Roland Bock: Jetzt verstehe ich die Bäume. Heimische Baumarten erkennen und bestimmen (ab 6 J.)

Roland Bock: Jetzt verstehe ich die Bäume. Heimische Baumarten erkennen und bestimmen – mit Infokarten zum Mitnehmen (ab 6 J.), München 2022, arsEdition, ISBN 978-3-8458-4703-0, Hardcover,48 Seiten, durchgehend farbige Fotos und Illustrationen, Illustrator: Johannes Reiner, 14 herausnehmbare Bestimmungskarten zum Mitnehmen, Buchformat: 26,5 x 1,2 x 20 cm, EUR 12,99.

Abb.: (c) arsEditon

Zwei Schüler und zwei Cartoon-Figuren führen die jungen Leser:innen durch die heimischen Wälder und Parks und erklären ihnen auf unterhaltsame und altersgerechte Weise, anhand welcher Merkmale man die verschiedenen Laub- und Nadelbaumarten erkennen kann. Vom Ahorn über die Kastanie bis hin zur Weide werden zehn Laubbäume vorgestellt. Bei den Nadelbäumen sind’s vier: Lärche, Fichte, Tanne und Kiefer. Ich habe das als Kind von meinem naturverbundenen Vater beigebracht bekommen und habe hier trotzdem noch allerhand dazugelernt!

Lesen, sehen, schnuppern, fühlen

Am sinnvollsten ist es wahrscheinlich, dass man erst das Buch liest und dann für die „praktischen Übungen“ vor Ort die Bestimmungskarten mitnimmt. Die enthalten jeweils eine Kurzversion der Infos aus dem Buch. Wozu benötigt man überhaupt einen „Ortstermin“? Nun, nicht alle Unterscheidungsmerkmale erschließen sich rein optisch. Manches muss man auch ertasten, erschnuppern oder rascheln hören. 

Buch mit Bestimmungskarten, Abb.: (c) arsEditon, Foto: E. Nebel

Wichtig ist es, zu verschiedenen Jahreszeiten in den Wald zu gehen und die Bäume zu betrachten. Es hilft ja nichts, wenn man sie nur anhand ihrer Früchte erkennt, aber die Bäume gerade gar keine tragen! Da muss man sich an andere äußerliche Erkennungszeichen halten. Bei der Birke mit ihrem weißen Stamm oder der Eiche mit ihren gebuchteten Blatträndern ist das noch relativ einfach. 

Doch wer weiß schon,

  • Dass Buchen spitze Knospen haben?
  • Dass Nussbaumblätter nach Zitrone riechen?
  • Dass Eschenknospen schwarz sind?
  • Dass die Kastanienbäume für ihre Knospen einen klebrigen Frostschutz entwickelt haben?
  • Dass die Blätter des Lindenbaums herzförmig sind?
  • Und dass man sich den Unterschied zwischen Fichten und Tannen mit einem einfachen Merksatz einprägen kann?

Witzig und einprägsam

Wir erfahren, woran man erkennt, ob man eine Esskastanie oder eine für den Menschen ungenießbare Rosskastanie vor sich hat und worin sich Tannen- von Fichtenzapfen unterscheiden. 

Es gibt eine Biersorte, die den Tannenzapfen im Namen führt, auf deren Etikett aber eindeutig Fichtenzapfen abgebildet sind. Das wäre nicht passiert, wenn die Verantwortlichen als Kinder schon dieses Buch gekannt hätten …

Anmerkung der Rezensentin

Die kleine Baumkunde ist abwechslungsreich, witzig und einprägsam gestaltet. Das ist absolut keine trockene Botanik-Stunde! Und wenn man das große Baumquiz auf den Seiten 40/41 lösen kann, hat man viel gelernt.

Beispielhafte Doppelseite, Abb.: (c) arsEditon, Foto: E. Nebel

„Ein ausgewachsener Baum produziert täglich 11.000 Liter Sauerstoff aus Kohlendioxid. Das reicht 25 Menschen für einen ganzen Tag zum Atmen.“ (Seite 43)

Ein guter Anfang

Auf den abschließenden Doppelseiten gibt’s noch Zusatzinformationen zum Naturschutz, zur Nutzung verschiedener Holzarten und die Aufforderung, auch einmal in der Stadt auf Baumentdecker-Tour zu gehen. Aber ich fürchte, bei ihren urbanen Feldforschungen werden die jungen Leser:innen kaum Erfolgserlebnisse haben. Außerhalb des Waldes funktioniert die Anwendung des Gelernten schon auf dem Dorf kaum. Die Leser:innen (er)kennen jetzt Birke, Ahorn, Eiche, Erle, Weide, Buche, Walnuss, Kastanie, Esche und Linde sowie die vier gängigen Nadelbaumarten, aber wenn ich die Probe aufs Exempel mache, sehe ich an den Straßen und in den Gärten vielfach Platanen und Akazien, den einen oder anderen Obstbaum, ein paar Blauglockenbäume sowie andere Exoten und außerhalb der Ortschaften gelegentlich ein paar Pappeln. Und die kommen in dem Buch alle nicht vor. Okay, es ist ja auch ein „Grundkurs“ in Sachen einheimischer Bäume. Und das ist ein guter Anfang.

Ist bei den Kindern erst einmal das Interesse an der Natur und den Bäumen geweckt, kommt weiteres Detailwissen automatisch. 

Sollte der Autor je auf die Idee kommen, sich auf diese bewährte Weise die Obstbäume vorzunehmen: Ich wäre gerne wieder dabei! Obstbäume erkenne ich nämlich wirklich nur an den Früchten. 😊 Klar gibt’s diese Informationen auch irgendwo in den unendlichen Weiten des Internet. Aber da sind sie eben nicht so einprägsam aufbereitet wie in einem Kinder-Sachbuch von Roland Bock.

Der Autor

Roland Bock ist Rektor an einer Grundschule im Landkreis Unterallgäu und Dozent an der Universität Augsburg am Lehrstuhl Grundschulpädagogik. Seine Leidenschaft gehört dem Naturschutz und der Jagd – hier ist er in verschiedenen Funktionen im Landkreis Augsburg tätig. Roland Bock ist verheiratet, hat zwei erwachsene Söhne, ist dreifacher Opa und lebt in Schwabmünchen bei Augsburg.


Der Illustrator

Johannes Reiner studierte Kommunikationsdesign in München und Illustration bei Wolf Erlbruch in Wuppertal. Seitdem arbeitet er als Dozent für Zeichnen an der Akademie für Gestaltung und Design in München. 2001 gründete er mit seiner Frau das Grafik-Büro Vor-Zeichen. Er lebt mit seiner Familie im bayerischen Voralpenland.

Rezensentin: Edith Nebel 
E-Mail: EdithNebel@aol.com 
www.boxmail.de

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