Stephen Spotswood: Dead in the Frame: (Pentecost and Parker, Band 5, ENGLISCH!)

Stephen Spotswood: Dead in the Frame: (Pentecost and Parker, Band 5, ENGLISCH!) New York 2025, Doubleday – a division of Penguin Random House LLC, ISBN 978-0-385-55046-8, Hardcover mit Schutzumschlag, 358 Seiten, Format: 14,55 x 3,12 x 21,69 cm, Buch Hardcover: EUR 23,07, Softcover: EUR 13,93, Kindle: EUR 5,88, auch als Hörbuch erhältlich.

Abb.: (c) Doubleday

„I cannot help pondering who has put me here. I was not lying when i said I did not murder Jessup Quincannon. I did not bring my pistol with me that evening. It was, to my knowledge, in the middle drawer of my desk. Someone has framed me. And I have made it appallingly simple for them.“

(Seite 38/39)

New York 1947: Seit 5 Jahren arbeitet Ex-Zirkusartistin Will Parker (Mitte 20) jetzt schon als Assistentin und Ermittlerin für die berühmte Privatdetektivin Lillian Pentecost (+/- 50). Jetzt hat sie zum ersten Mal Urlaub genommen. Drei Wochen war sie mit ihrer Freundin Holly in einer Hütte in den Catskills, fernab aller Nachrichten.

Das bereut sie sofort nach ihrer Rückkehr. Sie sieht gerade noch, wie die Polizei ihre Chefin festnimmt. Lillian Pentecost soll den millionenschweren Jessup Quincannon, den Gründer und Leiter des „Black Museum“ erschossen haben. Hat sie nicht, sagt sie, auch wenn sie den Mann nicht ausstehen konnte, was übrigens auf Gegenseitigkeit beruhte. Zu unterschiedlich war ihrer beider Sicht auf die Welt.

Beide, Jessup wie Lillian, haben schreckliche Dinge gesehen und erlebt, aber grundverschiedene Schlüsse daraus gezogen. Jessup hielt alle Menschen für Ungeheuer und machte sich einen makaberen Spaß daraus, in seinem Museum Gegenstände auszustellen, die mit Mordfällen in Verbindung stehen: Tatwaffen, blutige Kleidung, eine zerschossene Autotür … Und er umgibt sich mit zweifelhaften Gestalten.

Lillian dagegen hilft Menschen in Not. Immer wieder übernimmt sie Fälle Pro Bono, bietet kostenlose Selbstverteidigungskurse für Frauen an und offeriert einmal in der Woche offene Sprechstunden für jedermann. Da gibt’s dann gratis schnelle Hilfe für leichte Fälle, soweit dies möglich ist. Lillian hält ihr Engagement für sinnvoll. Jessup dagegen hielt Lillian für verrückt und hätte sie nur zu gern von ihrem hohen Ross gestoßen.

Wenn Lillian seine Einstellung gekannt hat, warum ist sie trotzdem seiner Einladung zu einer Veranstaltung im Black Museum gefolgt? Na, weil der Mistkerl angekündigt hat, bei seinem Vortrag ein gut gehütetes Familiengeheimnis der Pentecosts auszuplaudern! In der Hoffnung, ihm das noch rechtzeitig ausreden zu können, fährt sie hin. Als sie in sein Büro kommt, liegt er tot auf dem Teppich. Auch gut, denkt Lillian, schnappt sich seine Notizen und macht sich aus dem Staub.

Tja, und jetzt steht sie unter Mordverdacht! Es sieht schlecht aus für sie: Ein Geschoss, das am Tatort gefunden wird, stammt zweifelsfrei aus ihrer Waffe, die sie aber gar nicht dabeigehabt hat. Da will ihr jemand was anhängen! Kandidaten gibt es genügend, denn in ihrem Job macht man sich unweigerlich Feinde. Kenner:innen der Reihe denken da zum Beispiel an die wandlungsfähige Dr. Olivia Waterhouse mit ihrem Faible für Selbstjustiz. Und das ist nur eine Verdächtige von vielen.

