Patrizia Zannini: Commissario Leone und die Toten von Rom. Kriminalroman

Patrizia Zannini: Commissario Leone und die Toten von Rom. Kriminalroman, München 2026, Piper Verlag GmbH, ISBN 978-3-492-50929-9, Softcover, 240 Seiten, Format: 12 x 1,9 x 18,5 cm, Buch: EUR 15,00, Kindle; EUR 5,99.

Abb.: (c) Piper-Verlag

„Meine Nonna war eine begnadete Kartenspielerin […]. Sie brachte mir als Kind schon bei: Spiele die Karten, die du hast, statt dir andere zu wünschen. Du hast alle Karten gezogen, die du ziehen konntest, mehr gibt’s nicht – also spiel!“

(Seite 228)

Rom, kurz vor Ostern: Hätte Eleonora Blasi (74), die auf dem alten Protestantischen Friedhof die verwilderten Katzen versorgt, gleich der Polizei gemeldet, was sie beobachtet hat, wäre viel Unheil verhindert worden! Doch sie berät sich vorsichtshalber mit ihrer Freundin Rina Gallione, die ihr aufgrund eigener Erfahrungen rät, besser ‚von nichts zu wissen‘

Das ist eine nachvollziehbare Selbstschutzmaßnahme, denn wer weiß, ob der Mann, den Eleonora gesehen hat, nicht auch sie gesehen hat! Also unterbleibt ihre Zeugenaussage, ein wichtiges Beweisstück verschwindet, und das Unglück nimmt seinen Lauf. Der Gärtner und Friedhofsverwalter Vincenzo Lucretti ist es dann, der zwischen den Gräbern über einen übel zugerichteten Leichnam stolpert.

Es dauert, bis Commissario Enzo Leone (32) und seine Kolleg:innen den Toten identifiziert haben: Es handelt sich um Minister Bruno Scarpa (45). Ein prominenter Politiker! Da ist der Druck besonders groß, schnellstmöglich einen Täter zu präsentieren. Was nichts an der Tatsache ändert, dass der Commissario nur die Hälfte seiner Leute zur Verfügung hat. Der Rest ist schon im Osterurlaub.

Auf den ersten Blick war der Minister unauffällig. Verheiratet, werdender Vater, keine nennenswerten Skandale. Na, gut: bis auf das eine Immobiliengeschäft vor ein paar Jahren, das ein „Gschmäckle“ hatte. Sonst sagt niemand ein böses Wort über ihn.

Recht schnell trauen sich aber Leute aus der Deckung, die mehr über den Mann wissen. Offenbar war Minister Bruno Scarpa aktuell wieder in ein halbseidenes Bauprojekt verwickelt und hat dabei seinen Geschäftspartner ordentlich vergrätzt. Wer dieser Partner ist, ist kein Geheimnis: Der Immobilienmakler Walter Tamietti. Doch die beiden Herren können diese Transaktion unmöglich allein durchgezogen haben. Es muss eine dritte Person geben, die über ein Fachwissen verfügt, das Scarpa und Tamietti nachweislich nicht hatten/haben. Diese dritte Person gilt es zu finden. Doch da stößt selbst der begnadete IT-Forensiker Vanni Amidei an seine Grenzen, trotz seiner, sagen wir mal: kreativer Methoden.

Auch eine gute Frage: Was hat der Minister eigentlich auf dem alten Friedhof gewollt? Er ist abends dort ermordet worden, also muss entweder er oder der Täter einen Schlüssel zum Friedhofstor gehabt haben, sonst wären sie nicht aufs Gelände gekommen. So einen Schlüssel besitzen aber nur drei Leute: Friedhofsverwalter Andy Brodie, Gärtner Vincenzo Lucretti und die Katzenlady Eleonora Blasi. Zumindest offiziell …

Jetzt drehen die Polizisten das Leben all derer auf links, die in irgendeiner Weise mit dem Friedhof zu tun haben. Sie erfahren Erstaunliches, aber nichts, was sie weiterbringt. Die einen hatten kein Motiv, die anderen keine Gelegenheit oder nicht die körperlichen Voraussetzungen, um den Minister derart zuzurichten. Aufgrund der Spurenlage ist klar, dass nur zwei Menschen am Tatort waren: Opfer und Täter.

