Bettina Hellwig (Hrsg.): Schwabens schwarze Seele. 25 Krimis, 28 Rezepte

Bettina Hellwig (Hrsg.): Schwabens schwarze Seele. 25 Krimis, 28 Rezepte, Mannheim 2015, Wellhöfer Verlag, ISBN 978-3-95428-175-6, Softcover, 335 Seiten, Format: 12,6 x 3,2 x 19,5 cm, Buch: EUR 12,95, Kindle Edition: EUR 7,99.

Abbildung: (c) Wellhöfer Verlag
Abbildung: (c) Wellhöfer Verlag

Das Image des Schwaben ist ja eher bieder. Er spart, schafft, tüftelt und baut, er ernährt sich von Linsen, Spätzle und auch Maultaschen, trinkt ab und zu ein Viertele, und damit’s ums Haus rum immer schön sauber ist, hat er die Kehrwoche erfunden. Dass er auch eine dunkle Seite hat, weiß man spätestens, seit es in der ARD Stuttgart-Tatorte gibt.

25 Kurzkrimis, die in der Region spielen und 28 schwäbische Kochrezepte hat die Herausgeberin Bettina Hellwig für den vorliegenden Band gesammelt. Falls sich jemand fragen sollte, was das Foto mit dem verbrannten Gebäckstück auf dem Titel darstellen soll: Es zeigt schwäbische „Seelen“ – salziges Hefegebäck. Und eine davon ist, passend zum Titel, schwarz.

26 Autoren, 25 Kurzkrimis, 28 schwäbische Rezepte


26 Autorinnen und Autoren mit mehr oder weniger starkem Bezug zur Region lassen ihre Protagonisten nun kochen und backen, essen und trinken, morden, mobben, stehlen, betrügen und intrigieren. Und das tun sie in Stuttgart und Tübingen, Ulm und Reutlingen, auf Schloss Lichtenstein, in Bad Urach sowie in kleinen Ortschaften auf der Schwäbischen Alb und im Schwarzwald, in Spiegelberg und Schwäbisch Gmünd, in Schretzheim und in Aichelberg. Zu jedem Kriminalfall werden die Rezepte mitgeliefert, die in der Geschichte eine Rolle spielen.

Frau Abele bekocht „ihren“ Einbrecher, ein Fabrikant wird mit einer Schüssel Linsen erschlagen, Oma und Enkel verarbeiten erlebte Kränkungen, indem sie bei Kaffee und Träubleskuchen minutiös einen Amoklauf planen. Aber das sind nur Gedankenspiele – oder?

Dass man im Job nicht „hudla“ ( = schnell und schlampig arbeiten) sollte, diese Erfahrung muss ein Auftragsmörder in Stuttgart machen. Die Tübinger Stammtischler, die sich zusammentun, um eine Einbruchserie aufzuklären, haben sich das Ergebnis ihrer Aktivitäten auch anders vorgestellt. Eine überraschende Wendung nimmt die Geschichte vom Oberkellner, der der Polizei dienstbeflissen und treuherzig von dem Arbeitsessen berichtet, bei dem der Oberbürgermeister den Tod fand. Niedlich ist die Story vom aus Norddeutschland zugezogenen Schulmädchen, das sich gänzlich zu Unrecht von ihrem breit schwäbisch schwätzenden Schulkameraden gemobbt fühlt.

Diebe, Mörder, Saboteure


In Konkurrenzsituationen werden auch im Schwabenland die Weiber zu Hyänen. Beim Backwettbewerb in Schretzheim sabotieren die Konkurrentinnen einander nur. Auf der Schwäbischen Alb geht es deutlich rabiater zu. Herbert (87) hat zumindest den dringenden Verdacht, dass seine Gattin Elfriede (76) ihre Mitbewerberin Inge beim Wettstreit um die besten Maultaschen durch den Fleischwolf gedreht hat …

Wir begegnen kiffenden Witwen, mordenden Hausfrauen, einer ermittelnden Kantinenköchin und einem abgebrühten Privatdetektiv, intriganten Verwandten und anderen schrulligen Gestalten. Die meisten Kurzkrimis werden mit meinem Augenzwinkern erzählt. Ganz anderes der tragische Fall es Amok laufenden Lehrers, der auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahr 1913 beruht. Das ist mit Abstand die finsterste und gruseligste Geschichte dieser Sammlung.

Wie meist, wenn viele Autoren beteiligt sind, gibt’s kleine Qualitätsschwankungen. Nicht alle Beiträge sind gleichermaßen überraschend oder originell. Aber vielleicht fällt das auch in den Bereich „Geschmacksache“. Es sind allerdings eine ganze Reihe von Geschichten dabei, die einen auch noch beschäftigen, nachdem man das Buch ausgelesen hat. Manche Verfasser haben das Ende bewusst offen gelassen und der Leser grübelt nun: „War das jetzt ein Mord oder nicht? Glaubt die Polizei dem Zeugen oder durchschaut sie ihn?“

Die Menschen hinter den Geschichten


Neben einem Inhaltverzeichnis gibt es auch Kurzbiographien der beteiligten Autorinnen und Autoren. Es ist immer interessant zu sehen, welcher Mensch hinter einer Geschichte steht. Wenn man allerdings ein bestimmtes Rezept aus dem Band sucht, muss man blättern oder sich den dazugehörigen Krimi merken. Die Rezepte kann man nicht separat „ansteuern“, sie sind nirgends verzeichnet.

Wer Kurzkrimis und Spezialitäten aus Württemberg mag, wird an diesem Buch seine Freude haben. Aus dieser Reihe gibt’s übrigens auch Krimis und Rezepte aus anderen Regionen des Landes: Hessen, Vogtland, Baden und Franken.

Die Herausgeberin
Bettina Hellwig, Jahrgang 1963, ist promovierte Fachapothekerin für Arzneimittelinformation. Sie lebt und arbeitet in Konstanz und in Stuttgart. Neben medizinischen Fachtexten schreibt sie kriminelle Geschichten. Sie ist Mitglied bei den „Mörderischen Schwestern“ und im „Syndikat“.

Die Autorinnen und Autoren
Dorothea Böhme, Heidi Doll, Gitta Edelmann, Toni Feller, Mareike Fröhlich, Sabrina Hellmann, Bettina Hellwig, Heidemarie Köhler, Anita Konstandin, Susanne Kraft, Petra Naundorf, Tanja Roth, Barbara Saladin, Petra Samani, Regina Schleheck, Ursula Schmid-Spreer, Jutta Schönberg, Christian Sußner, Friederike Stein, Bernd Storz, Michael und Ulrike Wanner, Peter Wark, Gudrun Weitbrecht, Ingrid Werner.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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