Sebastien de Castell: Soulbinder, Band 4 der Spellslinger-Reihe (englischsprachige Ausgabe!), ab 16 J., London 2018, Hot Key Books, ISBN 978-1-4714-0673-7, Hardcover mit Schutzumschlag, 423 Seiten, mit s/w-Illustrationen von Sam Hadley, Format: 16,2 x 3,8 x 24 cm, Hardcover: EUR 10,73, Softcover: EUR 10,89, Kindle: EUR 3,90, auch als Hörbuch erhältlich.

„[…] You’ve got the shadowblack now! Do you have any idea what that means? There’s a damn portal on your face that’s connected to an etheric plane that will slowly feed on your worst, most vile thoughts. Those markings will only get bigger over time, and eventuelly those thoughts will become a demon who will take over your entire being.“ (Seite 409)
Der vierte Band der Spellslinger-Reihe ist der bisher düsterste und gruseligste. Kellen aus dem Magier-Clan der Jan’Tep zieht inzwischen allein mit seinem Schutztier, dem Baumkater Reichis, durch die Lande. Seine Mentorin, die Argosi-Frau Ferius Parfax und seine Kindheitsfreundin Nephenia nebst Hyäne Ishak hat der 17-Jährige nach dem letzten gemeinsamen Abenteuer in der Wüste von Gitabria zurückgelassen. Nicht aus Bosheit, sondern weil ihm klar geworden ist, dass er sie nicht von ihren eigentlichen Aufgaben abhalten darf. Seinen Kampf muss er ohne sie kämpfen.
Dabei will Kellen nur eines: überleben! Aus Gründen, die ihm so rätselhaft sind wie uns, hat seine Familie ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Hat es denn nicht gereicht, dass sie ihm schon in seiner Kindheit seine magischen Fähigkeiten genommen und ihn mit der tödlichen Schwarzschattenkrankheit infiziert haben? Offenbar nicht!
Enttäuschte Hoffnungen und ein vermisster Freund
Gegen die Krankheit sollen die Mönche des Ebenholz-Klosters angeblich ein Heilmittel gefunden haben. Baumkater Reichis behauptet zwar, dass das Kloster ein Mythos sei, trotzdem engagieren die beiden einen Scout, der sie dort hinbringen soll. Das Unternehmen ist nur so semi-erfolgreich: Am Ende des Tages ist der Scout tot und Reichis verschwunden. Nur der bewusstlose und fiebernde Kellen wird von zwei jungen Mönchen tatsächlich ins Ebenholz-Kloster gebracht.
Als Kellen wieder zu sich kommt, stellt er fest, dass alle Klosterbewohner, Mönche wie Laien, die Schwarzschatten-Male tragen. Nein, hier hat man keine Arznei dagegen gefunden, sondern diverse Möglichkeiten, die Schattenmagie für sich zu nutzen. Die Mönche haben gelernt, wie man sie gezielt zum Spionieren, Bauen, Kämpfen und Reisen einsetzt. Eine Kehrseite hat die Sache: Mit der Zeit kann der Schwarzschatten Besitz von seinem Träger ergreifen und ihn in einen rasenden Dämon verwandeln. Kellen erlebt das hautnah mit.
Eine Ersatzfamilie für Kellen?
Jetzt, da er weiß, dass er hier keine Heilung finden wird, müsste er eigentlich weiterziehen, doch er bleibt, weil er in diesem Kloster erstmals ein Gefühl der Zugehörigkeit hat. Die sechs jungen Leute, die hier den Umgang mit der Schattenmagie lernen, sind wie er: verfolgt und verstoßen aufgrund ihrer Krankheit. Eine Schicksalsgemeinschaft. Oder doch nur ein zufälliges Zusammentreffen von Einzelkämpfern? Der Gedanke, dass man sich innerhalb einer Gruppe gegenseitig hilft, scheint ihnen jedenfalls fremd zu sein. Dass Kellen seinen Kumpel Reichis retten will, verstehen sie nicht.
In seiner Not mobilisiert Kellen die wenigen ihm verbliebenen magischen Kräfte und nimmt Kontakt zu seiner Schwester Shalla auf, auch wenn er nie weiß, ob sie ihm gerade helfen oder schaden will. So auch jetzt: Zwar verspricht sie, dass sie sich um Reichis‘ Rettung kümmern wird, doch es passiert nichts. Er bleibt verschwunden.
