Rega Kerner: Einfacher Energie sparen zu Hause. Praktische Tipps

Rega Kerner: Einfacher Energie sparen zu Hause. Praktische Tipps, Norderstedt 2022, BoD Books on Demand, ISBN 978-3-75621806-6, Hardcover mit Lesebändchen, 112 Seiten, Format: 14 x 1,2 x 22,1 cm, EUR 16,90, Taschenbuch: 979-8-81788743-3, 112 Seiten, Format: 12,7 x 0,66 x 20,32 cm, EUR 9,90, Kindle: EUR 2,99.

Abb.: BoD

Man kommt sich ja immer ein wenig moralisch unterlegen vor, wenn sich jemand anderer schon sinnvolle Gedanken zu einem wichtigen Thema gemacht hat, das man selbst noch verdrängt. Energie sparen ist so ein brandaktuelles Thema, bei dem ich nicht an vorderster Front mitmische. Okay, ich besitze kein Auto, ich bin seit über zehn Jahren nicht mehr geflogen, habe eine Photovoltaikanlage und beziehe Ökostrom. Aber in Sachen „sparsamer Verbrauch“ bin ich definitiv keine Alltagsheldin. Die Autorin schon. Dabei war ihr das selbst gar nicht bewusst, bis sie eine Statistik ihres Energieversorgers gesehen hat und feststellte, dass ihr 2-Personen-Haushalt gerade mal die Hälfte des Durchschnittsverbrauchs aufweist.

Bei näherer Betrachtung ist das gar nicht so verwunderlich: Rega Kerner war lange Jahre als Binnenschifferin unterwegs und hat da den bewussten und sparsamen Umgang mit Ressourcen gelernt. Wenn man alles mühsam an Bord schleppen muss, was man braucht, und unterwegs nicht mal schnell Nachschub holen kann, dann teilt man sich ein, was man hat und behält den Verbrauch im Auge. Diese Erfahrung prägt, und dieses Verhalten hat sie auch beibehalten, seit sie wieder an Land lebt. Dabei hat sie nie das Gefühl gehabt, sich einzuschränken oder auf etwas verzichten zu müssen. Aus einem Blogbeitrag zu diesem Thema hat sich dieses Buch entwickelt.

Tipps, Tricks und Erfahrungsberichte

Gleich vorweg: Auf herablassende Belehrungen reagiere ich allergisch! Doch wenn mir ein Mitmensch auf unterhaltsame Weise erzählt, wie er selbst etwas handhabt und mir die Entscheidung überlässt, ob diese Vorgehensweise auch etwas für mich sein könnte, dann lese ich Tipps, Tricks und Erfahrungsberichte recht gern. Dann bin ich auch für Verhaltensänderungenoffen. So ist dieses Büchlein angelegt, und erfreulicherweise wird auch von niemandem von uns Perfektion oder Dogmatismus erwartet. Wenn jeder von uns ein bisschen Energie spart, kommt am Ende auch was zusammen. 

So persönlich das Buch geschrieben ist, so persönlich liest man’s auch: Man soll Geräte nicht auf Standby lassen und denStecker ziehen, wenn man einen Apparat gerade nicht braucht. Hm, ja, ich weiß. Da wäre bei mir Luft nach oben. Aber ich krieg schon die Krise, wenn ich nach einem Stromausfall durchs Haus hirschen muss um hier und da und dort manuell irgendwelche Einstellungen zu verändern. Dies ist ein sehr technikaffiner Haushalt. Zeitschalturen wären mit der Stecker-Raus-Methode für mich auch erledigt. Und gerade damit arbeite ich gern. Wie ich das umsetze, muss ich mir gut überlegen …

Strom sparen …

Akkus statt Batterien? Okay. Licht aus in ungenutzten Räumen? Ja. Solange niemand von mir erwartet, dass ich an jeder Tür alles absetze, was ich in den Händen habe, um hinter mir das Licht auszuknipsen, wo ich doch in zwei Minuten denselben Weg wieder zurückkomme. (Leute mit solchen Ideen gibt’s!)

Alle alten Glühlampen durch Energiespar-Modelle ersetzen? Habe ich noch nicht getan. Im Keller, auf dem Dachboden und in den Nebengebäuden sind noch dieselben Leuchtmittel drin wie bei meinem Einzug. Diese Lampen brauche ich nur gelegentlich. Aber das kann ich gerne machen. – Tiefkühler abtauen, weil eine Eisschicht bis zu 45% mehr Energieverbrauch bedeuten kann? Sinnvoll, doch so ein Gerät besitze ich gar nicht. – Dass ein leerer Kühlschrank mehr Energie verbraucht als ein voller, weil die gelagerten Lebensmittel Kälte speichern, ist einleuchtend. Hatte ich so nicht auf dem Schirm.

Den Durchlauferhitzer werde ich definitiv nicht über Nacht abstellen und dann am Morgen kalt duschen. Aber die Wasserhähne standardmäßig auf „kalt“ zu drehen und nur dann auf „warm“ umzustellen, wenn man wirklich warmes Wasser braucht, das klingt nach einem Plan.

