Wer klaut denn da den Müll?

Es ist ein alter Witz zwischen meinem Vater und mir, wenn ich mit dem Auto nach Hause fahre: ’žSperr den Kofferraum zu, bei euch in der Stadt weiß man ja nie …!’œ Und in der Tat wird bei uns deutlich mehr geklaut als bei meinem Vater auf dem Dorf.

Ich kann mich gar nicht erinnern, dass bei uns auf dem Land jemals was weggekommen wäre. Okay, eine meschuggene Person hat mal auf dem Friedhof Blumen von Gräbern entwendet. Und ein ortsbekannter Kleptomane stiehlt gern Handwerkern das Werkzeug aus den Fahrzeugen, wenn sie es für einen Moment aus den Augen lassen. Aber aus Haus und Hof ist uns noch nie etwas abhanden gekommen.

Anders da, wo ich wohne. Zahlreiche Fahrräder sind in den letzten 23 Jahren aus unserem Garten verschwunden, sogar solche, die mit fingerdicken Ketten an einem Geländer fixiert waren. (Ein Rad tauchte nach 18 Monaten beschädigt wieder im Keller unseres Hauses auf. Eine Geschichte, die wir bis heute nicht verstehen.) Und wenn man im Garten arbeitet, tut man gut daran, die Gartengeräte selbst zur Pinkelpause mit ins Haus zu nehmen, sonst sind sie weg.

Es gehen eben sehr viele Personen durch den Garten … Hausbewohner und deren Besucher, Post- und Paketboten, Lieferanten, jede Menge Prospektausträger und sicher auch der eine oder andere Unbefugte. Bei 12 Wohnparteien hat kein Mensch mehr den Überblick, wer hier was zu schaffen hat und wer nicht.

So gesehen hätte ich es wissen müssen …

Wir haben in den letzten Monaten daheim ein bisschen umgebaut und dabei zwei ältere Schränkchen ausrangiert. Bis zu deren Abholung durch das regionale Entsorgungsunternehmen hatten wir sie im Hof unter dem Balkon deponiert.

Kurz vor Weihnachten kam die Terminmittelung des Unternehmens: Am 14. Januar sollte unser Sperrmüll abgeholt werden.
’žPrima’œ, sagte meine bessere Hälfte. ’žAber wo sind die Schränke hingekommen?’œ
’žNa, unter den Balkon, wo du sie hingestellt hast.’œ
’žGenau da sind sie nicht mehr.’œ

Öh …

Ich vermutete, dass jemand im Haus sich daran gestört hatte, dass die ollen Möbel über Weihnachten unterm Balkon herumstehen würden. Vielleicht hatte derjenige sie in den Keller gebracht? Wir gingen nachsehen, aber sie waren nirgends zu entdecken.

Wenn jemand weiß, was sich bei uns im Haus tut, ist das meine Tante. Sie wohnt nebenan und kommt aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr oft aus dem Haus. Ihr war das Verschwinden der Möbel zwar aufgefallen, aber sie hatte angenommen, das Entsorgungsunternehmen habe sie abgeholt.

Ist ja schön, dass jemand die Schränkchen ’“ oder auch nur das Holz ’“ gebrauchen konnte. Aber wie erklärt man das dem Entsorgungsunternehmen?

Die reagierten überraschend cool, als ich telefonisch um Stornierung des Abholtermins bat, weil man uns den Müll bereits geklaut hat. Vermutlich hören sie solche bescheuerten Geschichten öfter.

Es würde mich doch interessieren, wie das ganze vor sich gegangen ist. Ich vermute, dass irgendein befugter oder unbefugter Besucher die Möbelstücke gesehen hat und daraufhin nächtens mit Hilfstruppen und einem geräumigen Fahrzeug wiederkam, um sie abzutransportieren.

Seine Beute sei ihm gegönnt. Aber es ist auch klar, was ich mir seither von der Familie anhören muss: ’žBei euch in der Stadt stehlen sie sogar den Müll!’œ

Eigentlich praktisch. Beim nächsten Mal stellen wir unser olles Gerümpel einfach unter den Balkon warten erst mal ein bis zwei Wochen ab, ehe wir das Entsorgungsunternehmen um einen Abholtermin bitten. Vielleicht erledigt sich der Entsorgungsfall ja ganz von alleine …

Foto: © siepmannH / http://www.pixelio.de

2 Kommentare

  1. I war’s net! Aber i hätt’s sei kenna!

    Das sah doch alles noch gut aus… des schmeißet Ihr weg?
    Meine größte Trauer ist, dass es keinen richtigen Sperrmüll mehr gibt. Das war soooo schön… zum Glück hab ich die Bude voll!

  2. Ich hab auch vor einiger Zeit bei Nacht und Nebel einen kitschigen goldlackierten Bilderrahmen aus dem nachbarlichen Sperrmüll gefischt. Steht seitdem im Keller, aber ich hab’s einfach nicht über mich gebracht, ihn der Müllpresse zu überlassen.

    Unsere Schränkle waren Marke Eigenbau und schon reichlich wackelig. Hat mein Vater vor fast 25 Jahren mal als eilige Notlösung zusammengenagelt. Und Provisorien sind bei uns bekanntlich ungeheuer dauerhaft.

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