Dabei hab ich Glück gehabt …

Zunächst hat gar nicht darauf hingedeutet, dass der gestrige Tag so ein Scheißtag werden würde. Gut: Das E-Mail-Programm im Büro lief nicht richtig, aber sonst war nix. Bis ich mich auf den Heimweg machte.

Auf dem Heimweg: Betriebsstörung


Auf der Anzeigentafel der Stadtbahnhaltestelle schob sich die Abfahrtszeit meiner Bahnlinie immer mehr nach hinten. Das sollte ja nicht sein. Irgendwann kam dann ein Text und die dazu passende, akustisch kaum verständliche Durchsage, dass es eine Betriebsstörung gäbe und ein Schienenersatzverkehr eingerichtet werde. „Wir bitten um Ihr Verständnis.“ Na, toll, dachte ich, hoffentlich doktern die da nicht die halbe Nacht rum. Dann kann ich gleich wieder umkehren.

Nach ca. 20 Minuten kam dann meine Bahn, fuhr bis Heumaden und ich trabte der Hammelherde zur nächst gelegenen Bushaltestelle hinterher. Der erste Bus sei soeben fast leer durchgefahren, hieß es. Dafür war der zweite nun so übervoll, dass gut die Hälfte der Leute im Regen stehen gelassen wurde. Aber es war ein Mitarbeiter von der SSB vor Ort, der den Leuten geduldig und einleuchtend erklärte, was los ist und was zur Abhilfe unternommen wird. Der hat wirklich sehr gute Arbeit geleistet.

Es würden weitere Busse kommen, sagte er, und von der SSB bestellte Taxis, die bis zur Endhaltestelle fahren würden. Die müsse man dann auch nicht extra bezahlen. Natürlich „mogelten“ sich reguläre Taxis dazwischen und der Mann machte uns darauf aufmerksam, dass wir vorher fragen müssten, ob das ein SSB-Taxi sei. Wenn nicht, müssten wir selber zahlen.

Während wir so warteten und weder Bus noch Taxis kamen, wurde die Strecke wieder frei. Wir wurden in eine Bahn dirigiert – und nach ein paar Minuten wieder hinaus. Nein, der richtige Zug, der uns zur Endhaltestelle fahren würde, sei der, der gerade auf dem anderen Gleis einfahre. Okay, alle raus, einmal über den Bahnsteig und in den anderen Zug wieder rein …

Der Rest der Heimfahrt klappte dann reibungslos. Das Krisenmanagement hatte diesmal recht gut funktioniert. Da habe ich schon viel chaotischere Szenen erlebt.

Zwei Stunden auf der Strecke


Vom Büro zu meinem Haus habe ich gestern Abend knappe zwei Stunden gebraucht. Und kam gerade rechtzeitig, um (mutmaßlich zwei) Einbrecher zu verscheuchen. Das wäre mir wahrscheinlich alles erspart geblieben, wenn ich zu einer normalen Zeit zuhause gewesen wäre und, wie immer, im ganzen Haus Festbeleuchtung gehabt hätte.

Als ich draußen vor der Tür das Licht anmachte und die Haustür aufschloss, hörte ich im Treppenhaus lautes Gerumpel und Getrampel. Ich wunderte mich noch, was meine drei Katern auf einmal für einen Mordskrawall machen. Doch als ich reinkam, war von denen nichts zu sehen. Stattdessen roch es im Haus ganz komisch nach nassem Rasen. Hatte ich am Morgen im Wohnzimmer die Schiebetür zum Balkon offengelassen? Hätte mich gewundert. Das ist so ein Ritual, dass ich, bevor ich gehe meine Tiere durchzähle, die Balkontür schließe und zu den Katern sage: „Brav sein, nicht streiten – und nirgends hinpieseln!“

Wieso steht die Balkontür wagenweit offen?


Ich ging ins Wohnzimmer, und tatsächlich stand die Tür offen. Aber nicht nur eine Katzenbreite, sondern anderthalb Meter. Das Katzennetz lag halb heruntergerissen auf dem Boden des Balkons. Von den Katzen noch immer keine Spur. Hatten sie so randaliert und waren dann abgehauen? Jetzt wurde ich doch panisch.

Doch erst, als ich die Küche kam, kapierte ich, was wirklich geschehen war: Ein Einbruch!

Das Küchenfenster war ausgehängt und lehnte an der Wand über dem Spültisch. Alles, was sich auf dem Fensterbrett befunden hatte, lag nun im Spülbecken.

