Viola Eigenbrodt: Schönheit, Schnee und Limoncello. Ein Gardaseekrimi

Viola Eigenbrodt: Schönheit, Schnee und Limoncello. Ein Gardaseekrimi, Leonberg 2026, Independently published, Softcover, 257 Seiten, Format: 12,7 x 1,5 x 20,32 cm, Buch: EUR 12,80, auch als Kindle-Ausgabe erhältlich.

Abb.: ePandora / V. Eigenbrodt

„Man flüsterte, sie würden erpresst, es hieß, die Mafia wäre mit im Spiel. Doch worum ging es? Um Geld? […] Aber nicht einmal das organisierte Verbrechen würde solch abscheuliche Taten begehen für „ein bisschen Kohle“ […]. Da musste einfach noch was anderes dahinterstecken.“

(Seite 122)

Riva del Garda/Italien: Als Luigi und Matteo Matta, zwei junge Taucher, eines Abends beobachten, wie von einem unbeleuchteten Boot aus etwas Unhandliches ins Wasser geworfen wird, gehen sie der Sache nach – und finden einen toten Hund. Jemand hat ihn erschlagen und im See entsorgt.

Sollen sie das einfach auf sich beruhen lassen? Das ist doch sicher Tierquälerei und Umweltverschmutzung! Also beschließen sie, den Vorfall den Carabinieri zu melden. Das sei nur Sachbeschädigung, erfahren sie dort, und eine Sache des Veterinäramts. Okay …!

Auch wenn die diensthabenden Polizistinnen die Sache als Bagatelle abgetan haben: Ihre Chefin, Marescialla Gloria Rossi, folgt ihrer Intuition und lässt den Hund von Polizeitauchern bergen. Wer weiß schon, was dahintersteckt? Wenn tote Tiere den Tauchtouristen vor der Nase herumdümpeln, gibt das Negativschlagzeilen. Sowas darf man gar nicht erst einreißen lassen!

Rechtsmedizinerin Lukrezia di Lorenzini weist die Bitte, den Hund zu obduzieren, zunächst empört zurück, lässt sich dann aber doch überreden. Zum Glück! Denn sie findet an dem toten Tier eine Spur, die zum Zahntechniker D. P. Alba führt. Die Befragung des Praxisteams ist von der eher skurrilen Art. Doch immerhin wissen die Polizisten nun, wem das Tier gehört: den Inhabern einer Likör- und Obstbrandmanufaktur, der Limonaia Carbone in Muslone.

Als Marescialla Rossi und Brigadiera Patti Mayrhofer der Familie Carbone einen Besuch abstatten, reagiert vor allem Giovanna, die Frau des Hauses unangemessen abweisend und schnippisch. Hat sie was zu verbergen? Was ist da sonst noch vorgefallen, von dem die Polizei nichts wissen soll? Wird die Familie bedroht oder erpresst?

Ein Hintergrundcheck ergibt Erstaunliches. Giovanna „Gio“ Carbone war bis vor 20 Jahren eine hochtalentierte Gesichtschirurgin, die in den Medien dafür gefeiert wurde, einer schwer verletzten Frau ihr gutes Aussehen wiedergegeben zu haben. Die Patientin ist bis heute anonym geblieben und die Ärztin seit damals von der Bildfläche verschwunden. Rechtsmedizinerin di Lorenzini kann sich an die geniale Chirurgin gut erinnern. Doch so, wie sie die Ärztin beschreibt, kann das unmöglich dieselbe Frau sein. Oder? Irgendwas stimmt hier nicht …!

Kaum hat di Lorenzini von ihren Erinnerungen an die Kollegin erzählt, wird sie auf dem Nachhauseweg von zwei Maskierten abgepasst, massiv bedroht und eingeschüchtert. Das kann kein Zufall sein! Zumal kurz danach ein Mitglied der Familie Carbone spurlos verschwindet. Entführt, getötet oder untergetaucht? Irgendwie hängt das zusammen. Nur wie?

Dem Leser kommt bald alles verdächtig vor. Entweder ist die High Society am Gardasee so überschaubar, dass jeder jeden kennt und alle familiär miteinander verbandelt sind, oder es hat etwas zu bedeuten, dass wir ständig über neue Querverbindungen zwischen den Carbones und der Familie Matta stolpern, deren Söhne den toten Hund im See gefunden haben.

Müsste das der Polizei nicht auch auffallen? Oder sind wir Leser:innen hier auf dem Holzweg? Als Krimileser hat man gelernt, auf alle erdenklichen Details zu achten. Aber welche sind hier wirklich wichtig? Und ziehen wir auch die richtigen Schlüsse aus unseren Beobachtungen?

Nur zu gern lässt man sich beim Lesen von dem malerischen Ambiente ablenken (und googelt erst einmal „Limonaia“) sowie von den köstlichen Spezialitäten, die es in der Region zu essen und zu trinken gibt. Und natürlich haben die Ermittlerinnen und Ermittler auch private Sorgen. Sie sind in der Geschichte ja nicht nur Funktionsträger, sondern Menschen.

Der eine oder andere „schräge Vogel“, mit dem sie es im Verlauf der Ermittlungen zu tun bekommen, sorgt für ein bisschen befreiende Komik. Und so rätseln und raten wir nicht nur fleißig mit den ermittelnden Beamten mit, sondern haben zwischendurch auch was zum Schmunzeln. Wenn beispielsweise der aufgeblasene Innenarchitekt seinen Auftritt hat … 😀

Die Autorin gibt uns eine Vielzahl von Informationen an die Hand und fordert unseren Grips. Wir haben eine faire Chance, der Lösung nahezukommen. Doch was tatsächlich geschehen ist und wie alles zusammenhängt, das verblüfft und überrascht uns am Schluss ebenso wie die Polizisten. Der Fall hat schon eine bitterböse Pointe!

Ich mag diesen Mix aus rätselhaftem Kriminalfall, Lokalkolorit und Humor und fühlte mich sehr gut unterhalten.

Viola Eigenbrodt war viele Jahre als freie Journalistin für Kulturseiten verschiedener deutscher Tageszeitungen und Magazine tätig. Sechs Jahre lebte sie in Südtirol, Meran, und begann dort, erste Geschichten, Märchen und Biografien zu verfassen. Seit Sommer 2012 ist sie wieder in Deutschland und lebt seit 2018 mit ihrem Mann in der Nähe von Stuttgart. Sie arbeitet für Volkshochschulen der Region und als Dozentin für kreatives Schreiben. Wichtig ist ihr dabei vor allem die Arbeit mit Kindern.

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Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com 
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