Nicht nur ihr Autofahrer werdet von Baustellen geplagt –uns Nutzern des ÖPNV geht es nicht viel besser! Abgesehen davon, dass wir manchmal alle im selben Stau stehen, kann es ziemlich anstrengend sein, wenn angestammte Haltestellen monatelang nicht angefahren werden und man lange Umwege latschen muss.
Es ist gut und wichtig, dass die Gemeinde marode Leitungen reparieren lässt. Aber die Nebenwirkungen sind nicht ohne: Ein Vierteljahr lang schleppen wir, die wir im Osten unseres Wohnorts leben, nun schon uns und unseren Kram quer durchs Dorf, wenn wir mit dem Bus von A nach B wollen.
Ich sag euch: Es ist ein Unterschied, ob man sich drei Minuten oder eine halbe Stunde lang mit einer Last abquält.
Ja, ich weiß: Bis 1978 war das der Standard. Davor gab es noch gar keinen Bus im Ort und nur zwei Straßenbahnhaltestellen am anderen Ende des Dorfs. Da bin ich 7 Jahre lang mit dem Schulranzen auf dem Rücken hin- und wieder zurückgepilgert. Und wenn man noch weiter in der Zeit zurückgeht: In den 60er-Jahren war der Kindergarten im Untergeschoss des Rathauses untergebracht. Wir sind jeden Tag zweimal die steile Eichersteige runter- und wieder raufgeflitzt. Hat uns nichts ausgemacht. Hat uns auch nicht geschadet.
Aber es ist definitiv ein Unterschied, ob du fünf Jahre alt bist, 15 oder 65.
Wenn ich jetzt meinen Wocheneinkauf heimschleppe und -zerre, habe ich schon nach der Hälfte der Strecke die Nase voll vom Fußgängerslalom, bei dem man mit seinem Einkaufstrolley wuchernden Hecken, Seitenspiegeln oder ganzen Autos ausweichen muss, die mehr oder weniger weit in den Gehweg hineinragen. Wo die Gehwege unvermittelt nach einer Kurve oder nach einer Hecke aufhören und man plötzlich mitten auf der Straße steht, weiß ich inzwischen.
Dennoch: Manchmal würde ich mich am liebsten mitten auf den Weg setzen und keinen Schritt mehr weitergehen.
Jetzt hoffe ich, dass die wirklich zeitnah fertigwerden mit ihrer Baustelle und mal für eine Weile alle Haltestellen da bleiben, wo sie hingehören. Vor Corona habe ich fast zwei Jahre lang täglich mit einer städtischen Großbaustelle zu kämpfen gehabt und zum Teil Stunden gebraucht, bis ich nach Feierabend daheim war. Dann kam zum Glück das Homeoffice.
Ich mag einfach nimmer. Dabei müssen wir ja noch froh sein, dass wir nur mit örtlichen Baustellen zu tun haben, die sich über Moooonate hinziehen – und nicht mit Stuttgart 21, das vermutlich eine längere Bauzeit haben wird als die Sagrada Familia in Barcelona und erst fertig ist, wenn das Beamen schon erfunden wurde und man Züge und Bahnhöfe gar nicht mehr braucht. 😀
