Rita Falk: Apfelstrudel-Alibi. Ein Provinzkrimi

Rita Falk: Apfelstrudel-Alibi. Ein Provinzkrimi, München 2025, dtv Verlagsgesellschaft, ISBN 978-3-423-26445-7, Klappenbroschur, 335 Seiten mit Glossar und Kochrezepten im Anhang, Format: 13,6 x 2,75 x 21 cm, Buch: EUR 18,00, Kindle: EUR 14,99, Audio-CD: EUR 19,99, auch als Hörbuch lieferbar.

Abb.: (c) dtv

„Bist du bescheuert, oder was? Du bist ein Dorfsheriff in einem winzigen Kaff in Niederbayern und willst in Südtirol einen Mordfall aufklären? Haben die da keine eigenen Bullen oder willst du mich einfach nur verar***en?“

(Seite 95)

Wer, wie ich, die Franz-Eberhofer-Krimis von Anfang an verfolgt – das ist Band 13! -, hat am Ort der Handlung quasi einen Zweitwohnsitz. 😉 Der Kriminalfall in diesem Buch ist nur der Aufhänger für ein Wiedersehen mit den alten Bekannten aus Niederkaltenkirchen. Die zentrale Frage ist nicht, ob der Franz den Mörder kriegt, sondern welche unkonventionelle Ermittlungsmethoden er wohl dieses Mal aus dem Hut zaubern wird. Und natürlich interessiert uns brennend, wie es seinem Buben geht, seiner Lebensgefährtin Susi, dem Rest der Familie und seinen kindsköpfigen Kumpels. Alle wohlauf?

Nun ja, die Eberhofer-Oma, die Jahrzehnte lang auf dem Hof das Kommando geführt hat, ist jetzt auch schon über 90 und pflegebedürftig. Ansonsten tobt der vertraute Wahnsinn: Susi macht Karriere, Franz im Job nur das Nötigste. Der Vater kifft und trauert seinen Hippiezeiten nach, Franzens Bruder Leopold, der spießige Streber, hat mit Buchhandlung, Haus und Familie alle Hände voll zu tun, Metzger Simmerl und Installateur Flötzinger leiden wieder mal unter Beziehungsproblemen – und abends trifft man sich beim Wolfi auf ein paar Bier.

Und der Birkenberger Rudi, der zickige Privatdetektiv? Von dem hat der Franz seit zwei Jahren nichts mehr gehört. Das wird sich jetzt ändern, weil er wieder mal dessen Hilfe braucht. Aus einem anderen Grund ruft er ja nie bei ihm an.

Richter Moratschek bringt den Stein ins Rollen: Seine Patentochter, die Apothekerin Letitia, ist auf ihrer Hochzeitsreise in Südtirol tödlich verunglückt. Der Richter ist überzeugt davon, dass an der Geschichte was nicht stimmt. Den jungen Witwer hält er für einen Hallodri, der Letitia nur des Geldes wegen geheiratet und sie dann eiskalt ermordet hat.

Die Polizei in Italien hat die Sache als Unfall eingestuft und nicht weiter ermittelt. Das soll jetzt der Franz nachholen. Er soll auch dem Witwer, Michael Schönberger, auf den Zahn fühlen. Der Mann betreibt zusammen mit seinem Bruder Campingplätze an Isar und Donau.

Das kann Franz natürlich nicht alleine bewerkstelligen, also muss er wieder mal den Birkenberger Rudi – Ex-Polizist und Privatdetektiv – mit ins Boot nehmen. Der zickt erst und lässt sich ausgiebig bitten. Das kennen wir ja schon. Bei diesen „Szenen einer Ehe“ habe ich ständig die Schauspieler vor Augen, die die Rollen in den Verfilmungen verkörpern. Bücher und Filme sind für mich längst zu einem Gesamtwerk verschmolzen.

