Rega Kerner: Die Maskenpflicht des Weihnachtsmannes. Adventskalender für den Lockdown?

Rega Kerner: Die Maskenpflicht des Weihnachtsmannes. Adventskalender für den Lockdown?, Norderstedt 2020, BoD Books on Demand, ISBN 978-3-75267224-4, Softcover, 107 Seiten, Format: 12,7 x 0,69 x 20,29 cm, Buch: EUR 7,90, Kindle: EUR 1,99.

Abb.: (c) R. Kerner / BoD

Er rief fast hämisch in die Runde: „Glaubt ihr eigentlich wirklich, wir himmlischen Gestalten könnten uns anstecken? Oder gar andere infizieren?“
Mit einem mächtigen Flügelrauschen stand Gabriel direkt neben ihm und sagte streng von oben herab: „Wir haben auch einen pädagogischen Auftrag. Das solltest du doch am besten wissen.“
„Ach ja? (…) [Es] hört auch keiner auf die (…) Warnungen unserer Umwelt-Engel“, widersprach der Weihnachtsmann trotzig.
„Whataboutism“, nuschelte Gabriel.
 (Seite 22/23)

Das ist das aktuellste Weihnachtsbuch, das mir bislang vor die Füße gelaufen ist: Es spielt in diesem Jahr – 2020! Weihnachten zu Zeiten von Corona. Ein Zeitdokument, wenn man so will. 

Aber das Buch ist nicht düster, es schürt auch keine Ängste. Die Heldin, die allein erziehende Maria, und ihre neunjährige Tochter Tomke sind zum Glück nicht gesundheitlich betroffen, sondern haben nur mit den Pandemie-Begleiterscheinungen zu kämpfen, die wir alle kennen: Maske, Lockdown, erschreckende Nachrichten, Kontaktverbote zu älteren Verwandten, Homeschooling – und ein aufgewecktes Kind daheim, das sich irgendwann entsetzlich langweilt.

Eigentlich fängt die Geschichte ja schon im Frühjahr an. Mutter und Tochter leiden darunter, aus Infektionsschutzgründen praktisch in der Wohnung eingesperrt zu sein. Tomke findet, sie würde das alles viel leichter ertragen, wenn sie wüsste, wie lange es noch dauert. Ihre Mutter könne ihr doch einen Lockdown-Kalender basteln, ähnlich dem Adventskalender, den sie jeden Winter aufs Neue mit kleinen Geschenken befüllt.

Wie baut man einen Lockdown-Kalender?

Im Prinzip eine kluge Idee, aber wie konzipiert man einen solchen Kalender, wenn man den Endpunkt der Wartezeit gar nicht kennt? Es müsste ein Endlos-Adventskalender werden, dem man immer wieder neue Päckchen hinzufügen kann. Das ist dann zwar kein richtiger Countdown, aber es versüßt die Wartezeit zumindest jeden Tag mit einem kleinen Präsent.

Maria recherchiert im Internet und stößt dabei auf allerhand interessante Informationen über die Geschichte des Adventskalenders. Ihr Problem löst das aber nicht. Auch in einschlägigen Internetforen wird sie nicht schlauer. (Das wird man dort eher selten.) In einem Anfall von Verzweiflung fragt sie online sogar den angeblichen Weihnachtsmann um Rat. Doch der hat in der warmen Jahreszeit dienstfrei und schaut sich seine Nachrichten gar nicht an.

Woher sollte Maria auch wissen, dass sie den echten Weihnachtsmann kontaktiert hat? Und der hat gerade das gleiche Problem wie sie: Corona bremst seine Pläne aus. Das kommt jetzt überraschend, was?

Weihnachten ist in Gefahr!

Hat sich schon mal jemand  Gedanken darüber gemacht, woher der Weihnachtsmann all die Geschenke hat, die er zum Fest verteilt? Nein? Das habe ich mir gedacht! Die muss er natürlich kaufen! Und zu diesem Zweck hat er einen Nebenjob auf dem Bremer Weihnachtsmarkt. Aber wenn jetzt die Märkte wegen Corona alle ausfallen, brechen ihm die Einkünfte weg, Kein Geld, keine Geschenke, kein Weihnachten. Und dann?

