Angelika Godau, Luise Klein: Herbstgewittern. Familienroman

Angelika Godau, Luise Klein: Herbstgewittern. Familienroman, Zweibrücken 2022, Independently published, ISBN 979-8-41955156-5, Softcover, 285 Seiten, Format: 12,7 x 1,65 x 20,32 cm, Buch: EUR 9,95, Kindle: EUR 5,99.

Abb.: (c) A. Godau

„Sie hat eine eiserne Regel gebrochen, daher wird es keine vorgefertigte Ansprache geben. Schließlich geht man nicht in ein Altersheim, um es dann wieder zu verlassen. Nicht lebend jedenfalls.“ (Seite 7)

Neues Glück für Oma

Seit dem Vorgängerband HERBSTFRÜHLING hat sich die Lage nur für Inge Berger (77) und ihren neuen Lebensgefährten Jonathan Brinkmann (65) verbessert. Inge ist aus dem Seniorenheim aus- und bei Jonathan eingezogen. Er trägt sie auf Händen, wie man so schön sagt, und weil er Else hat, seine patente Haushälterin, muss Inge ihre Zeit auch nicht mit Hausarbeit verplempern. Else hat kein Problem damit, dass bei Witwer Jonathan wieder eine Frau eingezogen ist. Sie kann ihren Chef gut leiden, hat aber kein romantisches Interesse an ihm. Für die Großelterngeneration läuft es also prima. 

Anstrengendes Pubertier

Inges Enkelin Lara (14) ist nach wie vor ein anstrengendes Pubertier: egozentrisch, rücksichtslos, fordernd und unverschämt. Es ist unfassbar, wie dieses Mädchen mit ihren Mitmenschen umspringt und damit durchkommt! Aber so langsam mucken doch ein paar auf. Freund Arne hat die Nase voll davon, dass immer nur sie die Ansagen macht und seine Wünsche gar nicht zählen. Er findet ein paar deutliche Worte und nun ist Lara stinkbeleidigt und todunglücklich.

Im Vergleich zu ihr ist ihr jüngerer Bruder Lars (12) pflegeleicht. Solange er einen Computer und Pizza hat, ist ihm alles andere wurscht.

Schreckliche Eltern

Der Vater der beiden ist ein Totalausfall. Er hat die Familie verlassen, und wir werden sehen, dass er nicht einmal in einer akuten Notsituation für seine Kinder da ist. Dass er mit seiner Exfrau Sarah (39) nichts mehr zu tun haben will, kann ich ihm nicht einmal verdenken. Zwar ist er wegen einer Jüngeren gegangen, aber Sarah ist ein fürchterliches Weib. So spreche ich nicht gerne von anderen Frauen – nicht einmal von fiktionalen –, aber hier wäre jede Beschönigung verlogen. Sarah ist ständig schlecht gelaunt, aggressiv bis bösartig und an allem sind die anderen schuld – meistens ihr Ex und ihre Mutter. Dass Inge sich im reifen Alter nochmals verliebt hat, empfindet sie als Verrat an ihrem Vater, der schon vor Jahren verstorben ist. Das wirkt recht unreif.

Freunde in der Not

Sarahs Verhältnis zu ihrer Mutter war schon immer kompliziert, aber noch nie so schlecht wie jetzt. Doch hat sie noch ganz andere Probleme als ihre fortschreitende Zickigkeit. Knall auf Fall muss sie ins Krankenhaus und eine Weile dort bleiben. Ausgang ungewiss. Wer kümmert sich jetzt um die Kinder? Der Gatte, den sie hatte? Pfff! Der doch nicht! Der hat mehr Ausreden als ein Straßenhund Flöhe! 

Weil es keine andere praktikable Lösung gibt, springt Oma Inge ein. Sie weiß gut, was sie Jonathan zumutet, wenn sie ihre Enkel bei ihm einquartiert. Besonders die ungezogene Lara ist ein Problem. Aber für seine Inge tut er alles und beherbergt auch auf unbestimmte Zeit die Kids. Als pensionierter Polizist ist er den Umgang mit schwieriger Klientel gewöhnt. Halbwüchsige Rotzlöffel:innen 😉 sind für ihn keine Gegner. Auch Haushälterin Else ist von der robusten Sorte und denkt nicht daran, sich von Inges Enkeln auf der Nase herumtanzen zu lassen. Brüderchen und Schwesterchen werden sich noch umgucken!

