Brittni Vega: Harlow & Sage: Die Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft

Brittni Vega: Harlow & Sage: Die Geschichte einer außergewöhnlichen Freundschaft, OT: Harlow and Sage – A True Story About Best Friends, aus dem Englischen von Christine Spindler, München 2015, arsEdition, ISBN 978-3-8458-1080-5, Hardcover mit Schutzumschlag, Lesebändchen, 96 Seiten mit zahlreichen Farbaufnahmen, Format: 15,4 x 1 x 20,2 cm, EUR 12,99.

Abbildung: (c) Ars Edition
Abbildung: (c) Ars Edition

Jeff Vega aus Salt Lake City hat eine Frau mit Anhang geheiratet: Gattin Brittni bringt die Dackeldame Sage mit in die Ehe. Und damit das Tier sich nicht langweilt, während die Vegas tagsüber bei der Arbeit sind, kommt ein zweiter Hund ins Haus. Harlow ist kein Dackel, obwohl sie das ganz fest zu glauben schein, sondern eine Weimaraner-Hündin. „Wir bringen es nur nicht übers Herz, ihr das zu sagen“, schreibt die Autorin. (Seite 3)

Aus der Sicht des Neuzugangs Harlow erzählt Brittni Vega die Abenteuer ihrer Hunde und illustriert die Geschichten mit vielen lustigen und rührenden Farbfotos.

Sage ist Harlows großes Vorbild
Weimaranerin Harlow, die meist so einen herrlich entsetzten „Waaaas?!“-Blick drauf hat, betrachtet Dackeldame Sage als ihre große, schlaue Schwester, von der sie vieles lernen kann. Natürlich ist es nicht ernst gemeint, wenn Brittni Vega ihren Hunden menschliche Fragen und Interessen unterstellt: „Warum muss man manchmal niesen? Wieso sind die Saurier ausgestorben? Wo sind die Rolling Stones eigentlich hingerollt?“ (Seite 7) Auch die angebliche Vorliebe der Hündinnen für Filme mit Meryl Streep dürfte eher der Autorin zuzuschreiben sein. Wenn sie sich für einen gemütlichen Filmabend aufs Sofa kuschelt, werden ihr die Tiere nur zu gern Gesellschaft leisten. Ob da nun Meryl Streep über den Bildschirm flimmert oder Donald Duck, wird ihnen herzlich egal sein, Hauptsache, sie sind bei ihrem Frauchen. Aber aus Spaß an der Freud’ können wir für die Länge dieses Buchs gern so tun, als würden diese Menschenthemen Harlow und Sage wirklich beschäftigen.

Dass es bei Blitz und Donner hilfreich ist, wenn man einen Artgenossen zum Ankuscheln hat, weil man sich dann gleich viel weniger fürchtet, ist eine der frühen Lektionen, die Harlow in Haushalt Vega lernt. Fortan schlafen sie und Sage jede Nacht zusammengekuschelt ein. Dass Omas dazu da sind, einen zu verwöhnen, während Opas immer dann mit ihrer „Spielzeugkiste“ anrücken, wenn etwas zu reparieren ist, das kapiert sie auch schnell. Obwohl … die Wassershow im Bad, bei der eine Fontäne vom Waschbecken bis an die Decke schoss, hätte ihnen der Großvater ruhig noch eine Weile lassen können. Es war so schön, einen Teich im Badezimmer zu haben und darin herumzuplanschen!

Dackeldame Sage wird älter
Irgendwann lässt es sich nicht mehr verleugnen: Dackeldame Sage wird älter, hört schlecht, vergisst manches und ist nicht mehr so gut zu Fuß. Kurze Strecken bewältigt sie noch, auf längeren Wegen muss man sie tragen … bis ihre Menschen auf die Idee kommen, Harlow einen Rucksack auf den Rücken zu schnallen und die alte Dackeldame dort hineinzusetzen. Von da an gibt’s Spaziergänge im Huckepack-Verfahren.

Als Sage nach längerer Krankheit und wiederholten Tierklinikaufenthalten im September 2013 die Augen für immer zumacht, bleibt Harlow nur etwa eine Woche lang ein Einzelhund. Die Vegas bringen einen weiblichen Dackelwelpen ins Haus: Indiana. Den hält Harlow zunächst für einen Teddybären und ist ganz überrascht, dass das kleine Wesen sich bewegt, quicklebendig ist und eine gefühlte Million Fragen stellt. So einen Umtrieb ist Harlow gar nicht gewöhnt. Mit der gesetzten alten Dackeldame Sage verlief das Zusammenleben ungleich ruhiger. Klein-Indi dagegen nervt. Sie quasselt, sie beißt in Harlows Ohren, sie spielt mit allem, was ihr in die Quere kommt und belegt selbst Harlows Lieblingsplätze mit Beschlag. Ob der kleine Plagegeist wieder weggeht, wenn sie ihn beharrlich ignoriert?

