Angelika Godau: Wie ein Esel ohne Ohren (Türkei für Anfänger, Band 9), Zweibrücken 2025, Independently published, ISBN 979-8-275-49491-4, Softcover, 289 Seiten, Format: 12,7 x 1,68 x 20,32 cm, Buch: EUR 12,99, Kindle: EUR 4,99.

„[Elyas] ist auf alle Fälle fest davon überzeugt, dass ich ein Pantoffelheld bin, der unter deiner Fuchtel steht.“
(Seite 193)
[Marie] lächelt milde und winkt ab.
„Ach, lass ihn doch glauben, was er will, die Hauptsache ist doch, du tust, was ich sage.“
Seit zwei Jahren ist Yusuf Karamak (knapp 50) jetzt schon im türkischen Ferienort Side und betreibt dort das Hotel „Güneş“. Türkisch kann er immer noch nicht. Ohne seine Eltern, Großmutter Nene und seine engsten Mitarbeiter wäre er aufgeschmissen. Selbst seine deutsche Frau Marie und seine erwachsenen Kinder, Elyas (25) und Dilek (20), die, wie er, in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, können sich inzwischen in der Landessprache verständigen.
Hotelier Yusuf rechnet stets mit dem Schlimmsten
Gut vernetzt ist Yusuf trotzdem. Als Hotelgäste derart unangenehm werden, dass er die Polizei rufen muss, steht die „Jandarma“ ratzfatz auf der Matte und lässt sich auch von den wilden Geschichten der Touristen nicht für dumm verkaufen. Abmarsch, Hausverbot! Ist die Sache damit ausgestanden? Oder kommt da jetzt ein Haufen „Gleichgesinnter“ daher und übt an Yusuf Rache? Der Hotelier ist sturmerprobt und rechnet grundsätzlich mit allem.
Okay: Womit er jetzt nicht gerechnet hat, obwohl er doch schon zwei Kinder hat, ist, dass Kind Nr. 3, der Nachzügler Deniz, mitten in der Nacht zur Welt kommt. Und so startet der Kleine recht chaotisch in sein Leben. Ein echter Karamak eben! 😉
Marie muss sich im Krankenhaus ziemlich verlassen vorkommen, denn wann immer Yusuf sie dort besuchen will, kommt ihm was dazwischen. Vor allem Sohn Elyas sorgt wieder für reichlich Aufregung. Als Yusuf stolz erzählt hat, wie fleißig sein Ältester nun für das Hotel arbeitet, kam mir das gleich verdächtig vor. Elyas ist ein leichtsinniger, egoistischer Tunichtgut, und eine 180-Grad-Wende ist da eher unwahrscheinlich. Sie findet ja auch nicht statt.
Sohn Elyas sitzt wieder mal in der Tinte
Elyas schafft es, sich gleich dreifach in Schwierigkeiten zu bringen und dabei sogar die Existenz des familieneigenen Hotels aufs Spiel zu setzen. Yusufs Wut und Enttäuschung ist nachvollziehbar. Und dieses Mal sieht es ganz danach aus, als könne und wolle die Familie nicht alle Konsequenzen von Elyas fernhalten. Die Suppe, die er sich eingebrockt hat, wird er schön selber auslöffeln müssen!
Die Hiobsbotschaften reißen einfach nicht ab! Oma Nene (91) verlässt mit viel Getöse ihren Mann Kemal (87), den sie erst vor einem halben Jahr geheiratet hat, und will wieder bei Yusuf und Marie einziehen. Die Anschuldigungen, die sie gegen ihren Gatten erhebt, sind derart hanebüchen, dass die Familie ihr nicht glaubt. Da muss etwas anderes dahinterstecken …!
Yusuf soll allen die Kastanien aus dem Feuer holen
Yusufs Kumpel, der Schlagersänger Cem, hat heftige Beziehungsprobleme und lädt diese ebenfalls bei Yusuf ab. Und dann steht auch noch Kemal, der frisch angeheiratete Stief-Großvater, auf der Matte und muss gestehen, dass er in ernsthaften Schwierigkeiten steckt. Auch diese Probleme würde er nur zu gern auf Yusuf und dessen nichts ahnende Ehefrau abwälzen.
