Angelika Godau: Ene, mene, muh – der Esel hier bist du (Türkei für Anfänger, Band 7), Zweibrücken 2025, Independently published, ISBN 978-3-56513525-7, Softcover, 219 Seiten, Format: 12,5 x 1,27 x 19 cm, Buch: EUR 12,99, Kindle: EUR 4,99.

„Ich schaffe es tatsächlich, die nächsten Tage ein ganz normales Leben zu führen, ohne stündlich neue Katastrophenmeldungen.“
(Seite 68)
Ich folge der fiktiven Familie Karamak nun schon seit mehreren Jahren und Bänden. Yusuf (48), den Türken, der kein Türkisch kann, und seine turbulente Sippe, mit der er das Hotel Güneş in Side leitet, betrachte ich schon als gute Bekannte. Ich freue mich bei jedem neuen Band auf ein Wiedersehen – fast so, als seien die Romanfiguren reale Personen.
Viele kleine Katastrophen
Dieses Mal ist alles ein bisschen anders als sonst: Statt einer gewaltigen Katastrophe gibt es viele kleine. 😉 Was unter anderem daran liegt, dass Yusufs Kumpel Cem, der Schlagersänger, zu beschäftigt ist, um sich wohlmeinend in das Leben seiner Freunde einzumischen. Das tut er nämlich gern, und jedes Mal kommt ein mordsmäßiges Tohuwabohu dabei heraus. Aber keine Sorge: Chaos kriegen die Karamaks auch ohne seine Hilfe hin!
Yusufs Tochter Dilek, knapp 20, ist aus den USA zurück. Ihr amerikanischer Freund, der Schauspieler Mike, hat sich vom Acker gemacht, nachdem sie ihm eröffnet hatte, dass sie schwanger ist. Der deutsche Teil der Familie freut sich auf den Nachwuchs, der türkische Teil ist eher pikiert. Hätte Dilek diese Neuigkeit nicht diskreter verkünden können? Ein uneheliches Kind ist ja nichts, was man öffentlich herumtröten muss!
Als dann noch herauskommt, dass alles ganz anders ist, als die junge Frau erzählt– und auf wessen Mist diese verrückte Geschichte gewachsen ist – ist in der Familie mächtig was geboten! Yusufs Mutter Hatice und Oma „Nene“ Defne gehen aufeinander los wie die Furien.
Wie hilft man, wenn man das Problem nicht versteht?
Yusuf würde gerne helfen und vermitteln. Das ist seine Natur. Aber er hat keine Ahnung, was los ist und muss wieder einmal zugeben, dass er die Frauen einfach nicht versteht. Nicht einmal sein Freund und Nachbar, der kluge und lebenserfahrene Hotelier Mustafa, kann ihm da helfen.
Und die Sorgen reißen nicht ab! Marie (43), Yusufs Frau, kränkelt, was sie jedoch hartnäckig leugnet. Sohn Elyas (24), der weder privat noch beruflich etwas auf die Reihe kriegt, taucht wieder mal mit neuen Geschäftsideen auf. Außerdem werden Karamaks schräg angeschaut, weil die verwitwete Nene (90) ihren Kindheitsfreund Kemal Uzun (87) heiraten will. Der ist als gerissener Geschäftsmann bekannt und sein Enkel Marek steht in dem Ruf, ein Mafia-Anwalt zu sein. Das macht vielen Leuten Angst.
Kein Geheimnis ist hier sicher
Die Verlobungsfeier wird ein Fiasko. Noch schlimmer: Niemand hier weiß, wann es angebracht wäre, mal die Klappe zu halten! Schon gar nicht Yusuf.
„Raus mit der Sprache, wem hast du es alles erzählt, finde ich morgen bereits eine Anzeige in der Zeitung oder soll ich besser fragen, wer es zufällig noch nicht weiß?“
(Seite 139)
„Also, ganz ehrlich, ich wollte es weder meiner Mutter noch Duran erzählen und auch Mustafa hat mich schlicht überfahren ….“
Nenes Verlobter ist kein Haar besser. Arglos erzählt er von einer Entscheidung, die er vor über 60 Jahren getroffen hat – und nun will Nene ihn nicht mehr heiraten. Kann er sie noch umstimmen? Yusuf will sich da nicht einmischen, Marie dagegen fragt Schlagersänger Cem um Rat. Ausgerechnet den! Wenn der mitmischt, wissen wir ja, was dabei rauskommt!
Bei all dem Wirbel fällt es kaum noch ins Gewicht, dass die Hunde der Karamaks, zwei riesige Kangals, sich aus Langweile eine „Beschäftigung“ suchen, dass ein verwirrter Hotelgast verschwindet und dass mitten im Umbau der Hotelküche die Polizei auf der Matte steht und nach Hehlerware sucht. Was hat der schlitzohrige Duran seinem Beinahe-Schwiegervater da angedreht?
Yusuf wird energisch
Das Chaos tobt an allen Ecken und Enden. Yusuf scheint das gutzutun, denn er entwickelt sich erfreulich. Zu Beginn der Reihe war er schon ein bisschen ein Lappen, doch mit jeder Katastrophe, aus der er sich erfolgreich herausgewurstelt hat, wird er selbstbewusster und energischer. Ich denke, er profitiert auch von den Gesprächen mit Mustafa.
Inzwischen weiß unser Held, was er bei der Erziehung seiner Kinder falsch gemacht hat. Doch jetzt kann er bei Elyas und Dilek nicht mehr viel korrigieren. Sie sind längst volljährig. Er kann höchstens rigoros ablehnen, wenn sie es sich wieder mal auf seine Kosten bequem machen wollen. Und auch wenn Ehefrau, Mutter und Oma ihn immer noch kräftig manipulieren: So wie in seiner Zeit in Deutschland lässt er sich heute nicht mehr auf dem Kopf herumtanzen.
Wenn Yusuf mit knapp 50 noch Konsequenz und Selbstwirksamkeit für sich entdeckt, besteht vielleicht auch für ein paar andere Romanfiguren Hoffnung. Am Ende lernen seine erwachsenen Kinder noch, was Verantwortung bedeutet! Aber da sind wir, glaube ich, schon im Bereich der Wunder.
Mehr als nur Comedy
So lustig es ist, wie Karamaks durch ihr Alltagschaos stolpern, es ist doch mehr als Comedy. Von Mustafa kann man zum Beispiel viel lernen. Und in diesem Band gibt Kemal, Omas mit allen Wassern gewaschener Verlobter, interessante Einblicke in sein Leben und in ein kulturelles Phänomen, über dessen Ursprünge ich mir noch nie Gedanken gemacht hatte. Wenn man sich als Leser:in amüsiert und nebenbei noch sein Wissen erweitert, ist das für mich gute Unterhaltung.
Eine Kleinigkeit: Stellenweise fehlen im Text An-/Abführungszeichen, weshalb nicht immer klar ist, wo eine wörtliche Rede anfängt und wo sie aufhört. Aber ein Drama ist das nicht.
Die Autorin
Angelika Godau, geboren in Oberbayern, hat in verschiedenen Regionen Deutschlands gelebt und fast 10 Jahre lang in der Türkei. Sie hat als Journalistin gearbeitet, Psychologie studiert und in Mannheim eine eigene Praxis betrieben. Heute lebt sie mit ihrem Mann, zwei Hunden und einer Katze in Zweibrücken, schreibt Bücher und engagiert sich im Tierschutz.
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Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
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