Mario Ludwig: Tierische Jobs. Verblüffende Geschichten aus der Tierwelt

Mario Ludwig: Tierische Jobs. Verblüffende Geschichten aus der Tierwelt. Darmstadt 2019, wbgTheiss in Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG), ISBN 978-3-8062-3964-5, Hardcover, 191 Seiten mit zahlreichen s/w-Abbildungen, Format: 13,8 x 21,8 x 1,7 cm,  EUR 18,00, E-Book: EUR 14,99.

Abb. : (c) wbgTheiss

Schon vor rund 15.000 Jahren hat der Homo sapiens Haushunde gezüchtet, die ihm dann als Jagdhelfer, Hüte- und Wachhunde dienten. Das Konzept „Tiere mit Jobs“ ist also nicht neu. Und natürlich sind uns Milchkühe, Zugpferde, Legehennen, Polizeihunde oder Katzen als Mäusejäger vertraut. Aber wer hat schon von einem Affengymnasium, Kampfgrillen, tierischen Spionen, Miet-Enten oder Eseln als „Schäferhunde“ gehört?

Tiere im Dienste der Menschen

Ja, der Mensch ist sehr erfinderisch, wenn es darum geht, sich die Fähigkeiten (und Produkte) seiner Mitgeschöpfe zu Nutze zu machen – und sie dabei schlechtesten Falls auszubeuten. Solange die Tiere im Dienste der Menschen etwas tun, das in ihrer Natur liegt und sie artgerecht gehalten werden, ist das ja akzeptabel. Aber der Mensch ist eben, wie er ist und so enthält das Buch auch einige grenzwertige Beispiele und solche, vor denen man sich mit Grausen wendet und sich schämt, auch zu den „Homo sapiensen“ zu gehören, die derart schrecklichen Dinge tun. Tiere als Drogenkuriere oder „technisch optimiert“ als Spione für irgendwelche Geheimdienste? Pfui Teufel! Der Autor lässt auch keinen Zweifel daran, wie er diese Auswüchse findet.

So weit muss man eigentlich gar nicht gucken, um von Menschen verursachtes Tierleid zu sehen, aber Massentierhaltung ist hier nur am Rande das Thema. Hier geht es mehr um exotische „Beschäftigungsverhältnisse“.

So lesen wir zum Beispiel von

  • Gambia-Riesenhamsterratten und Hunden, die aufgrund ihres ausgeprägten Geruchssinns beim Menschen Krankheiten erschnüffeln können,
  • Speziell trainierten Tauben, die auf Abbildungen (Gewebeschnitte) mit neunzigprozentiger Sicherheit gesundes Gewebe von Tumorgewebe unterscheiden können,
  • Fliegenlarven, die zur Wundheilung eingesetzt werden,
  • Kapuzineraffen als „Haushaltshilfen“ für Menschen mit Querschnittslähmung,
  • Trüffelhunden und Trüffelschweinen,
  • Hunden im Dienste der Archäologie
  • Minensuchratten
  • Adler als Drohnenjäger
  • so raren und bisweilen befremdlichen Produkten wie Milbenkäse, Elchkäse, Kopi Luwak /“Katzenkaffee“, kostbaren Duftstoffen, die aus Tierkot gewonnen werden, Farbstoffen aus toten Läusen und Textilien aus Muschel- und Spinnenseide. Nach dem Goldumhang aus den Fäden der Madagaskar-Seidenspinne musste ich unbedingt googeln. Hier ist ein Youtube-Video darüber. Spinnenseide lässt sich nicht färben, das Goldgelb stammt vom Naturprodukt selbst.

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Das ist natürlich nur ein kleiner Auszug all dessen, was das Buch enthält. Wir erfahren, ob etwas dran ist an der Delphintherapie, ob ein Wetterfrosch tatsächlich das Wetter vorhersagen kann, ob eine „Bandwurmdiät“ überhaupt funktionieren kann und ob das (Ver-)Mieten von Laufenten als Schneckenbekämpfer wirklich so eine gute Idee ist …

Nicht alles brandneu – aber faszinierend

Nicht alle der 49 Beiträge bringen wirklich brandneue Erkenntnisse. Wie könnten sie auch? Wer sich für das Thema interessiert, hat von dem einen oder anderen „tierischen Job“ schon in den Medien gehört oder gelesen. Aber vielleicht hat man noch nicht über alle Konsequenzen und Begleiterscheinung dieser Konstellation nachgedacht? Da liefern die kurzen Textbeiträge interessante Denkanstöße.

Ob man jetzt etwas Unerhörtes oder bereits vage Bekanntes entdeckt – die Texte sind so sachkundig, verständlich und unterhaltsam geschrieben, dass man sie auf jeden Fall gerne liest. Das geht auch gut portionsweise, wann immer man mal ein paar Minuten Zeit hat. TIERISCHE JOBS ist das ideale Buch für Pendler*innen! J

Man liest, schmunzelt über so manche skurrile Situation, wundert sich, ist oft über die Grausamkeit der Menschen entsetzt. Und wir staunen Seite für Seite über die vielfältigen Wunder der Natur und darüber, wie die Tiere uns mit ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten helfen, unseren Alltag besser zu meistern. Nur danken wir es ihnen meist schlecht.

Der Autor

Dr. Mario Ludwig lebt als Biologe und Naturbuchautor in Karlsruhe und hat bislang mehr als 20 Bücher veröffentlicht, die schon in fünf Sprachen übersetzt wurden. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde Mario Ludwig durch seine zahlreichen Auftritte in Talkshows und anderen Fernsehsendungen. Wöchentlich stellt er in seiner eigenen Sendung Das Tiergespräch bei Deutschlandfunk Nova und in seiner ebenfalls wöchentlichen Sendung Tiere bei Radio Bremen neue und außergewöhnliche Erkenntnisse aus der Wissenschaft vor. Er schreibt außerdem für viele Zeitschriften und Zeitungen.

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
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