Neue Schränke

Anfang Februar hatte ich Urlaub. Und wie das so ist, wenn man die ganze Zeit daheim rumlungert und wegen Corona und des Kackwetters nirgends hinkann: Es fällt einem an jeder Ecke des Hauses etwas auf, das noch verbesserungsbedürftig wäre. Das mit den neuen Fenstern ist längst angeleiert, die Neugestaltung der Fassade in Planung – und nun störte mich nach fünf Jahren auf einmal das Chaos im „Hauswirtschaftsraum“. Da hatte ich alles Mögliche in Plastik-Aufbewahrungsboxen unterschiedlichster Machart verstaut und es sah mit der Zeit aus wie in einem improvisierten Warenlager.

Jetzt muss sofort etwas geschehen!

Ich kann jahrelang völlig unbeeindruckt an Provisorien und suboptimalen Lösungen vorbeilatschen, aber wenn es mich einmal nervt, dann muss SOFORT etwas geschehen.

Erst dachte ich, ich fahre ins Möbelhaus. Aber ich hatte meine Zweifel daran, dass die das im Programm haben, was ich brauche: einen simplen Schrank mit platzsparender „Rolltür“. Das ist ja eher Bürobedarf. Und hier kam mein Allerwelts-Büromaterialhändler ins Spiel. Ich nahm Maß, wälzte Kataloge und fand das Gesuchte: zwei graue Büroschränke.

Ich weiß, dass ich Möbel nicht selber aufbauen kann – es fehlt mir an den nötigen Fertigkeiten, gegebenenfalls am passenden Werkzeug und an der Kraft. Und meistens ist auch noch eine dritte Hand nötig. Da ich nicht gerne ohne Not Freunde und Verwandte mit meinen Anliegen belästige, habe ich die Schränke mit Aufbauservice bestellt.

Ende des Monats sollten sie kommen. Jetzt hatte ich in den letzten Tagen immer wieder Anrufe einer unbekannten Nummer auf dem Festnetz, wenn ich gerade unterwegs war. Recherchen ergaben, dass ich die Firma nicht kenne. Okay, Telefonspam, dachte ich.

Am Dienstag Abend, als ich vom Verlag nach Hause kam, kontaktierte mich dann der Hersteller der Schränke: Die Spedition hätte mich nicht erreicht, sie wollten die Möbel am Folgetag liefern. Okay. Passt. 

Händler, Hersteller, Spediteur …

Ich bin schnell damit überfordert, es mit verschiedenen Ansprechpartnern zu tun zu haben. Bestellt habe ich bei Händler A, telefoniert habe ich mit Hersteller B und geliefert hat Spediteur C. Klar, das ist normal. Aber mein Geschäftspartner ist A. Die anderen Namen kann ich nicht zuordnen, wenn ich sie am Telefon habe.

Ich hab also in einer Nacht- und Nebelaktion den ganzen Hauswirtschaftsraum leergeräumt, geputzt und der Dinge geharrt, die zwischen 8 und 13 Uhr kommen sollten.

Alles leergeräumt. Foto: E. Nebel

Die Männer von der Spedition kamen um 9 Uhr, fuhren auf den Hof und fingen an, Pakete mit der Aufschrift „Emma“ auszuladen. Mit einem der beiden (albanischen?) Herren war eine Verständigung möglich.
„Moment“, sagte ich. „Emma … das ist doch ein Bett, oder? Ich habe zwei Schränke bestellt. Ein Bett habe ich schon.“
Sie schauten nach. „Ja, stimmt“.
Natürlich stimmt das. Ich weiß ja, was ich geordert habe.

Nein, nein, keine Matratze!

Das war jetzt natürlich blöd, weil meine Schränke hinten im Lastwagen lagerten. Nun mussten die Herren alles um die Matratzen rumräumen. Ich hatte schon Schiss, sie fahren wieder weg und liefern erst das Bett aus. Zum Glück nicht. 

Es hat alles wunderbar geklappt. In einer Stunde war die Sache erledigt und Kater Joschi konnte endlich alles in Augenschein nehmen.

Joschi macht die Endabnahme. Foto: E. Nebel

Während der Aufbauarbeiten hatte ich die Katzen unten in der Wohnung eingesperrt. Zum „Arbeitsgeschoss“ hatten sie solange keinen Zutritt. Manche meiner Katzen haben sich ins hinterste Eck verkrümelt, wenn Handwerker da waren. Indie und Joschi dagegen wollen es genau wissen und haben überall die Nase dazwischen.

So, und jetzt ist das meiste wieder eingeräumt. 

Stilleben mit Chaos und neuen Schränken. Foto: E. Nebel

Farbenfrohe Wohnkultur?

Freund:innen der farbenfrohen Wohnkultur werden jetzt natürlich die Nase rümpfen. Alles grau! Aber, Leute, das ist ein Hauswirtschaftsraum! Hier wohnen Staubsauger, Wäscheständer, Bügelbrett, Haushaltsleitern, Putzmittel und diverser anderer Klimbim. Die brauchen alle kein elaboriertes Farbkonzept. 

Wenn ich es mir recht überlege: So richtig Stil hatte der Raum noch nie. In den 60er-Jahren war das mein Kinderzimmer, danach Mutters Schneiderwerkstatt und nach ihrem Tod das Lese- und Fernsehzimmer meines Vaters. Also, denke ich, wird das Zimmer auch nichts vermissen. Es kennt es ja nicht anders. 😉 

4 Kommentare

  1. So grau ist es jetzt auch nicht, die Taschen und das Schuhgestell bringen da ordentlich Farbe rein. Sieht toll aus und toll geschrieben wie immer.

  2. Hallo, liebe Frau Nebel ! Aus irgend einem Grund kann ich zurzeit keine Beiträge einreichen. Ich versuche nun schon mehrmals, eine E-mail zu versenden, die anscheinend nicht ankommt ? Schauen Sie doch bitte mal im Spam-Ordner.

    1. Oh, altbekanntes Phänomen! Manche Mails scheinen eine Geheimtür zu finden. Sie landen in keinem mir bekannten Ordner und ich finde sie erst, wenn ich den Namen des Absenders ins Suchfenster eingebe. Mail ist unterwegs. Es gibt Alternativen.

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