Während Lillian Pentecost im Gefängnis auf ihren Prozess wartet, müht sich ihre Mitarbeiterin Will Parker damit ab, die Feinde ihrer Chefin zu durchleuchten – und die Kontakte des Opfers. Vor allem die Gästeliste seiner letzten Veranstaltung ist interessant!

Da kommt der unscheinbare Polizeifotograf Walter Beck mit einem außergewöhnlichen Vorschlag auf Will zu. Weil die chronisch kranke Lillian ohne adäquate medizinische Versorgung im Gefängnis nicht lange überleben würde, geht Will auf den Deal ein. Und irgendwie ahnen wir alle: Dieser verwegene Plan kann unmöglich auf dem Mist des eher schlichten Fotografen gewachsen sein. Da muss jemand dahinterstecken, der deutlich mehr Grips und Weitsicht hat als er!

Weil die komplexen Ermittlungen für eine Person allein zu viel wären, holt Will sich Hilfe von ihrer Freundin Holly Quick, einer Krimi-Autorin, und von der erfahrenen Privatdetektivin Dolores „Dolly“ Klinghorn. Das Tagesgeschäft, wie zum Beispiel der ungeklärte Mord an einem chinesischen Mechaniker, muss ja auch noch bewältigt werden.

Will Parker weiß nicht, wo ihr der Kopf steht. Die Mordverdächtige selbst kommt schließlich mit einer haarsträubenden Theorie um die Ecke, die ihre Leute da draußen jetzt „nur noch“ gerichtsfest beweisen müssen. Gar nicht so leicht, wenn die Zeit drängt und mögliche Zeugen entweder untertauchen oder plötzlich tot sind …!

Ich liebe diese Reihe: Moralisch flexible Heldinnen, ein Hauch „Schwarze Serie“ mit ebensolchem Humor, herrliche Dialoge, gelegentliche Action, Zeit- und Lokalkolorit und viel Kopfarbeit. Angeblich ist das hier der letzte „Pentecost und Parker“-Band. Dabei gäbe es schon noch einiges zu erzählen und zu klären. Was war denn nun mit Pfarrer Adams Frau? Und mit dem Brand in der Schule? Und Olivia?

DEAD IN THE FRAME ist, wie gesagt, der 5. Band einer Reihe, von der leider nur die ersten beiden ins Deutsche übersetzt worden sind. Es wäre hilfreich, wenigstens den ersten Band (Die Tote auf dem Maskenball/ OT: Fortune Favours the Dead) gelesen zu haben, um sich in dieser figurenreichen Geschichte zurechtzufinden. Das Personenverzeichnis ist zwar eine Hilfe, aber vollständig ist es nicht.

Es wäre schade, wenn wirklich schon Schluss wäre mit „Pentecost und Parker“, auch weil ich jetzt erst kapiert habe, wo und wie der Autor seine wichtigen Hinweise in der Geschichte zu verstecken pflegt. Die habe ich in den vorigen Bänden immer erst im Nachhinein gefunden: ‚Ach ja, stimmt! Das hat er in dieser Beschreibung/Aufzählung nebenbei erwähnt!‘ Also: Immer, wenn man das Gefühl hat, er schweift in Nebensächliches ab, muss man aufpassen!

Vielleicht macht ja mal jemand eine TV-Serie aus den Krimis. Ich könnte mir das gut vorstellen. Falls es weitere Bände gibt, werde ich hoffentlich davon erfahren, denn dieses Lesevergnügen will ich mir keinesfalls entgehen lassen!

Stephen Spotswood ist ein preisgekrönter Dramatiker, Journalist und Pädagoge. Als Journalist hat er einen Großteil der letzten zwei Jahrzehnte damit verbracht, über die Folgen der Kriege im Irak und in Afghanistan sowie über die Probleme verwundeter Veteranen zu schreiben. Seine dramatischen Werke wurden in den gesamten Vereinigten Staaten vielfach aufgeführt, und er ist Gewinner des Nero Award 2021 für den besten amerikanischen Kriminalroman. Er lebt mit seiner Ehefrau, der Jugendbuchautorin Jessica Spotswood, in Washington, D.C.

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Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com 
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