Die Balkontür war aufgehebelt worden und das Glas eingeschlagen.

 

 

Da war das Trampelgeräusch wohl von den Einbrechern gewesen, die sich über den Balkon davon gemacht hatten, als ich zur Tür reinkam. Dabei müssen sie bei meinem Cousin durch den Garten gerannt sein, sonst wäre ich ihnen ja begegnet.

Ich wuselte durchs ganze Haus. Was fehlte? Was hatten sie geklaut?

Einbrecher stehen nicht auf Modeschmuck


Sämtliches Technikgedöns war noch da. Das ist ja auch alles alt, sperrig und nicht mehr viel Wert. Im Schlafzimmer und im Ankleidezimmer standen sämtliche Schubladen und Schranktüren offen. In meiner Wäsche hatte jemand gewühlt. Meine Unterröcke lagen auf dem Boden. Die Schatulle mit meinem Modeschmuck war geöffnet und ein paar Armbänder lagen auf dem Schuhschrank. Dieser Schmuck ist so offensichtlich aus Blech und Glas, dass sie nichts davon mitgenommen haben.

Die Fotos sind nicht so dolle, aber sie sind halt auch in einer Ausnahmesituation entstanden. „Authentisch“ nennt man das heute.

Im Büro war eine Porzellandose geöffnet und der Inhalt auf den Teppich geleert worden. Sie enthielt aber kein Geld, sondern nur ein bisschen Deko-Gedöns.

Nach Geld hätten sie suchen können, bis der Messias kommt. Ich bin kein großer Fan von Barem. Ich hab immer nur ein paar Kröten im Geldbeutel um Lebensmittel kaufen zu können. Sonst erledige ich alles unbar. Geld zu Hause aufzubewahren käme mir nie in den Sinn.

Wo sind meine Katzen?


Zwei meiner Katzen habe ich im Dachgeschoss vorgefunden. Cooniebert und der BRK hatten sich hinter die Bücherkartons im Flur gerettet. Und Indie entdeckte ich einige Zeit später oben auf dem Wohnzimmerschrank, wo er sich hinter einen Katzenkorb duckte. Ich glaube, er hat sich erst um Mitternacht wieder heruntergetraut. Das Abendessen hat Cooniebert gestern ganz allein verspeist.

Auf dem Schrank: sicher vor bösen Leuten.

Ich habe dann die 110 gerufen. Nein, nicht 911, wie Gerhard aufgrund meiner fortgeschrittenen Amerikanisierung immer vermutet hatte. Es kamen 6 Mann. Oder noch mehr? Es war ein Kommen und Gehen: Streife, Polizisten mit Hund und die Spurensicherung, die mehrere Koffer mit höchst interessanten Gerätschaften dabei hatten. Diese Lampe, hach!

Vom Küchenfenster haben sie tatsächlich Fingerabdrücke abgenommen, die aber höchstwahrscheinlich einem Mitarbeiter der Reinigungsfirma gehören, die die Fenster geputzt hat. Die zwei freundlichen Herren von der Spurensicherung haben mir das Küchenfenster dann auch wieder eingehängt und die Balkontür provisorisch verschlossen. Mein Cousin war an dem Abend nicht zu Hause, und ich allein bin mit sowas kolossal überfordert. Und wo kriegst du abends um 10 noch Hilfe her?

Spektakel mit Spürhund und Spusi


Die ganze Show dauerte bis kurz vor 22 Uhr. Gratis-Kino für die Nachbarn. Ein Herr von der anderen Straßenseite (für die Insider: der mit den Laufenten), hatte an dem Abend in einem der vorderen Zimmer seines Hauses Renovierungsarbeiten durchgeführt und kam dann irgendwann vorbei, um seine Hilfe anzubieten. Er hat eine Überwachungskamera auf seinem Grundstück. Was die aufgezeichnet hat, hat sich einer der Polizeibeamten angesehen. Aber man sieht von den Leuten auf dem Gehweg mehr oder weniger nur die Beine. War also leider nicht sehr erhellend.

Wenn mich der ganze Zirkus nicht betroffen hätte, hätte ich das Spektakel überaus aufregend gefunden. Aber so …! Ich lese gerne Krimis, doch einen zu erleben ist jetzt nicht so der Brüller. Auch wenn ich Glück gehabt habe, niemand zu Schaden kam und nicht gestohlen wurde: Den Sachschaden, die Rennerei und den Versicherungsknatsch hab ich ja doch an der Backe.

