte sie weit über die Grenzen des Jugendbuchs hinaus bekannt. Ihre Bücher wurden in mehr als 24 Sprachen übersetzt.

Die Illustratorin

Claudia Burmeister hat Grafik + Design und anschließend Erziehungswissenschaften/Germanistik in Berlin studiert. Sie lebt und arbeitet als freie Illustratorin mit Sohn und Mann „in der Mecklenburgischen Pampa“, weil man dort den Himmel sehen kann. Bei Besuchen in Buchläden und Bibliotheken ist sie noch immer in der Kinderbuchecke zu finden.

Rezension: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

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