Claus Beese: Piraten, Gouda und Genever

Claus Beese: Piraten, Gouda und Genever, Goldebek 2012, Mohland Verlag D. Peters Nachf., ISBN 978-3-86675-148-4, Softcover, 199 Seiten, mit schwarz-weiß-Illustrationen von Cornelia Ott, Format: 20,2 x 14,4 x 1,4 cm, EUR 11,–.

„Mir reicht es. Und wenn nächstes Jahr wieder einer nach Holland fahren will, den schicke ich über die Planke, ersäufe und vierteile ihn und hänge den Rest in den Masttop!“ (Seite 169)
Soooo schlimm? Es war doch nur ein dreiwöchiger Urlaub in den Niederlanden! Doch Claudia, die Teenie-Tochter von Skipper Claus, sieht die Sache so. Ihre Eltern und deren Freunde bewerten die Ereignisse wiederum ganz anders: „Es war ein großartiger Törn, Leute. Ich danke euch“, schwärmt Kuddel, der Skipper der GODEWIND (Seite 187). Was war denn da los?

Fangen wir ganz vorne an: Spontan verabreden sich die Freizeitskipper Kuddel und Gerti von der Motoryacht GODEWIND mit Claus, Doris und deren Tochter Claudia von der DODI zu einem Pfingstausflug weseraufwärts nach Verden. Heinz und Elfi (PINGO) und Wolfgang (PUMMEL) schließen sich dem Vorhaben an.

Unterwegs stößt noch Kalli Flint – Hobbykoch und Piraten-Nachfahr– mit Gattin Gina und der Yacht LUIGI zu der Clique. Sein Auftritt ist immer ein Garant für Katastrophen und gute Verpflegung. Vom Kochen versteht er nämlich ungleich mehr als vom Bootfahren.

Die Freunde haben viel Spaß bei ihrem gemeinsamen Törn. Weil sie sich gut und lange kennen, können sie einander wunderbar mit vergangenen Ereignissen und Abenteuern aufziehen. Und natürlich erleben sie auch neue. Doch selbst wenn sie in sintflutartiges Unwetter geraten und in einer halsbrecherischen Aktion die Utensilien ihrer Grillparty an Bord schaffen müssen, geschieht ihnen nichts. Denn immer wenn es brenzlig wird, taucht ein alter Mann mit Pfeife auf, der ihnen aus der Patsche hilft. Sagt Claus. Die anderen tun das als Seemannsgarn ab, bis sie den alten Mann mit eigenen Augen sehen …

Dieser Pfingstausflug ist ein so durchschlagender Erfolg, dass die Clique beschließt, in den Sommerferien gemeinsam drei Wochen Bootsurlaub in den Niederlanden zu machen. Nur Wolfgang kann nicht mit.

Doch erst einmal hat das Schicksal ein gefährliches Abenteuer für Claus parat: Am Liegeplatz der DODI treibt ein Baum durch den Fluss, und das Boot hat sich darin verfangen. Claus‘ Rettungsmaßnahmen sind waghalsig, und seine Frau ist mit der ihr zugedachten Aufgabe völlig überfordert. Jetzt ist kompetente Hilfe gefragt, sonst wird das nichts mit dem Hollandtörn!

Wenig später gehen tatsächlich die Urlaubsvorbereitungen los. Die Damen kaufen Vorräte wie die Weltmeister. Warum Doris ausgerechnet einen großen Posten Gouda ersteht, wo die Reise doch in dessen Heimat geht, bleibt ein Rätsel. Dass ihnen der Käse schon bald zum Hals heraushängen wird, das ahnen Claus und Co. schon jetzt.

Hätten sie gewusst, wie stressig und aufregend das mit den vielen Schleusen und Brücken ist, hätten sie sich das ganze vielleicht noch einmal überlegt. In der Schleuse zum Haren-Rütenbrock-Kanal verfällt Chaos-Skipper Kalli in Panik. Im Ter-Apel-Kanal geht es fast der DODI an den Kragen: Da bekommt sogar der Leser Angst.

Die Frauen an Bord finden die Fahrt trotzdem toll, denn die Schleusen und Brücken werden von durchtrainierten Studenten bedient. Da gibt’s was zu gucken! – Große Augen machen auch die Anwohner, als Claus einen monströsen Hecht fängt.

