Ina Coelen, Ulrike Renk: Tödliches Dinner. Niederrheinischer Kriminalroman.

Stammgäste und andere Betrüger

Ina Coelen, Ulrike Renk: Tödliches Dinner. Niederrheinischer Kriminalroman. Mit neuen todsicheren Rezepten, Krefeld 2007, LEPORELLO-Verlag, ISBN: 978-3-936783-23-0, Taschenbuch, 214 Seiten, Format: 19 x 11,5 x 1,8 cm, EUR 9,’“

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Nach dem Tod ihres Mannes hat Katharina ’žKatta’œ Lintfort ihr Leben notgedrungen gründlich umgekrempelt: Sie hat ihr Haus in Kempen vermietet und ist mit ihrer Tochter nach Krefeld in eine kleinere Wohnung gezogen. Und sie hat sich mit einem Bistro im Großmarkt sowie mit einem Buffett- und Partyservice selbständig gemacht.

Als sie unter den Gästen im Bistro zwei Herren von der Polizei entdeckt, ist Katta alles andere als begeistert. Sicher sind die beiden nicht nur wegen des guten Essens hier oder wegen der köstlichen Kaffeespezialitäten von Barmann Jan. Dienstlich hat Katta die Kommissare noch in denkbar schlechter Erinnerung. Sie waren es, die nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes ermittelt hatten. Und das nicht immer mit dem nötigen Feingefühl.

Als ob Katta nicht schon genug Ärger hätte, auch ohne dass die Polizei noch welchen ins Haus trägt! Die Miete für das Haus in Kempen ist schon mehrere Monate überfällig. Und die Kasse im Bistro stimmt auch nie, weil andauernd Bargeld verschwindet. Dabei arbeiten nur alte Freunde und Familienangehörige im Bistro mit. Und auch die neue Köchin macht einen so vertrauenswürdigen Eindruck, dass Katta ihr einen Diebstahl eigentlich nicht zutraut.

Was die Polizei zu erzählen hat, ist in der Tat wenig erfreulich: In jüngster Zeit ist es wiederholt zu Einbruchdiebstählen gekommen ’“ und zwar in genau den Häusern und Wohnungen, zu denen Katta und ihre Leute den Schlüssel hatten, weil sie dort wegen eines Catering-Auftrags ein- und ausgingen.

Ist also doch ein Dieb im Bistro-Team?

Es hilft alles nichts: Freundin Claudia muss wieder ermitteln. Und dabei hat sie derzeit genügend eigene Probleme: Ihr Ehemann Michael benimmt sich ausgesprochen merkwürdig und abweisend. Und ihr regulärer Arbeitgeber, für den sie in Teilzeit die Buchhaltung erledigt, trägt sich mit dem Gedanken, die Firma altershalber aufzugeben. Damit wäre Claudias ’žBrot- und Butterjob’œ weg. Von ihrer Nebentätigkeit als Privatdetektivin kann sie nicht leben.

Doch private Schwierigkeiten müssen erst einmal warten. Wenn Freunde in Not sind, lässt Claudia sich nicht lange bitten. Wo sie bei ihren Ermittlungen ansetzen wird, ist klar: Zunächst bei der Familie Inderfurth. Herr Inderfurth hat den Einbrecher überrascht, erlitt vor Schreck einen Herzanfall und liegt nun im Krankenhaus. Wenn er wieder bei Bewusstsein ist, ist er möglicherweise ein wertvoller Zeuge. Auch dem Fotografen Leo Lindges fühlt Claudia umgehend auf den Zahn. Er erzählt überall voller Stolz, dass man ein paar seiner Arbeiten gestohlen hat. Claudia hat da so ihre Zweifel. Vielleicht hat ja in seinem Fall das Verschwinden der Kunstgegenstände ganz andere Gründe …?

Und auch der persönliche Hintergrund von Kattas Angestellter, der Köchin Annette, muss durchleuchtet werden. Sie selbst macht einen rechtschaffenen Eindruck, doch hat sie einen Hang zu gewalttätigen und reichlich dubiosen Männern.

Auf einmal geht es um mehr als um ein paar gestohlene Kunstgegenstände: Herr Inderfurth stirbt im Krankenhaus ohne das Bewusstsein noch einmal wiedererlangt zu haben. Und ohne dass er Katta durch seine Zeugenaussage entlasten konnte.

Und um die Katastrophe perfekt zu machen, eskalieren die ’žFriedensverhandlungen’œ zwischen einer unbeliebten Lateinlehrerin und ihrer Schulklasse, die in Kattas Bistro stattgefunden haben, auf ungeahnte Weise. Jemand bleibt dabei, im wahrsten Sinne des Wortes, auf der Strecke.

Was weiß die ’žRentnergang’œ darüber, drei ältere Stammgäste des Bistros, die offenbar nicht ganz so brav und bieder sind, wie sie auf den ersten Blick zu sein scheinen? Auf wessen Konto gehen die Einbrüche und der Tod des Herrn Inderfurth? Und, last not least, wohin verschwindet immer das Bargeld aus Kattas Bistro?

Wird es Privatdetektivin Claudia gelingen, die wahren Hintergründe der Machenschaften aufzudecken und ihre Freundin zu entlasten?

’žTödliches Dinner’œ ist ein ernsthafter Kriminalroman, der seine komischen Momente hat. Wenn zum Beispiel Katta der untalentierten Claudia das Kochen beibringen will … wenn ein sensationslüsterner Bekannter der beiden Heldinnen meint, eine Wasserleiche entdeckt zu haben … oder als das Saubermann-Image der ’žRentnergang’œ so langsam zu bröckeln beginnt.

Ein paar nette Insider-Gags gibt es auch. Claudia liest den neuesten der Krefeld-Krimis, die im realen Leben Ulrike Renk schreibt und Ina Coelen verlegt. Und es tauchen zwei rüstige ältere Damen im Bistro auf, die man aus den Kurzgeschichten von Ulrike Renk kennt.

Wie schon im ersten Band der Reihe, KILLER, KÜCHE, KNAST, wechseln sich die Autorinnen auch hier kapitelweise mit dem Schreiben ab: Ina Coelen schildert die Ereignisse aus Sicht der begnadeten Köchin Katta, Ulrike Renk sieht das ganze aus dem Blickwinkel der Detektivin Claudia. Ein Kunstgriff, der jeder Heldin eine eigene Perspektive, eine eigene Sprache und eine eigene Persönlichkeit gibt.

Eine winzige Kleinigkeit macht sich bei diesem gelungenen Kriminalroman störend bemerkbar: Die Namen der Nebenfiguren. Dass aus einer Walburga durch Eheschließung auf einmal eine ’žGeyer-Walli’œ wird, ist möglich und ein netter Witz am Rande. Auch einen ’žRichard Gier’œ kann man noch akzeptieren. Aber dann sollten die Polizisten nicht auch noch ’žGreifzu’œ und ’žBaldower’œ heißen und der Antiquitätenhändler nicht ausgerechnet ’žRamschrath’œ. Das zieht die Geschichte ein bisschen ins Lächerliche, und das muss ja nicht sein, denn die Mischung zwischen Spannung und Humor stimmt. Das Buch braucht keine Namenskalauer.

Wer übrigens so gekonnt wie Katta den Kochlöffel schwingen will: Im Anhang des Buchs gibt es eine Reihe ’žtodsicherer’œ Rezepte prominenter Köche vom Niederrhein. Und keine Angst vorm Nachkochen: Vergiftet wird in dem Krimi keiner …

Spannende Unterhaltung ’“ und guten Appetit!

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