Die Sache mit der Wäsche

Beim Wäschewaschen habe ich jetzt immer die Mahnung aus dem Buch im Ohr: „Keine Luft waschen!“. Das tut man, wenn die Maschine nicht ganz voll ist. Stimmt es wirklich, dass eine Waschtemperatur von 30 Grad plus Zeitsparprogramm völlig ausreicht? Und dass man alle Farben und alle Stoffarten gemeinsam in die Maschine stopfen soll? Das geht doch nur, wenn alle Textilien, die man hat, schwarz sind, oder? Unvergessen bleibt mir ein Bekannter, der seine weißen Firmen-T-Shirts zusammen mit Jeans gewaschen hat, woraufhin die Hemdchen katzengrau waren. Ich möchte ungern schmuddelig und mit ungebügelt-zerknitterten Klamotten aus dem Haus gehen. Jetzt könnte man natürlich sagen: Was ist ein bisschen Schlampigkeit im Angesicht des Klimawandels? Das ist ein Punkt. Aber über Jahrzehnte eingeübte Gewohnheiten ändert man eben nicht über Nacht.

Und der Wäschetrockner … ja, ich weiß, der ist böse. Er hat mir aber viele Jahre gute Dienste geleistet. Ich hatte die Wahl, entweder nur noch seitwärts durch den Wohnraum hoppeln zu können, weil alles voller Wäscheständer stand, oder mit Waschkorb 60 Stufen zum Dachboden hochzuschnaufen, nur um festzustellen, dass alle Leinen mit der Wäsche der Nachbar:innen belegt waren. Für jemanden, der 13 Stunden am Tag beruflich aus dem Haus ist, ist beides keine erstrebenswerte Option.

Zeit ist Luxus

Es stimmt schon: Wäsche trocknet von alleine, und das dazu noch gratis. Aber sie trägt sich nicht von alleine auf den Dachboden und hängt sich weder selbsttätig auf noch ab. Trockner gekauft, rein mit dem Kleinkram, viel Zeit und Mühe gespart – nur eben keine Energie. Ich will nicht so weit gehen wie eine ehemalige Kollegin, die meinte, das ganze Ökogedöns sei nur was für Hausfrauen mit zu viel Zeit. Sicher nicht! Aber für den Luxus der einen oder anderen Zeitersparnis bin ich immer dankbar gewesen. Ich mag auch nicht morgens umständlich mit Wasserkocher, Tee- oder Kaffeefilter herumwursteln. Da habe ich es eilig und hätte gern mein Heißgetränk auf Knopfdruck. Das mag anders aussehen, wenn ich in Rente bin.

Beim Kochen mache ich wohl – zumindest technisch-energetisch gesehen – einiges richtig. Beim Heizkosten Sparen habe ich nicht viel Spielraum. Ich kann die Heizkörper allenfalls auf „arschkalt“ einstellen. Und abends zwecks Wärmeisolierung in mehr Räumen die Rollos runterlassen. Dann sitzen meine Nachbarn halt in der Früh um fünf kerzengerade im Bett, wenn ich alle wieder geräuschvoll hochkurble oder –ziehe. 😀

Nachhaltig einkaufen

Zum Kapitel des sparsamen Autofahrens kann ich als Nicht-Autofahrerin nicht viel sagen. – Dass man das Auto auch für gut geplante Großeinkäufe und damit für sinnvolle Vorratshaltung nutzen kann, glaube ich aufs Wort, nur habe ich eben keines. Wenn wir schon beim Einkaufen sind: Gebrauchtes erwerben statt Neues, leihen statt kaufen, reparieren statt wegschmeißen – auch das spart an irgendeiner Ecke Energie. Und nicht hysterisch werden, was das Mindesthaltbarkeitsdatum der meisten Lebensmittel angeht! 

Eine Vielzahl von Anregungen

Das ist jetzt natürlich nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was man in diesem Buch findet. Im lockeren Plauderton teilt die Autorin ihre Erfahrungen und ihr Wissen mit uns, und jede:r kann sich aus der Vielzahl der Anregungen herauspicken, was zur eigenen Lebenssituation am besten passt. Manches macht man vielleicht schon unbewusst seit Jahren richtig, anderes tut man aus gutem Grund nicht. Entweder, weil es zu kompliziert und zeitaufwändig wäre oder weil die technischen Konsequenzen nicht abzusehen sind. Ganz sicher werde ich meiner komplexen Haustechnik nicht den Saft abdrehen und damit alle Einstellungen verstrubbeln. Wenn dann der Techniker kommen muss, ist auch nix gespart. Und für Prepper-Weltuntergangsspielchen, bei denen man zur Probe Strom und Wasser abstellt und in einen Eimer k*cken muss, fühle ich mich ebenfalls zu alt, wiewohl ich den Sinn dahinter verstehe.

Ich werde tun, was mir praktikabel erscheint. Auf jeden Fall bin ich jetzt für das Thema sensibilisiert, habe weiteres dazu gelesen und habe auch schon die eine oder andere Idee, wo ich in meinem Haushalt noch ansetzen könnte.

Die Autorin

Rega Kerner, Jahrgang 1970, aufgewachsen als norddeutsche Seemannstochter, war schon in vielen Bereichen tätig: bei Film & Fernsehen, Theater & Musical, Jugendarbeit, kulturelle Projektorganisation, Multimediaprogrammierung & Webdesign, wobei das Schreiben stets das tragende Element war. Für die Medien an den Rhein gezogen, fand sie als ‚Kölner Fährfrau‘ zurück zum Wasser. Es folgte Fahrgastschifffahrt im Koblenzer Raum, danach war sie rund zehn Jahre Steuermann sowie Kapitänsfrau auf einem Motortankschiff. Hinzu kam in jener Zeit ein Wohnboot als Meldeadresse. Der Mann samt Tanker ist weg, das Boot mit Schulkind ist geblieben. Jetzt ist sie wieder im Norden ansässig und lebt vom Schreiben. www.medienschiff.de

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

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