Claudia Rimkus: Nordstrøm – Der Sammler. Ostsee-Krimi, München 2026, dotbooks GmbH, ISBN 978-3-96898-379-0, Klappenbroschur, 495 Seiten, Format: 12,4 x 3,9 x 18,8 cm, Buch: EUR 18,00, Kindle: EUR 4,99.

Sara schrieb die Angaben […] ans Bord. […] Als [sie] einen Schritt zurücktrat, nahm Erik sämtliche Informationen in den Blick.
(Seite 276)
„Die Übereinstimmungen sprechen eine deutliche Sprache. Jetzt bestehen wohl kaum noch Zweifel, womit wir es zu tun haben.“
„Mit einem Täter, der länderübergreifend agiert.“
Eine Detektei für Vermisstenfälle
Erik Nordstrøm (39) war Polizeipsychologe, bis seine Frau Julia vor vier Jahren spurlos verschwand. Damals hat er den Polizeidienst quittiert und auf Rügen mit einem kleinen, schlagkräftigen Team die „Agentur“ gegründet – eine Mischung aus Detektei und Beratungsstelle mit Hilfsangeboten.
Nordstrøm und sein Team ermitteln vorzugsweise in Mord- und Vermisstenfällen und setzen da an, wo die Polizei nicht weiterkommt oder die Akten schon geschlossen hat. Auch internationale Operationen sind für die gut vernetzte Agentur kein Problem. Durch Bürokratie lassen sie sich nicht aufhalten.
Personeller Neuzugang: Die Juristin und Kampfsportlerin Sara Sachs (36), die aktuell noch in der Probezeit ist. Sie versteht ihr Geschäft, kommt auch gut mit den Kolleg:innen klar, hat jedoch einen gefährlichen Hang zu Alleingängen. Mal sehen, was das noch gibt …!
Eine schwedische Juristin verschwindet
Jetzt wird bei der Agentur ein alter Freund der Familie Nordstrøm vorstellig: der schwedische Unternehmer Harald „Hardy“ Nobel (60). Seine Firmenanwältin und Patentochter Luna Lundin (29) ist verschwunden. Er hatte sie zu Vertragsverhandlungen nach Kopenhagen geschickt, wo sie nicht zu einem Termin erschienen ist. Das ist untypisch für die zuverlässige Juristin. Ihre Angehörigen machen sich Sorgen, vor allem, weil sie in jüngster Zeit gestalkt wurde.
Da die Polizei nichts unternimmt – schließlich kann sich jeder Erwachsene aufhalten, wo er mag, ohne sein Umfeld davon in Kenntnis zu setzen – soll Nordstrøm die junge Frau suchen. Ist sie aus Angst vor ihrem Stalker untergetaucht? Hat er ihr etwas angetan? Oder wurde sie von einem Unbekannten entführt?
Der Leser weiß mehr …
Wir Leser:innen wissen mehr als die Agenturleute und die Polizei: Wir tauchen in die krausen Gedanken eines Mannes ein, der lange Jahre in der Psychiatrie zugebracht hat. Inzwischen ist er dort raus, nimmt aber weder seine Medikamente noch unterzieht er sich der empfohlenen ambulanten Therapie. Stattdessen steigert er sich in ein aberwitziges Projekt hinein, für das er eine ideale Person braucht. Wie die beschaffen sein soll, weiß er ganz genau. Und wenn er eine entdeckt, die seinen Vorstellungen zu entsprechen scheint, entführt er sie kurzerhand.
Sein Plan ist jedoch nicht durchdacht. Was soll er tun, wenn die auserwählte Person doch nicht seinen Vorstellungen entspricht oder bei seinem Vorhaben nicht mitmachen will? Wenn er sie laufen lässt, kann sie ihn oder den Ort ihrer Gefangenschaft ja identifizieren! Als seine erste Kandidatin ums Leben kommt, hat er die perfekte Lösung für sein Problem gefunden. Aus seiner Sicht ergibt es Sinn, die Tote in einer bizarren Inszenierung auf dem Friedhof ihrer Heimatgemeinde aufzubahren – in Tromsø/Norwegen.
Clever: ein international agierender Serientäter!
Wir Leser müssen nun befürchten, dass die Anwältin Luna Lundin, die perfekt ins Beuteraster des psychisch gestörten Mannes passen würde, ebenfalls in seiner Gewalt ist. Und wir müssen hilflos zusehen, wie die Polizei und Nordstrøms Leute, die von diesen Ereignissen nichts wissen, in ganz andere Richtungen ermitteln und damit viel wertvolle Zeit vertun.
