Fünf-Uhr-Tee

Anders als bei den Briten, die den 5-Uhr-Tee am Nachmittag zelebrieren, findet diese Veranstaltung bei uns in aller Herrgottsfrühe statt: Frühstück. Doping für den Tag. Und zelebriert wird da nix. Die Tee-Zubereitung muss vor allem unkompliziert und schnell gehen, am besten von selbst. Zum Herumtüddeln und Dabeistehen habe ich um fünf Uhr morgens keine Zeit.

Aus diesem Grund hatten wir die letzten 20 Jahre immer Teemaschinen, zeitweise sogar mit Zeitschaltuhr. Diese Geräte wurden am Vorabend mit allem Notwendigen ’žbetankt’œ. Am nächsten Morgen musste ich dann nur noch ein Knöpfchen drücken und es gab Tee. Teekenner und ’“puristen werden sich jetzt natürlich voller Grausen schütteln. Aber morgens um fünf sind wir geschmackstechnisch noch nicht so rasend anspruchsvoll und kritisch.

DustyTeemaschine

Vor 20 Jahren: Unsere Katze Dusty, damals noch klein, war ganz fasziniert von dieser Teemaschine.

Im Lauf der Zeit hatten wir diverse Modelle verschiedener Hersteller. Als die letzte ’žKrups Teatime’œ das Zeitliche segnete und wir erfuhren, dass die Firma keine Teemaschinen mehr herstellt, haben wir das Gerät durch ein Modell der Firma Cloer ersetzt. Diese Entscheidung fiel uns leicht, weil das weit und breit das einzige Angebot war, sieht man einmal von Wasserkochern ab. Und Wasserkocher kommen nicht in Frage, siehe oben: Zum Herumtüddeln hab ich morgens keine Zeit.

Nach einem dreiviertel Jahr war die Cloer-Maschine hinüber: inkontinent. Goss man Wasser in den Tank, wurde es nicht mehr erhitzt, sondern lief gleich kalt und ohne einen Zwischenstopp im Teebehälter einzulegen hinunter in die Servierkanne. Das kannste natürlich vergessen.

Kein Problem, sagten wir uns, das fällt ja noch unter die gesetzliche Gewährleistung. Wir tragen das Viech einfach wieder zurück zum Händler und bekommen dafür ein Austauschgerät. Der Händler machte auch überhaupt keine Zicken. Aber: ’žTeemaschinen führen wir derzeit nicht.’œ Stattdessen bekamen wir unser Geld wieder.

Okay, dachte ich, besorgen wir uns das Ersatzgerät eben anderswo. Mein Teehändler hatte es bislang immer im Programm und übers Internet würde man sicher auch den einen oder anderen Anbieter finden.

Ja, Pustekuchen! Die Teemaschinen waren wie vom Markt gefegt. Das kam mir dann doch ein wenig sonderbar vor, und ich schrieb den Hersteller an. Und wie ich befürchtet hatte: Das Ding gibt’™s nimmer. Aus Qualitätsgründen vom Markt genommen. Man teilte mir mit, an einem Nachfolgemodell werde derzeit gearbeitet, und es werde voraussichtlich Ende des Jahres auf den Markt kommen.

Aha.

Jetzt hab ich also wieder meinen alten BOSCH-Wasserkocher herausgekramt, den Teefilter samt den dazugehörigen Filtertütchen und eine olle Glaskanne, die aus den Restbeständen des Kataloggeschäfts meines Arbeitgebers stammt. Auch wenn ich auf das Gefummel und Getüddel morgens überhaupt keinen Bock habe.

Teekochen

Herumtüddeln mit Wasserkocher und Filterpapier

Kaffee am Morgen ist keine Alternative, den verträgt meine bessere Hälfte nicht. Und den Tee abends zuzubereiten und in der Isolierkanne warm zu halten, wie meine Cousine das macht, ist eine Notlösung, die mir nicht schmeckt. Also wirtschaften wir eben einstweilen mit dem Kocher herum und hoffen, dass den Cloers etwas Schlaues einfällt und im Winter ein praktisches und bezahlbares Teemaschinen-Modell auf den Markt kommt, das gern auch etwas länger halten darf als das letzte Exemplar …

Und wenn nicht? Dann muss ich wohl doch meine Scheu vor bürokratischem Trallala überwinden und mein Einkaufsglück in UK versuchen. Da müsste es doch einen Markt für Teemaschinen geben, oder? In Deutschland scheinen die Tee-Fans der 70-er und 80-er Jahre entweder alle zu Kaffeetrinkern konvertiert oder zu Tee-Puristen mutiert zu sein, die einen Teeautomaten nicht mit der Feuerzange anfassen würden. Oder sie sind einfach ausgestorben. Einen Markt für Teemaschinen gibt’™s hierzulande jedenfalls nicht mehr.

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