Der Druck auf die Ermittler steigt weiter, als noch zwei Männer auf recht ähnliche Weise getötet werden wie Bruno Scarpa. Der eine mag ein Zufallsopfer sein, der andere stammt definitiv aus dem unmittelbaren Umfeld des Ministers.

Ganz beiläufig macht Dottore Franco Bastino, der Leiter der Rechtsmedizin, eine Bemerkung, die den Commissario hellhörig werden lässt. Wenn es so ist, wie der Dottore sagt, gibt das dem Fall Bruno Scarpa möglicherweise eine völlig neue Wendung …!

Wie die Wissenschaftler irren sich die Ermittler hier vorwärts: Eine Theorie wird aufgestellt, akribisch überprüft und notfalls wieder verworfen. Dann kommt die nächste. Das kann für die Beamten frustrierend sein, für die Leser:innen bleibt’s interessant. Dafür sorgen schon die unterschiedlichen Charaktere und Temperamente der Polizisten. Sie kennen einander gut, und manch einer muss für seine Eigenheiten den gutmütigen Spott seiner Kollegen einstecken: die pingelige Profilerin, der einschüchternde Ispettore, der bisweilen übereifrige IT-Forensiker mit dem losen Mundwerk …

Viele Expert:innen, viele Denkansätze und Meinungen. Doch ob und wie die aktuellen Tötungsdelikte zusammenhängen, hat bis jetzt noch keiner von ihnen herausbekommen. Ein jäher Geistesblitz führt schließlich zu einem spontanen Alleingang. Daraus wird unversehens eine hochdramatische Konfrontation …

Die Ermittlungen führen den Commissario und seine Leute – und damit auch uns Leser:innen – in die unterschiedlichsten Milieus der Stadt. Von den armen Schluckern, die kaum über die Runden kommen, bis zu den Reichen und Schönen, die mit Millionen um sich werfen. Dazwischen sind all diejenigen, die sich wünschen, dass das Schicksal ihnen bessere Karten zugeteilt hätte. Mancher legt sich nun tierisch ins Zeug, um seine Situation zu verbessern, andere resignieren still und wieder andere versuchen, sich einen unfairen Vorteil zu verschaffen, indem sie, bildlich gesprochen, mit gezinkten Karten spielen. Das kann gutgehen, muss aber nicht.

Auch, wenn die Krimireihe nach dem sympathischen jungen Commissario heißt: Die Lösung eines Falls ist immer eine Ensemble-Leistung. Nur weil die Kollegen zusammenarbeiten und einander gut ergänzen, sind sie so erfolgreich.

Ich war noch nie in Rom, aber nach den Beschreibungen in diesem Krimi würde ich gerne mal das Garbatella-Viertel sehen, in dem die Katzenlady wohnt – und den Friedhof natürlich. Den kann man online in Augenschein nehmen, indem man beispielsweise nach „Cimiterio Accatolico“ googelt. Ich habe sogar Bilder mit Signora Blasis Katzen gefunden. 😉

Patrizia Zannini wurde in Stuttgart geboren. Sie ist gelernte Fotografin und hat Werbung studiert, danach war sie bei einem Stuttgarter Verlag als Konzeptionerin und Texterin tätig. Nach der Geburt ihrer beiden Söhne arbeitete sie als freie Werbetexterin und veröffentlichte ihre ersten Bücher. Seit Erscheinen ihres erfolgreichen Debütromans »Malocchio – der böse Blick« widmet sie sich ganz dem Schreiben. Als Tochter eines italienischen Vaters verbrachte sie in der Kindheit und Jugend viel Zeit in Rom und in Italien. Mit ihrer Krimi-Reihe, »Italia mortale«, kehrt sie nach Rom zurück und entführt die Leserinnen und Leser in die Ewige Stadt, und dabei schwingt deutlich ihre Liebe zu ihrer zweiten Heimat mit. Patrizia Zannini lebt mit ihrer Familie in Stuttgart und Berlin.

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Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com 
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