Igitt! Wenn solche Monster im Wasser schwimmen, dann gehen sie da nicht mehr rein! Okay, das Schwimmen kann man bleiben lassen. Was man sich jedoch nicht verkneifen kann, ist der Gang zur Toilette. Wenn Örtlichkeiten eher unappetitlich sind, wie zum Beispiel im Yachthafen von Hunzegat, sind die Damen nicht entzückt: Jede Menge Ungeziefer, halbhohe Schwingtüren wie im Wilden Westen und zu wenig Klopapier. Das geht gar nicht!

Als es auch noch zu einem ebenso peinlichen wie schmerzhaften Zwischenfall am Steg kommt, ist das Maß voll. Hier bleiben sie keine Sekunde länger als nötig!

Dass man auf einem Volksfest nicht alles Mögliche und Unmögliche durcheinanderfuttern soll, selbst wenn Vater und dessen Kumpels zahlen, lernt Teenie Claudia schnell. Dass der polterige Piraten-Urenkel Kalli Flint ein Sensibelchen ist, das man durch unbedachte Worte leicht verletzen kann, kapieren die Freunde gefährlich spät. Wenn Kalli beleidigt abrauscht und alleine unterwegs ist, passieren die absurdesten Dinge. In Groningen verpasst er nicht nur das Abendessen, sondern hält sich auf einmal auch für einen Vogel. Bevor er zum „Schdurzfnug“ ansetzen kann, sammeln ihn seine Freunde zum Glück wieder ein. Da wird er seiner Gina einiges zu erklären haben!

Als er in Oostmahorn vergrätzt davonrennt, hat er eine unheimliche Begegnung, die gar nichts Gutes verheißt. Ob auch hier der unheimliche Alte mit der Pfeife seine geisterhaften Finger im Spiel hat? Claudia dagegen freundet sich im Hafen mit dem gleichaltrigen Alex an, und Vater Claus wird nervös. Sein Kumpel Heinz kann ihm glaubhaft versichern: „Du wirst sehen, das alles ist ganz harmlos. Du hast noch viel Zeit, bevor du dir Sorgen machen musst.“ (Seite 143) Trotzdem ist die Kleine untröstlich, als sie weiterfahren, ohne dass sie sich von dem Jungen verabschieden kann und mault: „Wenn ihr mich fragt, ich habe genug von Geistern, Käse, Piraten und Schleusen. Ich will nach Hause!“ (Seite 167). Das sie nie etwas abbekommt, wenn Papas Clique das Leben mit „geistigen Getränken“ feiert, trägt zusätzlich zu ihrer schlechten Laune bei.

Doch noch ist die Reise nicht zu Ende. Ein ausufernder „Manöverschluck“, ein mutmaßlicher Tablettendieb und die leibhaftige Frau Antje warten noch auf ihren Auftritt …

Bei Kennern der Dodi-Bücher klingelt’s schon, wenn nur die Namen von Claus‘ Skipperkumpels genannt werden. ‚Ach, das ist der, der nicht nur ein Steak sondern gleich einen ganzen Steg gegrillt hat! Und die waren das doch mit der Katze auf der Lokustür …‘ Man hat fast das Gefühl, selbst mit alten Bekannten unterwegs zu sein.

Spannend-Unheimliches wechselt sich ab mit witzigen und chaotischen Episoden. Und wenn Vater Claus über das Erwachsenwerden seiner Tochter ins Grübeln kommt, hat die Geschichte auch nachdenkliche Momente. Natürlich kann man hier nur einen Bruchteil dessen anreißen, was in dem Buch wirklich geschieht. Als Leser kann man sich auf jeden Fall auf eine unterhaltsame und abwechslungsreiche „Fahrt“ über Hollands Wasserstraßen freuen, bei der man Gefahr läuft, zu grinsen, zu schmunzeln und hier und da laut loszulachen. Aber genau das erwartet man ja von Claus Beeses Skipper-Abenteuern.

Zum Verständnis dieser heiteren Urlaubserlebnisse ist es nicht erforderlich, die Vorgängerbände zu kennen. Jeder Band ist eigenständig und eine gute Gelegenheit, den Skipper, seine Familie und seine Freunde kennen zu lernen. Es lohnt sich! Auch für Landratten.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

http://www.boxmail.de

3 Kommentare

  1. Wo sind hier die Smilys? Es scheint dir wieder einmal gefallen zu haben, was mich ganz außerordentlich freut. Um es mal nem Holländer tschu saren: „Eine wunnebare Applaus fürrr unsssere sympadische Frrrau Nebel hierrr in unsssere Ssendung „Schede Sekunde einen Hering!“
    🙂 🙂 🙂
    Danke für die Rezi.
    Claus

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.