Welpe Indi muss noch viel lernen
Es dauert ein paar Wochen, bis Harlow begreift und akzeptiert, dass Indi hier wohnen bleibt, dass sie jetzt die Rolle der großen Schwester innehat und dem kleinen Welpen allerhand beibringen muss. Sogar das Durchschlafen muss Indi noch lernen. Und sie kennt noch nicht mal Meryl Streep! Auch was Herbst ist, Thanksgiving, Halloween, Schnee und Weihnachten, muss man ihr erst beibringen! Weihnachten ist ja schon irgendwie der Hammer: Als Hund darf man nicht mal ein Stöckchen aus dem Garten ins Haus bringen, und was machen die Menschen? Sie zerren gleich eine deckenhohe Kiefer ins Wohnzimmer! Und wenn man freundlicherweise schon mal die Weihnachtsgeschenke auspackt, während Herrchen und Frauchen noch schlafen, weiß das niemand zu schätzen! Die Welt kann ja so gemein sein zu braven Hunden!

Tischmanieren und Höflichkeit, Autofahrten und Campingurlaub, Ostern und Geburtstagsfeiern … es warten noch viele „Unterrichtsstunden“ und eine Menge Premieren, Erlebnisse und Abenteuer auf die kleine Indi. Aber mit Harlow an ihrer Seite kann sie nichts schrecken.

Die Weimaranerin wiederum erkennt dankbar: „Ich habe die erste Hälfte meines Lebens mit meiner besten Freundin Sage verbracht, und nun darf ich die zweite Hälfte meines Lebens mit meiner besten Freundin Indiana verbringen. Ich bin ein Glückspilz.“ (Seite 94). Wenn’s neue Abenteuer gibt, so verspricht sie uns, wird sie sich wieder melden. Offenbar hat sie Wort gehalten. In den USA erscheint im Oktober dieses Jahres der Fortsetzungsband HARLOW, INDIANA AND REESE. Offenbar haben die beiden Hundedamen einen dritten vierbeinigen Mitbewohner bekommen.

Ein New York Times Bestseller
Das englischsprachige Original des vorliegenden Bandes HARLOW UND SAGE war ein New-York-Times-Bestseller. Es ist ja auch ein hinreißendes (Geschenk-)Buch für Hundefreundinnen und Hundefreunde! Humorvoll und einfühlsam erzählt die Autorin von der innigen Freundschaft ihrer Tiere. Und die Bilder sind niedlich und/oder zum Piepen. Ein bisschen amerikanisch sind die Fotos vielleicht, was angesichts ihrer Herkunft ja kein Wunder ist. 😉 Hunde mit irgendwelchen merkwürdigen Kostümen zu verkleiden wirkt auf uns hier schon ein bisschen albern bis befremdlich.

Wer sich in der US-amerikanischen Popkultur nicht auskennt und insbesondere um Filmkomödien, Sitcoms und Familienserien einen großen Bogen macht, steht beim Lesen dieses Buchs öfter mal auf dem Schlauch. Wer, zum Kuckuck, sind die Griswolds? Und wer D.J., Stephanie und Michelle? Es sind keine Nachbarn oder Verwandten der Buchhelden, soviel ist klar. Also vermutlich jemand aus dem Fernsehen. Wer da erst googeln muss, dem entgeht so mancher Gag. Gut, das ist jetzt nicht rasend schlimm. In erster Linie geht’s ja um die Hunde der Familie. Und deren Geschichte von Liebe, Glück und Freundschaft funktioniert überall auf der Welt.

Die Autorin
Brittni Vega lebt mit ihrem Ehemann Jeff in Salt Lake City. Sie ist ein großer Hundefan und liebt es, ihre Tiere zu fotografieren und Leute zum Lachen zu bringen. Jede freie Minute verbringt sie mit ihren besten Freundinnen Harlow & Indiana – und dem Neuzugang Reese, der Dritten im Bunde. Auch Sage ist immer in Gedanken dabei.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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