Heike Wolpert: Katertrunk. Kater Socke ermittelt

Heike Wolpert: Katertrunk. Kater Socke ermittelt, Meßkirch 2018, Gmeiner Verlag, ISBN 978-3-8392-2225-6, Softcover, 281 Seiten, Format: Buch EUR 12,00 (D), EUR 12,40 (A), Kindle Edition: EUR, 9,99. 11,8 x 2,5 x 20 cm.

Abbildung: (c) Gmeiner Verlag

In Kater Sockes drittem Fall gibt es so viele plausible falsche Fährten, dass sowohl Hauptkommissar Peter Flott (51) und sein Team als auch die tierischen Co-Ermittler – sein Kater Socke und dessen Freunde – geraume Zeit im Dunkeln tappen. Die Leser auch, denn die erfahren kaum mehr als die Helden. Aber sie haben viel Spaß beim Täter-Raten und sind, im Gegensatz zu den Ermittlern, nicht unter Erfolgsdruck. 😉

Junge Politikerin tot aufgefunden


Darum geht’s: Am Morgen nach der Wahl wird die attraktive Kommunalpolitikerin Eva Liepold (Anfang 30), tot in ihrem Haus gefunden. Ihr Mann Christian, ein Fotograf, war beruflich unterwegs. Mit wem hat sie also am Abend noch Sekt getrunken? Wo ist ihre Hauskatze Mimi, mit der sie sogar auf den Wahlplakaten posiert hat? Und was ist überhaupt der Grund für ihren plötzlichen Tod?

Die Todesursache ist schnell ermittelt: Eva Liepold ist erst betäubt und dann erstickt worden. Verdächtige gibt es jede Menge. „Verwöhntes Luder“ ist so ungefähr die schmeichelhafteste Bezeichnung, die man in ihrem Umfeld für sie übrig hat.

  • Evas Ehemann könnte es gewesen sein. Von der Ehe war der Lack ab und Eva hat ihren Mann betrogen.
  • Ihr verheirateter Liebhaber hätte auch ein Motiv. Er scheute den Skandal.
  • Oder war’s dessen Ehefrau?
  • „Parteifreund“ Wolfgang Junghans war ebenfalls nicht gut auf Eva zu sprechen. Er hatte auf ihren Posten als Spitzenkandidat für den Stadtbezirksrat spekuliert.
  • Und da sind dann noch –zig Unternehmen, denen Eva als militante Tierschützerin große Unannehmlichkeiten beschert hat.

Kommissar im Beziehungsstress


So ganz bei der Sache ist Hauptkommissar während der Ermittlungen nicht. Seine Beziehung zur Tierärztin Christa Eisele (44) steckt in einer Krise. Die zwei stellen sich aber auch an! Sie haben nun mal beide keinen 9-to-5-Job und werden immer wieder nach Feierabend zu Einsätzen gerufen. Wie können sie sich das gegenseitig vorwerfen? Klar ist das lästig, wenn keine Verabredung klappt, weil immer einem von beiden was Berufliches dazwischenkommt. Ganz pragmatisch würde ich sagen: Wenn die zwei zusammenleben würden, würden sie sich auch häufiger sehen.

Peters Kollegin Antonia und ihr Lebensgefährte Sebastian, ebenfalls ein Polizist, gehen mit der gleichen Situation deutlich entspannter um. Dafür hat Antonia wiederum eine extrem übergriffige Familie an der Backe, der man mal deutliche Grenzen setzen müsste …

Vielleicht ist deshalb der Leser, der derlei negative Ablenkungen – hoffentlich – nicht hat, den Ermittlern manchmal um Schnurrhaaresbreite voraus.

Kater Socke und Kumpels ermitteln


Vor lauter eigenem Beziehungsstress entgeht es Hauptkommissar Flott tatsächlich, dass es seinem Kater Socke nicht gut geht. Der hat sich nämlich schon vor geraumer Zeit in Mimi, die Glückskatze der ermordeten Politikerin, verliebt und ist nun krank vor Sorge, weil sie verschwunden ist. Hat der Mörder sie mitgenommen? Oder gar als unliebsame Zeugin beseitigt?

Socke trommelt seine Getreuen zusammen: Revierkater Mikey, der lesen kann, die verfressene Tigerkatze Clooney, die so gerne berühmt sein möchte, ihren naseweisen Sohn Gismo, der seine Bildung aus dem Fernsehen hat und den streunenden Norwegischen Waldkater Champion, der sich gern im Hintergrund hält. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach Mimi – und dem Mörder.

