Sabine Platen: Ungleiche Freunde. Esel Toni und Ziege Freddy (ab 7 Jahre)

Sabine Platen: Ungleiche Freunde. Esel Toni und Ziege Freddy (ab 7 Jahre), Berlin 2017, Selbstverlag, ISBN 978-3-00-057339-2, Softcover, 72 Seiten, unpaginiert, mit farbigen Illustrationen von Christian Platen, Format: 21 x 29,5 x 0,5 cm, EUR 8,00. Sollte das Buch im Buchhandel nicht erhältlich sein, kann man die Autorin kontaktieren: saplaten@gmx.de

Abbildung: (c) S. und Ch. Platen

Esel Toni und Ziegenbock Freddy, die Helden des vorliegenden Kinderbuchs, gibt es wirklich. Und sie sind sogar regionale Berühmtheiten. Gibt man in eine Internet-Suchmaschine die Stichworte „Esel Toni + Freddy“ ein, findet man zahlreiche Fotos und Presseberichte. Unter anderem einen mit der verstörenden Überschrift: „Esel Toni und Ziege Freddy: Jetzt nehmen sie sich einen Anwalt“.

Ich habe noch nie ein Tier getroffen, das einen Rechtsbeistand benötigt hätte. Was ist da nur passiert? Einen Moment Geduld, bitte! Ziegenbock Freddy wird es uns gleich erzählen. In dem Buch UNGLEICHE FREUNDE berichtet er in 29 kindgerecht kurzen Kapiteln aus seinem Leben. Und das ist von klein auf verknüpft mit dem des Esels Toni.

Ein kleiner Ziegenbock zieht um


Geboren wurde das Ziegenböckchen in einer Gärtnerei und verursacht von Anfang an deutlich mehr Ärger als seine vier ängstlichen Cousinen. Die bleiben brav bei ihren Müttern, während Freddy – der damals noch einen anderen Namen trägt – keine Gelegenheit auslässt, durch Stalltür und Gartentor zu entwischen und das freie Leben zu erkunden. Er hat eine beinahe tödliche Begegnung mit einem Apfel (!) und mischt einen Festumzug gehörig auf.

Nicht nur, weil er solche Sperenzchen macht, kann er nicht auf Dauer in der Gärtnerei bleiben. Die Menschen dort können nur weibliche Tiere gebrauchen, die Milch geben. Das Böckchen ist überflüssig. Gärtnerin Eveline sucht dem kleinen Freddy aber ein gutes neues Zuhause und findet es im Garten der Autorin Sabine Platen. Die freut sich, dass sie für ihren Esel Toni einen gleichaltrigen tierischen Gefährten bekommt.

Es dauert ein wenig, bis die zwei Tiere sich artenübergreifend verständigen können. Eselchen Toni mag’s nicht, dass der freche Ziegenbock sein Futter frisst und Freddy stört Tonis lautes Geschrei. Nein, hier bleibt er nicht, hier ist es blöd! Er macht sich auf die Hufe und will wieder heim in seine Gärtnerei. Wild entschlossen, aber ohne den Weg zu kennen, marschiert er die Straße entlang und riskiert dabei wieder einmal sein Leben. Zum Glück kommen Sabine und ihr Mann Jürgen mit dem Auto nach und sammeln ihn wieder auf.

Freddy hat nur Unsinn im Sinn


Freddy gewöhnt sich ein. Mit Toni versteht er sich immer besser. Seine Extratouren lässt er aber auch im neuen Zuhause nicht bleiben. Mal sitzt er im Apfelbaum, mal mampft er seiner Menschen-Familie den Erdbeerkuchen unter der Nase weg. Das ist nun der Dank dafür, dass sie ihn zu einem Ausflug mitgenommen haben! Doch Freddy ist sich keiner Schuld bewusst. Die Familie liebt ihn trotzdem. Und die Kindergartenkinder, die immer mal vorbeikommen, um die Tiere zu besuchen und zu streicheln, lieben ihn ebenfalls. Auch wenn er beim Spielen manchmal ein wenig ungestüm ist.

Das Leben ist schön, sieben Jahre lang – bis eines Tages eine Frau auftaucht und Stunk macht. Ihrer Meinung nach ist es nicht artgerecht, dass die beiden besten Freunde zusammen wohnen. Jedes Tier braucht einen Artgenossen als Partner, meint sie. Esel und Ziege, das geht gar nicht. Wenn Familie Platen keinen zweiten Esel und keine zweite Ziege aufnehmen können, müssen sie die Tiere eben trennen oder beide abgeben. Das wollen weder die Platens noch die Tiere.

Ziege und Esel brauchen einen Anwalt


Die Frau, die es vielleicht wirklich nur gut meint, zeigt die Familie beim Veterinäramt an. Und jetzt kommt eine Maschinerie ins Rollen mit Kontrollen, Briefen vom Amt, Beiträgen in der Presse und im Fernsehen. Und hier kommt der eingangs erwähnte Rechtsanwalt ins Spiel.

Für die zwei tierischen Freunde wird’s noch richtig abenteuerlich. Werden sie zusammenbleiben dürfen – auch mit ihren vertrauten Menschen? Oder siegt doch die Bürokratie?

Freddy erzählt seine Lebenserinnerungen so, dass Kinder sie verstehen können. Die Episoden sind aber durchaus auch für Erwachsene interessant. Vor allem das Theater mit dem Amt!

Für große und kleine Tierfreunde


Die lustigen Episoden, in denen Freddy immer etwas tut, was seinen Menschen gar nicht in den Kram passt, können Kinder sicher selbst lesen. Ob sie dem Behördenzirkus ohne Erwachsenenbegleitung folgen können, davon bin ich nicht restlos überzeugt. Vielleicht sollte man ihnen diesen Teil lieber vorlesen, damit man gleich Fragen beantworten und den Kindern eventuelle Ängste nehmen kann. Der eine oder andere junge Leser fragt sich bestimmt, ob da einfach irgendjemand Fremdes angelatscht kommen und ihnen ihr Haustier wegnehmen kann.

Die Illustrationen sind witzig. Die gehen schon in Richtung Comic. Vor allem die, in der die Frau ihren Auftritt hat, die die beiden tierischen Freunde trennen will. Ich muss jedes Mal grinsen, wenn ich dieses Bild sehe.

Abbildung: (c) S. und Ch. Platen

DIE UNGLEICHEN FREUNDE bieten lustige und spannende Unterhaltung junge Tierfreundinnen und Tierfreunde. Und die Erwachsenen, die die Geschichten vorlesen dürfen, haben auch ihren Spaß.

Die Autorin
Sabine Platen, verheiratet, zwei Söhne, gebürtige Thüringerin, lebt seit über 50 Jahren in Berlin. Sie war an verschiedenen medizinischen und naturwissenschaftlichen Instituten als Medizinisch- und Biologisch-technische Assistentin tätig. In ihrer Freizeit beschäftigt sie sich mit dem großen Garten und den darin lebenden zahlreichen Haustieren. Sie verfasst, aus den Erlebnissen und Erfahrungen Ihres Alltags schöpfend, Kurzgeschichten und Gedichte, ursprünglich für ihre Enkelkinder.

Der Illustrator
Christian Platen, Buchbindermeister und Hobbyzeichner, lebt in Berlin und hat einen Sohn.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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