Dagegen ist der Hoca – ein exzentrischer Religionsgelehrter – ja noch harmlos! Aus dem Nichts aufgetaucht, schleicht er im Hotel herum, schnorrt Kaffee für sich und Essensreste für streunende Hunde. Yusufs Mutter Hatice, der Herrin über die Hotelküche, ist der Mann ein Dorn im Auge. Als er auch noch im Hotelfoyer den Gebetsteppich ausrollt, platzt ihr der Kragen …
Schluss! Jetzt wird Klartext geredet!
Zu Hatice fällt mir nur der Dialektausdruck „Bissgurn“ ein. Hat sie in den bislang 9 Bänden der Reihe jemals etwas Nettes, Freundliches, Aufbauendes gesagt oder getan? Nicht, dass ich wüsste! Gut, dass in diesem Band zu manchen Themen endlich mal Klartext geredet wird! Es wird von verschiedenen Personen unmissverständlich ausgesprochen, was Hatice für eine herrschsüchtige Xanthippe ist.
Mustafa, der lebenskluge Nachbar und Yusufs väterlicher Freund, liest Oma Nene ordentlich die Leviten, weil sie ständig irgendwelche Dramen verursacht und alles Mögliche und Unmögliche will, statt einfach mal für das dankbar zu sein, was sie hat. Mustafa ist ja sonst die Ruhe in Person. Wenn der mal energisch wird, dann aus gutem Grund.
Und Marie wäscht ihrem Gatten gründlich den Kopf, weil er immer und überall helfen will, sich dabei heillos verzettelt und sich völlig unnötig in anderer Leute Probleme hineinziehen lässt. Die Menschen, die sich von ihm gern die Kastanien aus dem Feuer holen lassen wollen, sind dazu selbst in der Lage. Na ja, ganz fair ist das vielleicht nicht. Er will doch nur, dass es allen gutgeht und weiß genau, wann er an seine Grenzen stößt:
„Darüber musst du dich mit einem Psychiater unterhalten, ich bin nur ein kleiner Hotelier, der heute schon den ganzen Tag so tut, als könnte er Beziehungsprobleme lösen.“
(Seite 173)
Grenzen setzen!
Yusuf ist nur nicht dazu in der Lage, die erkannten Grenzen auch zu setzen. Doch er lernt von Band zu Band dazu. Hier weigert er sich zum Beispiel, sich von seiner Frau ein schlechtes Gewissen einreden zu lassen. Und er stellt klar, dass er sich von seiner Verwandtschaft nicht länger manipulieren lässt. Ja, es stimmt, dass er sich gerne um andere Menschen kümmert, aber das, was die Familie jetzt von ihm verlangt, das geht zu weit!
Yusuf, unser sanfter Held, haut endlich mal auf den Tisch – und wir dürfen gespannt sein, wer sich am Ende durchsetzt.
Katastrophen aller Art: groß, klein, tragisch und komisch
Dies und was aus all den großen und kleinen Katastrophen, die sich vor unseren Augen abgespielt haben, wird, erfahren wir sicher im nächsten Band. Insgesamt 12 Bände sollen es werden, sagt die Autorin. Danach ist unwiderruflich Schluss mit der Reihe und das Chaos im Hotel Güneş muss alleine weitertoben. Das traue ich dem Chaos durchaus zu: Es ist ja schon groß! 😉Doch bis es soweit ist, können wir Karamaks & Co. noch durch etliche haarsträubende, gefährliche und vor allem komische Abenteuer begleiten.
Eine ganz kleine Anmerkung zum Schriftsatz: Ich habe die Printausgabe gelesen und war manchmal etwas irritiert, weil mitten im Satz ein neuer Absatz beginnt. Das ist nicht schlimm, aber es bremst ein bisschen den Lesefluss.
Die Autorin
Angelika Godau, geboren in Oberbayern, hat in verschiedenen Regionen Deutschlands gelebt und fast 10 Jahre lang in der Türkei. Sie hat als Journalistin gearbeitet, Psychologie studiert und in Mannheim eine eigene Praxis betrieben. Heute lebt sie mit ihrem Mann, zwei Hunden und einer Katze in Zweibrücken, schreibt Bücher und engagiert sich im Tierschutz.
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Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
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