Unterdessen hat der „Sammler“ schon neue Kandidatinnen gekidnappt: eine Schwedin, eine Dänin, eine Deutsche, eine Polin … Das verschleiert zunächst, dass man es mit einem Serientäter zu tun hat, denn jedes Land betrachtet seinen Fall isoliert.
Ist Luna in der Gewalt des „Sammlers“?
Weder die privaten noch die offiziellen Ermittler kommen weiter. Erst als Erik Nordstrøm Details über die Auffindesituation einer Toten auf dem Friedhof von Binz/Rügen erfährt und sein IT-Experte auf halblegalem Weg ähnliche Vorfälle aus internationalen Datenbanken lockt, kommt Bewegung in die Sache. Jetzt müssen sie den „Sammler“ nur schnell finden, bevor weitere junge Frauen – unter Umständen auch Luna – als gruselig drapierte Leiche auf einem Friedhof ihres Heimatorts landen!
Inzwischen verschleppt der Mann eine weitere Frau – ausgerechnet ein Mitglied aus Nordstrøms Team. Gut: Die Leute sind krisenerprobt und bestens ausgebildet, doch der Sammler“ agiert nicht alleine – auch er hat Helfer, und die schrecken vor nichts zurück …
Packender Mix aus Krimi und Thriller
Wenn in einer Story die Ermittler und deren Arbeit im Mittelpunkt stehen, ist’s ein Krimi. Liegt der Fokus auf dem Täter und dessen Motiven, handelt es sich um einen (Psycho-)Thriller. NORDSTRØM – DER SAMMLER ist ein packender Mix aus beidem. Voller Spannung warten wir Leser darauf, dass die Ermittelnden endlich die Zusammenhänge erkennen, die uns längst klar sind, und dass sie entsprechend handeln.
Doch wie im richtigen Leben braucht’s viele kleine Informationshäppchen und Details, bis der Groschen fällt. Dann aber zieht das Tempo der Geschichte an und es gibt ordentlich Action und Dramatik. Man kann das Buch nicht mehr weglegen, bis das Schicksal aller Beteiligten – inklusive der Katze – geklärt ist.
Wer bei „Thriller“ an unappetitliche Gewaltdarstellungen denkt, den kann ich beruhigen: Die Akteure sind zwar nicht zimperlich, aber sowas gibt’s hier nicht. Was immer die Leute tun, ergibt sich folgerichtig aus der Situation und/oder der Vorgeschichte. (Ich habe mich lediglich gefragt, wie der „Sammler“ das Fachwissen erlangt hat, das er für seine bürgerliche Existenz braucht. Hatte er denn die Chance, eine Ausbildung zu absolvieren oder zu studieren?)
Befreiende Komik und ein hilfreiches Verzeichnis
Für ein wenig befreiende Komik sorgt Nordstrøms Tochter und kleine „Running Gags“ wie die sorgfältig geplanten Dates zwischen Dr. Sara Sachs und Staatsanwalt Gabriel Althoff, die irgendwie nie zustande kommen. 😊
Sehr hilfreich ist das übersichtliche Personenverzeichnis gleich zu Beginn des Buchs. Auch wenn man es nach kurzer Zeit nicht mehr braucht, ist es ein beruhigendes Gefühl, dort nachschlagen zu können, wenn man einen Namen nicht gleich zuordnen kann. Das ist deutlich bequemer, als alles bereits Gelesene danach durchforsten zu müssen.
Ich hoffe doch, dass es weitere Bände gibt. Zu gerne würde ich wissen, was aus Erik Nordstrøms vermisster Ehefrau geworden ist. Bis jetzt gibt es nur immer unheimliche Andeutungen …
Die Autorin
Claudia Rimkus wurde in Hannover geboren, wo sie noch heute lebt und schreibt. Ihre Geschichten sind trotz aller Dramatik immer mit Humor gewürzt. Wenn die Autorin nicht schreibt, ist sie gern mit der Kamera unterwegs. Das genaue Beobachten ihrer Umwelt inspiriert sie zu ihren Geschichten. Ihre Fotos haben mehrere Preise gewonnen.
Affiliate Links
- Buch: https://amzn.to/4ywFJ9P
- Kindle: https://amzn.to/3RQiZ41
Ich bekomme eine kleine Provision, wenn ihr über einen dieser Links ein Produkt kauft.
Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de