Schlüssel-Erlebnis

„Kinder, ihr werdet’s nicht glauben, was mir wieder passiert ist!“ So oder ähnlich leitete mein Vater gewöhnlich seine Berichte über Pleiten, Pech und Pannen ein. Beim Erzählen war’s meistens saukomisch, aber im Moment des Erlebens sicher nicht.

Jetzt ist’s bei mir soweit. 😀

Ich bin ja Kontrollfreak und werde niemals das Haus verlassen, ohne mich drölfmal zu vergewissern, dass ich auch meinen Schlüssel dabei habe. Samstags renne ich besonders viel raus und rein: einkaufen, Müll rausbringen, Garten, Garage, Geräteschuppen … und immer gilt der letzte Griff vor Verlassen des Gebäudes dem Schlüsselbund.

Der Hausschlüssel ist weg!


Gerade war ich noch damit in der Garage gewesen. Als ich zehn Minuten später den Müll rausgebracht hatte und wieder zurück ins Haus wollte, wurden mir die Knie weich: Alle erdenklichen Schlüssel waren am Bund, nur der Haustürschlüssel nicht. Den hatte ich, weil er ja vor ein paar Monaten neu dazugekommen ist, mit einem separaten aufklappbaren Ring an dem Bund befestigt – und dieser Ring muss sich unbemerkt geöffnet haben. Der Hausschlüssel lag höchstwahrscheinlich im Hausgang auf der Fensterbank und ich stand in Putzklamotten, ohne Schlüssel, ohne Handy und ohne Geld im Regen und hatte um 15 Uhr einen Termin. Und was das Allerschönste war: Mein Cousin nebenan, der einen Ersatzschlüssel besitzt, war nicht da.

Durch ein Fenster reinklettern ging nicht, denn wir haben jetzt ja alles top abgesichert und vergittert.

Ein paar Häuser weiter wurstelte ein Nachbar in seiner Garage. Ihm schilderte ich mein Problem und bat ihn, mir einen Schlüsseldienst zu rufen. Ich nahm an, dass er aufgrund seines Berufs ein paar seriöse Vertreter dieser Zunft kennen könnte.
„Warten Sie einen Moment“, sagte er. „Ich helfe Ihnen.“

Wir haben das Haus vor uns selbst geschützt


Hab ich schon mal erzählt, dass die halbe Nachbarschaft die gleichen Haustüren hat? Die haben sie in den 1980er-Jahren nach und nach vom selben Anbieter einbauen lassen. Da mein Nachbar in einer ähnlichen Situation seine eigene Haustür schon mal mittels Bordwerkzeug ohne Schlüssel geöffnet hatte, ging er davon aus, dass er das bei meiner Tür auch schaffen würde. Aber wir haben ja neulich technisch aufgerüstet. Jetzt ist alles so einbruchsicher, dass wir selber nimmer reinkamen.

Ehe er weiteres Werkzeug holen konnte, mit dem er es versuchen wollte, hatte ich eine Idee: Wenn mein Cousin nicht da ist, kümmert sich eine Nachbarin um seine Post. Sie legt sie ins Treppenhaus. Ergo muss sie einen Hausschlüssel haben. Ich bin zu ihr rüber, habe geklingelt und sie danach gefragt.
„Ja“, sagte sie, „klar hab ich einen Schlüssel. Ich komm‘ runter!“

Uff, Glück gehabt!

Mit ihrem Schlüssel bin ich also ins Haus meines Cousins und fand Gottseidank ohne langes Suchen das Mäppchen mit meinem Ersatzschlüssel.

Juhu! Gerettet!

Es war tatsächlich so, wie ich vermutet hatte: Mein Hausschlüssel lag friedlich und nutzlos auf dem Fensterbrett. Der Ring, mit dem er am Schlüsselbund befestigt war, war kaputt gegangen.

Vermutlich werde ich jetzt noch kontrollfreakiger werden als bisher und nicht nur nach dem Schlüsselbund greifen, ehe ich das Haus verlasse, sondern auch noch alle Schlüssel durchzählen.

2 Kommentare

  1. Ach ja, die Sache mit den Schlüsseln … wie oft hab ich mich schon ausgesperrt, weil ich „nur rasch den Müll raus“ oder so, und dann war „plötzlich“ die Tür zugefallen und der Schlüssel natürlich drinnen. Ich hab mir angewöhnt, die Wohnungstür grundsätzlich von innen abzuschließen und den Schlüssel dann stecken zu lassen. Dann muss ich den Schlüssel anfassen, wenn ich raus will – und weiß auch immer, wo er ist, wenn ich daheim bin.

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