So wie’s ausschaut, werde ich auf dem Schaden sitzen bleiben. Ich habe zwei Versicherungen und jede sagt, die andere sei zuständig. Eigentlich sollte man den ganzen Krempel kündigen. Im Ernstfall zicken sie ja doch nur rum und hoffen, den Kunden so zu zermürben, dass er irgendwann aufgibt. Oder stirbt.

Ein Sicherheitskonzept muss her


Ich lasse mich jetzt von der Polizei in Sachen Sicherheit beraten und die notwendigen Einbauten vornehmen. Das hatte ich ohnehin vorgehabt, nur nicht gerade jetzt. Aber gut.

So, wie die Einbrecher bei mir gehaust haben, müsste man den Lärm eigentlich bis kurz hinter Haifa gehört haben. Die Scherben lagen überall verstreut, sogar auf dem Nachbargrundstück. Ich habe mich gewundert, dass die Nachbarn nichts gehört haben, aber die Polizisten haben mir versichert, dass das normal sei. Wenn ich es mir recht überlege, habe ich in der alten Wohnung auch mal überhört, dass meine Tante nebenan mit dem Notarztwagen abgeholt wurde. Das „Tatütata“ habe ich dem Fernsehkrimi zugeschlagen und das Remmidemmi im Hausflur einfach ignoriert. Remmidemmi ist bei sechs Parteien im Haus ja immer.

Heute habe ich mir frei genommen. Ich musste mich ja um Schadensbeseitigung kümmern. Das läuft jetzt alles soweit. Jeder weiß, was er zu tun hat und wird’s hoffentlich auch zeitnah erledigen.

Dass die Polizei die Einbrecher fasst, erwarte ich gar nicht. Ich glaub, die Chancen streben da stramm gegen Null. Ich hoffe nur, dass ich sowas nicht noch einmal erleben muss.

Das Katzennetz hab ich schon wieder aufgehängt

7 Kommentare

  1. Oh mein Gott, das ist ein Albtraum, auch wenn nichts Wertvolles wegkommt. Wenn ich mir vorstelle, fremde Leute, die ich nicht reingebeten habe, grabbeln in meiner Unterwäsche und auch sonst überall im Haus herum … Albtraum!! Eine Alarmanlage wäre vielleicht eine sinnvolle Anschaffung … aber die Polizei wird dich da sicher entsprechend beraten. Ich hoffe für dich, deine Versicherungen einigen sich bald, wer nun für den Schaden zuständig ist, immerhin muss ja einiges wieder repariert werden.

    1. Ja, in der Tat scheint mir eine der Versicherungen zugänglich zu sein. Sie räumt zumindest ein, dass Gebäudebeschädigungen bei Einbruch mitversichert sind. Jetzt brauch ich einen Kostenvoranschlag und das Aktenzeichen der Polizei. Tatort-Fotos hab ich ja.

  2. Was für ein Albtraum! Als hättest du sonst keine Probleme! Aber gut, dass die Einbrecher abgehauen sind und dich nicht auch noch niedergeschlagen haben. Ich wünsche dir, dass deine Versicherungen sich doch noch zum Zahlen entschließen. Manchmal tun sie das. ((((Edith)))) Wie geht’s deinen Katzen nach dem Schrecken?

  3. Dankeschön! Dass ich eine der Versicherungen zum Zahlen bewegen kann, darauf hoffe ich auch. Die Katzen haben den Vorfall vermutlich schon wieder abgehakt. Für die war das nicht lästiger oder bedrohlicher als all die HandwerkerInnen im vergangenen halben Jahr.

    Jetzt hab ich halt noch eine Menge Geschiss und Rennerei.

  4. Meine Fresse, haben die die Balkontür brutal zugerichtet! Von wann sind die Fenster und Balkontüren? 80er Jahre?
    Oh man, so richtig zur Ruhe kommst du nicht, was?

  5. Die Fenster- und Balkontüren sind von 1971. Seit den 80er-Jahren war ein Wintergarten davorgebaut, deswegen haben die so lange überlebt. Irgendwann hätte ich die Türen eh ausgetauscht, aber nicht jetzt. Die riesigen Schiebetüren im Wohnzimmer/Büro kosten ein Schweinegeld.

    Jetzt wird halt die eine Tür ausgetauscht, der Rest kommt später und schaut dann im Zweifelsfall ein kleines bisschen anders aus. Die Spuren des Lebens …

  6. Ich würde nochmal ordentlich suchen, ob nicht doch was fehlt. Versicherungen versichern in der Regel nicht Sachbeschädigung, sondern Diebstahl.

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