Eine Mail mit bösen Folgen

Allein in ihrem Krankenzimmer – wegen der Pandemie herrscht Besuchsverbot – hat Sarah nun Zeit zum Nachdenken. In einem Gespräch mit dem Krankenhausseelsorger fällt ihr eine Begebenheit aus ihrer Kindheit ein, die aus heutiger Sicht eine ganz andere Bedeutung bekommt. Sarah wähnt sich einem groß angelegten Betrug auf der Spur und schreibt eine geharnischte Nachricht an ihre Mutter – mit dramatischen Folgen. Ist diese Familie noch zu retten?!

Ich weiß, dass traumatische Erlebnisse und familiäre Probleme oft Auswirkungen auf nachfolgende Generationen haben. Die tragen dann die „Päckchen“ ihrer Ahnen weiter, ohne zu wissen, was drin ist. So ist es auch hier. Das erklärt zum Teil, warum die bodenständige, sympathische Inge so unleidliche Nachkommen hat (Sarah, Lara), für die ich leider keinen Funken Mitgefühl aufbringen kann. Vielleicht, weil sie selber keines haben. Sie kreisen nur um sich selbst. Wenn jemand anderes Schwierigkeiten hat, ist für sie nur wichtig, inwiefern das ihr eigenes Wohlbefinden beeinträchtigt. Diese Gedanken schwingen in solchen Fällen sicher mit, aber bei den beiden ist das schon extrem.

Hoffnung auf besseres Wetter

Ich kann die zwei Weiber nicht leiden und bin froh, dass sie sicher zwischen Buchdeckeln eingesperrt sind. Im wahren Leben würde ich um Sarah und Lara einen riesengroßen Bogen machen. Enkelin Lara hat wenigstens noch die Ausrede „Pubertät“. Vielleicht bringen die Großeltern und Else sie ja auf den Boden der Tatsachen. Ich denke, hier ist noch nicht alles zu spät.

Bei Sarah weiß man nicht, welches Verhalten ihrer Krankheit geschuldet ist und welches ihrer Persönlichkeit. Sie soll ja früher nicht ganz so schlimm gewesen sein. Jetzt vergrault sie aber mit ihrer streitsüchtigen Art alle, die es gut mit ihr meinen. Vielleicht ändert sich das ja wieder, wenn es ihr gesundheitlich besser geht. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Warum beschäftige ich mich mit literarischen Unsympathen, wo es doch im realen Leben genügend davon gibt? Weil bei all den dramatischen Ereignissen in dem Buch die Dialoge oft zum Brüllen komisch sind … weil Inge und Jonathan ein absolutes Traumpaar abgeben … und weil ich ganz naiv darauf warte, dass den beiden unerträglichen Damen mal ein Kronleuchter aufgeht und sie erkennen, dass sie so nicht weitermachen können, wenn sie nicht irgendwann ganz alleine dastehen wollen.

Vielleicht reinigt das anhaltende Herbstgewittern ja die Luft, es klart auf und es gibt für die Familie mal ein paar wolkenlose Sonnentage. Ein bisschen Herbstsonne. Ich wünsche es ihnen.

Die Autorinnen

Angelika Godau, geboren in Oberbayern, hat in verschiedenen Regionen Deutschlands gelebt und fast 10 Jahre lang in der Türkei. Sie hat als Journalistin gearbeitet, Psychologie studiert und in Mannheim eine eigene Praxis betrieben. Heute lebt sie mit ihrem Mann, zwei Hunden und einer Katze in Zweibrücken, schreibt Bücher und engagiert sich im Tierschutz.

Luise Klein, 2007 in Heidelberg geboren, besucht ein Gymnasium in Zweibrücken. Auch wenn sie  bisher noch keinen konkreten Berufswunsch hat, das Mitschreiben an diesem Buch hat ihr viel Spaß gemacht. Der Part der 14-jährigen Lara klingt daher sehr nach ihr.

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

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