Magie mit Nebenwirkungen
Schlimmer noch: Die magische Kommunikation der Geschwister hat Spuren hinterlassen, und nun wissen die Jan’Tep, wo sich das Ebenholz-Kloster befindet. Das ist ihre Chance, die Schwarzschatten-Infizierten zu überfallen und auszurotten. Und Lord-Magier Ke’heops, der Vater von Kellen und Shalla, will diese Chance aus politischen Gründen nutzen. Doch die Mönche bekommen Wind davon und bereiten sich auf einen Kampf vor. Im Umgang mit der Magie nehmen sich die beiden Parteien nichts. Das könnte eine sehr böse Sache werden!
Dass nun auch noch Kellens Freundin Nephenia – eine Exil-Jan’Tep – im Kloster auftaucht, macht die Angelegenheit noch komplizierter. Sie will Kellen aus der Gefahrenzone holen, er will dasselbe mit den unschuldigen Laien machen, die auf dem Klostergelände leben. Und beiden ist es egal, wen sie dafür bekämpfen müssen: die Schattenwerfer, die Jan’Tep-Magier oder alle zusammen. Ja, und dann ist da noch Kellens Schwester Shalla, die ihre ganz eigenen Pläne verfolgt …
Freundschaft und Polit-Intrigen
Neben all den raffinierten Polit-Intrigen und den verschiedenen Spielarten der Magie geht es hier um Beziehungen: um familiäre, romantische und vor allem freundschaftliche. Kellen und seine bisherigen Reisegefährten – Ferius Parfax, Reichis, Nephenia und Ishak – mögen nicht immer einer Meinung sein, aber sie würden alles füreinander tun. Familienangehörige sind in dieser Geschichte deutlich eigennütziger unterwegs.
Wir lernen hier weitere Spekulationen über die Gründe kennen, aus denen Kellens Angehörige ihm Magie, Gesundheit und Zukunftschancen geraubt haben könnten. Die Story wird immer mysteriöser. Nicht alles ist so, wie es auf den ersten Blick aussieht und nicht jeder ist das, was er vorgibt zu sein. Immerhin hat Kellen jetzt eine Vorstellung davon, wie seine Zukunft aussehen soll – wenn er denn eine hat. Der Autor macht’s spannend. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie diese Reihe enden soll. Weil ich’s wissen will, muss ich dranbleiben.
Kellen allein unterwegs. Mit seinen Freunden ist’s lustiger
Dass der vierte Band so viel finsterer ist als die drei davor, liegt daran, dass Kellen hier allein unterwegs ist. Ohne Ferius und Reichis fehlt die befreiende Komik, die immer dann entsteht, wenn sich die Freunde gegenseitig aufziehen. Die Gefährten, die er in diesem Band hat, sind dafür zu ernst. So haben wir nur Kellens Selbstironie, seine sarkastischen Kommentare und die Hoffnung, dass er bald wieder adäquate „Sparringspartner“ bekommt. Er braucht das und wir Leser:innen ebenfalls: wegen der Lacher und weil wir auf eine kritische Außenperspektive angewiesen sind. Allein auf die Wahrnehmungen des Teenagers Kellen können wir uns nämlich nicht verlassen.
Der Autor
Sebastien de Castell hatte gerade sein Archäologiestudium beendet, als er mit der ersten Ausgrabung begann. Vier Stunden später begriff er, wie sehr er Archäologie hasste und ließ sie kurzerhand hinter sich, um Musiker, Projektmanager, Kampf-Choreograf und Schauspieler zu werden. Auf die eine oder andere Weise spiegeln sich all seine beruflichen Tätigkeiten in seinem Schreiben wider. Sebastien de Castell wurde in Kanada geboren und lebt heute in den Niederlanden.
Die Reihe
Band 1: Spellslinger – Karten des Schicksals, dtv (OT: Spellslinger) * Band 2: Shadowblack – Karten des Schicksals, dtv (OT: Shadowblack) * Band 3: Charmcaster (englisch) * Band 4: Soulbinder (englisch) * Band 5: Queenslayer (englisch) * Band 6: Crownbreaker (englisch)
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Rezensentin: Edith Nebel
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