Heinz Grundel: Der Struwwelköter

Heinz Grundel: Der Struwwelköter, Lustige Geschichten und drollige Bilder für Hunde von 1 bis 12 Jahren, Nerdlen/Daun 2008, Kynos-Verlag, ISBN: 978-3938071588, Hardcover, 32 Seiten, Großformat 30 x 21,4 x 1 cm, durchgehend farbig illustriert, EUR 9,90.

Seht einmal, das ist er
Hundehaufen frisst er.
Seine Krallen fast ein Jahr.
Bürsten lässt er nicht sein Haar.
Will nicht brav spazierengehn,
Pinkelt immer nur im Stehen.
Pfui! ruft da ein jeder:
Garst’™ger Struwwelköter!

So steht’™s auf dem Buchcover. Und natürlich besteht kein Zweifel daran, wovon sich der Autor zu diesem Buch inspirieren ließ: vom Bilderbuchklassiker ’žDer Struwwelpeter’œ. So blutig und dramatisch wie in Dr. Heinrich Hoffmanns Werk von 1871 geht es bei Heinz Grundel zum Glück nicht zu. Hier werden keine bösen Friedriche gebissen, keine Paulinen verbrannt und auch keine Daumen abgeschnitten. Es geht auch nicht um unfolgsame Kinder sondern um ganz alltägliche Dinge, die den Hund von heute umtreiben.

Bello, eine Art vierbeiniger Suppenkasper, will kein Dosenfutter fressen. Er bevorzugt Fisch, auch wenn dieser müffelt.
’žIch fress kein Dosenfutter nicht!
Nein, Dosenfutter fress ich nicht!
Nimm ihn weg, den Kübel,
denn davon wird mir übel!’œ

Die junge Hundedame Trixi soll, wie seinerzeit Struwwelpeters Paulinchen, brav alleine zu Hause bleiben. Macht sie natürlich nicht und geht heimlich aus. Die Folgen sind zwar nicht fatal, aber lehrreich …

Hündin Tara hat nur ein Hobby: Fressen. Was natürlich Auswirkungen hat. Rex und Atze kriegen sich in die Hundehaare. Ed und Luzie überfallen den Osterhasen und geraten in Streit über die Beute. Und wie das so ist: Wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte … So ähnlich ergeht es auch Fips und Prinz, nachdem sie der Hündin Wally den Knochen geklaut haben.

Anders als der fliegende Robert mit seinem Regenschirm hebt der fliegende Waldi ab: mit einem Ballon. Und was er auf dem Weg nach oben nicht alles erlebt!

Der Rüde Harro bettet sich auf dem Familiensofa zur Ruhe, was von seinen Menschen gar nicht gerne gesehen wird. Sie verjagen ihn. Doch Harro ist ja nicht blöd …! Schäferhund Bingo ist überfordert: Statt schlafen zu gehen, wollen die Schafe lieber Party machen. Er sucht Rat bei seinem Kumpel Wuffi, der die Sache beherzt in die Hand nimmt.

Hündin Jule wird auf dem Weg zur Hundeschule vom Rüpel-Rüden Louis von der Seite angequatscht, zieht sich aber elegant aus der Affäre. Neros Nachtwache nimmt dank zweier Gespenster vor dem Fenster einen ungewöhnlichen Verlauf. Und Rüde Nepomuk schmachtet seine Bella mit einem wirklich saukomischen Liebesbrief an.

Auch wenn’™s hier in Reim und Bild witzig und unblutig zugeht und das Buch wie ein Bilderbuch aufgemacht ist: Für kleine Kinder ist es trotzdem nichts. Es ist nämlich teilweise nicht ganz, äh, stubenrein. Wenn man nicht vor versammelter Mannschaft von seinem Nachwuchs gefragt werden will, was denn bitte ein One-Night-Stand sei oder was Nepomuk mit der ’žVermehrungssache’œ meinen könnte, sollte man dieses Buch lieber Mitmenschen in die Hand geben, die bereits aufgeklärt sind. Die wissen diesen herrlichen Unfug dann auch richtig zu schätzen. Der längst erwachsene Bekanntenkreis der Rezensentin hat sich auf jeden Fall köstlich über den Struwwelköter und seine tierischen Kumpels amüsiert.

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