Simone Dorra: Unten im Keller. Kriminalroman, Welzheim 2026, Independently published mit tolino media, ISBN 978-3-81942252-2, Softcover, 330 Seiten, Format: 12,5 x 2,4 x 19 cm, Buch: EUR 13,99, Kindle: EUR 4,99.

„Sanna Schneider, Kripo Reutlingen. Ich wüsste gern, ob Sie in den letzten vier Jahren etwas von Ihrem ehemaligen Klassenkameraden Adrian Behrens gehört haben.“
(Seite 85)
„Nicht, dass ich wüsste. Wieso?“
Sie musterte ihn unverwandt. „Weil Adrian Behrens vor zwölf Tagen ermordet worden ist, knapp dreißig Kilometer von hier entfernt.“
Vor einem halben Jahr erst hat sich Kriminalkommissarin Sanna Schneider (Mitte 30) von Nordrhein-Westfalen ins schwäbische Reutlingen versetzen lassen. Sie hat einen Neuanfang gebraucht. Nur wenige kennen ihre Vorgeschichte und wissen, dass – und warum – sie vor einigen Jahren ihren Namen geändert hat. Und jetzt hat sie einen Fall an der Backe, der genau die Erinnerungen wieder aufwühlt, die sie unbedingt hinter sich lassen wollte.
Ein Toter am Aussichtspunkt
Doch von vorn: Am Eppenzillfelsen auf der Schwäbischen Alb wird ein junger Mann tot aufgefunden, übel zugerichtet und erschlagen. Wer ist er? Er hat nichts bei sich, was auf seine Identität schließen ließe.
Aufrufe in den Medien bescheren der Polizei neben den üblichen Wichtigtuern auch den Besuch der Physiotherapeutin Emily Behrens. Sie glaubt, auf den Fotos ihren jüngeren Bruder Adrian zu erkennen. Darüber hinaus weiß sie wenig über den Toten: Nach einem Streit vor 5 Jahren hatte er den Kontakt zu ihr abgebrochen, und sie hat keine Ahnung, wo er sich seitdem aufgehalten hat.
Wo war der Mann die letzten Jahre?
Adrian war sehr religiös, sagt seine Schwester, und er wollte immer „das Richtige tun“. Was ihm nicht gut bekommen ist: In naiver Rechtschaffenheit hat er sich vor 4 Jahren mit ein paar gefährlichen Leuten angelegt und ist dann untergetaucht. Nur wo? Eine Spur führt zur christlichen Gemeinschaft „Die Königskinder“ in Nebelstetten auf der Alb. Rund ein Dutzend Leute lebt dort unter spiritueller Leitung auf einem Bauernhof.
O je, eine Sekte! Das ist Sanna Schneiders „Kryptonit“. Sie hat in einer solchen Gemeinschaft gelebt, noch dazu in einer besonders grausamen. Das ist jetzt über 20 Jahre her, doch wirklich verarbeitet hat sie die traumatisierenden Erfahrungen von damals noch nicht. Schafft man das jemals?
Mit dem Terrorregime ihrer Kindheit und Jugend ist die Gemeinschaft der Königskinder offenbar nicht zu vergleichen. Alles wirkt hier nett, freundlich und freiwillig. Und wie sich herausstellt, hat Adrian Behrens tatsächlich eine Weile dort gelebt. Er war allgemein beliebt – und jetzt ist er tot.
Das ist noch nicht alles: Vor zwei Jahren ist ein Mitglied dieser Gruppe unter mysteriösen Umständen verschwunden. Ganz so paradiesisch, wie es den Anschein hat, kann es auf dem Hof der Königskinder also nicht zugehen. Sanna Schneider wundert das nicht.
Undercover in die Sekte
Sie schlägt vor, als verdeckte Ermittlerin in die Gemeinschaft einzutreten, auch wenn ihr die Flashbacks wahrscheinlich entsetzliche Alpträume bereiten werden. Ausgestattet mit falschem Namen und einer glaubhaften Legende wird sie also zum Königskind. Doch stets in ihrer Rolle zu bleiben und Gruppenmitglieder anzulügen, die ihr sympathisch sind, fällt ihr schwerer als gedacht.
Nach ein paar Wochen Undercover-Einsatz wird Sannas Chef ungeduldig. Wenn sie nicht bald Ergebnisse liefert, zieht er sie dort ab. Doch dann gibt’s im Umfeld der Glaubensgemeinschaft ein weiteres Verbrechen, und nun ist auch Sannas Chef klar: Hier stimmt was nicht! Genau dasselbe denkt derjenige, der Sannas Aktivitäten schon eine Weile misstrauisch beäugt …
Normalerweise bin ich nicht begeistert, wenn das Privatleben eines Ermittlers im Fokus steht, hier ist das was anderes! In diesem Krimi ist Sannas problematische Vergangenheit der zentrale Punkt. Aufgrund ihrer Vorgeschichte kann sie ohne große Vorbereitung als angebliches Sektenmitglied überzeugen. Doch ihre Stärke ist gleichzeitig ihre Schwäche, weil dieser Einsatz alte Wunden aufreißt. Es ist fesselnd und beklemmend zu sehen, wie Sanna Schneider in dem Spannungsfeld zwischen den aktuellen Ermittlungen und ihren quälenden Erinnerungen agiert.
Der Fall ist komplizierter als gedacht
Die Kommissarin ist überzeugt davon, dass jede Sekte, wie einladend und kuschelig sie sich auch geben mag, ihre Leichen im Keller hat. Bildlich gesprochen. Aber vielleicht ist sie ja voreingenommen. Der Fall ist jedenfalls deutlich komplizierter als sie zunächst meint …
Routinierte Krimileser:innen ahnen vielleicht, aus welcher Richtung da noch was kommen könnte. Mir ist das nicht gelungen, obwohl die Chance dazu bestanden hat! Ich muss aber nicht unbedingt schlauer sein als die Romanhelden. Auch eine klug aufgebaute Geschichte, bei der mir erst im Nachhinein klar wird, wo ich hätte hellhörig werden können, weiß ich zu schätzen.
Jetzt wüsste ich noch gern, was ein gewisser Herr Barkhusen zu den Vorgängen damals in Münster zu sagen hat. Da ist für mich noch nicht alles geklärt. Aber vielleicht gibt es ja weitere Sanna-Schneider-Krimis, in denen Fragen wie diese noch beantwortet werden. Ich wäre dabei!
Die Autorin
Simone Dorra ist in Wuppertal geboren, hat Buchhändlerin gelernt, ist ins Schwabenland umgezogen, hat dort Radio gemacht, dann geheiratet, drei Kinder in die Welt gesetzt und großgezogen. 2015 kam ihr erstes Buch auf den Markt. Seither sind von ihr insgesamt vierzehn Kriminalromane, Historienkrimis und Familienromane erschienen. Mit ihrem neuesten Buch kehrt sie wieder ins Krimi-Genre zurück.
Affiliate Links
- Buch: https://amzn.to/4rIwXAR
- Kindle: https://amzn.to/4bpS1Y3
Ich bekomme eine kleine Provision, wenn ihr über einen dieser Links ein Produkt kauft.
Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de