Die besserwisserischen Sprüche der hochnäsigen Perserkatze Suleika ignorieren sie. Dabei wäre es gar nicht schlecht, wenn sie ihr mal ein bisschen zuhören würden. Sie plappert zwar viel egozentrisches und unnützes Zeug, aber sie weiß auch über die abseitigsten Themen Bescheid und sagt so manches Mal etwas, das für die Ermittlungen von Wert sein könnte. Nur haben das ihre tierischen Kumpels noch nicht bemerkt.

Sagt denn keiner hier die Wahrheit?


Die Polizei hat alle Hände voll zu tun, all diejenigen intensiv zu befragen, die mit Eva Liepold noch eine Rechnung offen hatten, doch irgendwie kommen sie dabei nicht weiter. Die Person, die die Tat überraschend gesteht, kann sie nicht begangen haben. Die Leute, die am Wahlabend bei Eva im Haus waren, kommen nach menschlichem Ermessen für die Tat auch nicht in Frage. Wer also war’s?

Wirklich jeder, der mit Eva zu tun hatte, scheint ein dunkles Geheimnis vor der Welt bewahren zu wollen. Wenn alle nur mauscheln, schwindeln und vertuschen, wie soll man da je die Wahrheit erfahren?

Für Hauptkommissar Flott ist das Chaos perfekt, als Kater Socke bei einem seiner Streifzüge verschwindet. Dass er zusammen mit den Tieren aus der Nachbarschaft auf eigene Pfote ermittelt, weiß der Kommissar nicht, sonst würde er sich noch viel mehr Sorgen machen. Und zu all seinen Problemen kommt nun auch noch die penetrante Journalistin Rosa Schablonski dazu, eine ehemalige Kommilitonin der Ermordeten, die ihn ständig über den Fall aushorchen will. Diese Frau raubt ihm den letzten Nerv!

Für Kater Socke hat die Ermittlungspanne, die sein jähes Verschwinden zur Folge hatte, auch ihr Gutes: Er glaubt jetzt zu wissen, was mit seiner Katzenfreundin Mimi geschehen ist. Doch wie soll er das seinem Menschen klarmachen? Der spricht ja kein Kätzisch. Socke kann ihn nicht einmal wissen lassen, wo er jetzt steckt und dass man ihn bitte dort abholen möge …

Bis wirklich klar ist, wer was aus welchen Gründen getan hat, stehen dem Leser noch ein paar Überraschungen ins Haus.

Menschen-Team und Katzen-Team


Bei den vorangegangenen Kater-Socke-Krimis fand ich den tierischen Handlungsstrang zum Teil fesselnder als die Belange der Menschen. Wie die Nachbarskatzen sich gegenseitig auf die Schippe nehmen, sich anzicken und streiten, um dann, wenn es gilt, wie Pech und Schwefel zusammenzuhalten, das ist ja auch zu köstlich! Dieses Mal kann der Kriminalfall mit all seinen Verdächtigen in die Irre führenden Spuren locker mithalten. Auch wenn offenbar niemand dem Opfer eine Träne nachweint, will man unbedingt wissen, wer nun die umstrittene Politikerin auf dem Gewissen hat – und sei es nur deshalb, weil man keinen Unschuldigen dafür auf der Anklagebank sitzen sehen möchte.

Die Geschichte spielt in Hannover. Wer sich dort auskennt, wird bei der Erwähnung von Straßennahmen und anderen Ortsbezeichnungen natürlich gleich das entsprechende Bild vor Augen haben. Wer keinen Bezug zur Stadt hat, muss sich nicht grämen: Der Krimi funktioniert auch wunderbar, wenn man überhaupt keine Ortskenntnisse besitzt.

Dankenswerterweise gibt es am Anfang des Buchs ein kleines Personenverzeichnis, das selbstverständlich auch die tierische Belegschaft umfasst. Der Roman enthält nicht über die Maßen viel Personal und man liest sich auch schnell ein. Aber um sich schnell (wieder) im Ermittlerteam und in der Katzengang zu orientieren, ist das Verzeichnis Gold wert. Am Anfang schaut man da schon hin und wieder nach. Das wünschen wir uns so auch für Band 4, den es doch hoffentlich geben wird.

Die Autorin
Heike Wolpert, Jahrgang 1966, lebt und arbeitet in Hannover. Abwechslung von ihrem Alltag als Businessanalystin findet sie im Schreiben von Krimis. Dann taucht sie in die aufregende Welt des tierischen Schnüfflers Kater Socke ein, der nun bereits in seinem dritten Fall ermittelt. Immer an ihrer Seite ist dabei der echte schwarz-weiße Kater Socke, der sie zu den Büchern inspiriert hat.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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