Irgendwann einigen sich die beiden Streithähne: Rudi stattet sich mit einer glaubhaften Legende aus, die ihm erlaubt, auf verschiedenen Campingplätzen herumzuschnüffeln und den Betreibern Löcher in den Bauch zu fragen. Franz fährt nach Südtirol und erklärt den Leuten dort offen und ehrlich, weshalb er hergekommen ist. Erstaunlicherweise nimmt ihm das der Kollege vor Ort nicht übel. Die privaten Informationen, die Franz über das Paar hat, hatte er nicht vorliegen. Für ihn gab es keinen Grund, von etwas anderem auszugehen als von einem Unfall.

Jetzt wird der Fall halboffiziell wieder aufgerollt. Und tatsächlich: Ganz so, wie der Witwer das Geschehen geschildert hat, kann es nicht gewesen sein. Auch Rudi fördert bei seinen Nachforschungen hochinteressante Informationen zutage, die die Zweifel nähren. Franzens neunmalkluger Sohn Paul (9) und sein ebenso nerdiger Kumpel Egon (11) stolpern bei ihren kindlichen Detektivspielen ebenfalls über wichtige Details. Nur gerichtsfest nachweisen kann man dem windigen Witwer leider nichts …

Als routinierter Krimileser kann man sich recht schnell grob zusammenreimen, was im Fall Schönberger abgelaufen sein muss, auch wenn einem die Feinheiten erst mit der Zeit klar werden. Aber, wie gesagt: Der Kriminalfall an sich ist hier Nebensache. Es geht um „diese durchgeknallte Truppe aus den Urtiefen der niederbayrischen Subkultur“ (Seite 319) und deren Beziehungen zueinander.

Seit ungefähr dem zehnten Band fühlt sich das Lesen ein bisschen wie ein Abschied an. Die Autorin sagt selbst, sie baue für den Fall vor, dass die Leserinnen und Leser keine weiteren Bände der Reihe mehr haben möchten. Wenn Schluss ist, sollen wenigstens nicht allzu viele Fragen offenbleiben. Falls dieser Band der letzte sein sollte, kann man sich immerhin vorstellen, wie die Niederkaltenkirchener in Zukunft weiterwursteln werden. Der Eberhofer Paul äußert mit seinen 9 Jahren sogar schon einen durchaus plausiblen Berufswunsch.

Die Vater-Sohn-Beziehung gehört für mich zu den Highlights der Geschichte. Paul, der Sohn von Franz und Susi, muss sowas wie eine spontane Mutation sein: ein oberschlaues Mathe-Genie, das eine Klasse übersprungen hat und Balletttanz zu seinen Hobbys zählt. Und das, wo Franz viel lieber einen kernigen Fußballer als Sohn gehabt hätte! Der Paul kommt ihm vor wie ein Alien. Doch so langsam entdeckt er auch ein paar charakterliche Familienähnlichkeiten.

Der Brüller schlechthin war für mich Susis Idee, Franz zur Eltern-WhatsApp-Gruppe von Pauls Schulklasse hinzuzufügen. Dass der für solche kleinkarierten Diskussionen keine Geduld aufbringt, hätte sie sich denken können! Als ihm schließlich der Kragen platzt und er in den Chat was reinschreibt, „was sich erst auf den zweiten Blick reimt“, habe ich so laut gelacht, dass meine Nachbarn mich vermutlich für bekloppt gehalten haben.

Wer atemberaubende Krimispannung braucht und/oder politisch korrekte Hauptfiguren, der ist hier verkehrt. Für Seiteneinsteiger ist der 13. Band nur bedingt geeignet, weil denen die ganze Vorgeschichte fehlt. Aber die eisenharten Eberhofer-Fans, die kriegen hier genau das, was sie lieben und erwarten.

Rita Falk wurde 1964 in Oberammergau geboren. Ihrer bayrischen Heimat ist sie bis heute treu geblieben. Mit ihren Provinzkrimis um den Dorfpolizisten Franz Eberhofer und ihren Romanen ›Hannes‹ und ›Funkenflieger‹ hat sie sich in die Herzen ihrer Leserinnen und Leser geschrieben – weit über die Grenzen Bayerns hinaus. 2023 erhielt Rita Falk den Bayerischen Verdienstorden für das „augenzwinkernde und gleichzeitig liebevolle Porträt ihrer bayerischen Heimat“ in den beliebten Eberhofer-Krimis.

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Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com 
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