Man könnte meinen, dass er einen guten Draht zu Gott dem Herrn und Christkind hat und dass die beiden vielleicht etwas gegen die Misere unternehmen würden. Von wegen! Im Himmel geht’s vielleicht zu, ich kann’s euch sagen! Da wird genauso getrödelt, gezickt und gestritten wie auf Erden. Wenn der Weihnachtsmann eine Lösung für sein Problem braucht, wird sie schon selbst finden müssen – genau wie Tomkes Mutter Maria.

MNS für Engel und Weihnachtsmann?

Maskendiskussionen verlaufen im Himmel übrigens ganz ähnlich wir bei uns hier unten. Gut, Querdenker gibt’s da oben anscheinend nicht, aber es steht die Frage im Raum, ob himmlische Wesen überhaupt anfällig sind für das Virus. Wenn nicht, bräuchten sie gar keinen Mund-Nasen-Schutz, wenn sie sich zu Weihnachten zu den Menschen begeben. Oder? 

Der Weihnachtsmann wäre ja gewillt, mit gutem Beispiel voranzugehen und mit Mundschutz zu arbeiten, aber er findet einfach kein Maskenmodell das mit seinem Rauschebart kompatibel ist. Er wird doch nicht glattrasiert die Geschenke verteilen müssen? Da erkennt ihn ja keiner!

Die Frage nach der Maske erübrigt sich allerdings, wenn er die Finanzierung der Geschenke nicht geregelt kriegt. Dann fällt Weihnachten aus.

Der himmlische und der irdische Handlungsstrang (Weihnachtsmann und Maria) laufen parallel, bis sich die beiden Hauptfiguren schlussendlich begegnen. Werden sie ihre Probleme lösen können? Am Ende gar gemeinsam? Auf göttliche Hilfe brauchen sie nicht zu warten, aber das haben wir uns angesichts der Zustände im Himmel schon gedacht.

Hoffnung und Humor behalten!

Für traditionell religiös eingestellte Mitmenschen ist das Büchlein sicher nicht die richtige Lektüre. Aber der pragmatische Skeptiker (m/w/d) wird sich amüsieren. Corona ist kein Spaß, klar. Aber wenn wir zu allem Übel auch noch die Hoffnung und den Humor verlieren, dann ist alles aus.

An herkömmliche Weihnachtsgeschichten gewöhnt, hatte ich so halb und halb mit einem spektakulären „alles-wird-gut“-Schluss gerechnet. Aber so funktioniert das Leben nicht und Rega Kerners Geschichten auch nicht. Wir kommen auf die Welt, müssen uns fortan durchwursteln und möglichst unverzagt das Beste aus dem machen, was uns zur Verfügung steht. Und das gelingt den Figuren in diesem Büchlein ziemlich gut.

DIE MASKENPFLICHT DES WEIHNACHTSMANNES ist Teil einer der Reihe MAGISCHE ELTERNREALITÄT. Es gibt also noch weitere Geschichten über Maria und Tomke. www.medienschiff.de/magisch/

Die Autorin

Rega Kerner, Jahrgang 1970, aufgewachsen als norddeutsche Seemannstochter, war schon in vielen Bereichen tätig: bei Film & Fernsehen, Theater & Musical, Jugendarbeit, kulturelle Projektorganisation, Multimediaprogrammierung & Webdesign, wobei das Schreiben stets das tragende Element war. Für die Medien an den Rhein gezogen, fand sie als ‚Kölner Fährfrau‘ zurück zum Wasser. Es folgte Fahrgastschifffahrt im Koblenzer Raum, danach war sie rund zehn Jahre Steuermann sowie Kapitänsfrau auf einem Motortankschiff. Hinzu kam in jener Zeit ein Wohnboot als Meldeadresse. Der Mann samt Tanker ist weg, das Boot mit Schulkind ist geblieben. Jetzt ist sie wieder im Norden ansässig und lebt vom Schreiben. www.medienschiff.de

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

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