Steffi Hochfellner: Komme, was Wolle. Roman. Mit 15 Kreativ-Ideen zum Selbermachen

Steffi Hochfellner: Komme, was Wolle. Roman. Mit 15 Kreativ-Ideen zum Selbermachen, München 2019, Knaur Taschenbuch, ISBN 978-3-426-52374-2, Klappenbroschur, 445 Seiten mit s/w-Fotos und Illustrationen, Format: 12,3 x 3,5 x 18,8 cm, Buch: EUR 12,99 (D), EUR 13,40 (A), Kindle: EUR 9,99.

Abb.: (c) Knaur

Ich kenne die Romane, die die Autorin unter dem Namen Steffanie Burow und Tessa White geschrieben hat, und ich kenne eines ihrer Strick- und Bastelbücher. Dies hier ist ein Mix aus beidem: Ein Roman mit DIY-Anleitungen im Anhang, anhand derer man die schönen Dinge nacharbeiten kann, die in dem Buch eine Rolle spielen. Und weil die Romanheldin sehr kreativ ist und Basteln und Handarbeiten im Buch ein wichtiges Thema sind, kommt einiges zusammen.

Unverhofftes Erbe

Darum geht’s in der Geschichte: An ihre Großtante Gerlinde Oberlechner kann sich die Nürnberger Physiotherapeutin Franziska Wolff, 34, kaum erinnern. Einmal, als sie noch ein Kind war, hat die Familie die Tante im ostfriesischen Westersum besucht, doch davon ist Franzi hauptsächlich das Kurzwarengeschäft im Gedächtnis geblieben, das Gerlinde im Erdgeschoss ihres Reetdachhäuschens betrieben hat. Der Kontakt zwischen den Verwandten hat sich dann verlaufen.

Franzi ist vollkommen perplex, als die erfährt, dass die Tante ausgerechnet ihr das Haus vermacht hat. Offenbar ist Gerlinde inkognito mit ihr über Facebook befreundet gewesen und hat sie ihres Erbes für würdig befunden. Sie fackelt nicht lange. Ihr Leben in Nürnberg ist sowieso gerade in Auflösung begriffen. Die Familie ist in alle Winde zerstreut, die beste Freundin geht ins Ausland und ihre Chefin in den Ruhestand. Ohne den aktuellen Zustand der Immobilie zu kennen, nimmt Franzi das Erbe an, bricht ihre Zelte in Franken ab und zieht nach Ostfriesland. Sie möchte den Laden der Tante mit verändertem Konzept gerne weiterführen und hofft, damit bei Einheimischen und Touristen gleichermaßen Erfolg zu haben.

Das Haus ist ein Sanierungsfall

Dass ihr Erbe auch Kater Bob und das Entenpaar Jim und Janis umfasst, ist für die Tierfreundin kein Problem. Dass Haus und Laden renovierungsbedürftig und an der Grenze zur Baufälligkeit sind, dagegen schon. Der Immobilienmakler Sönke Lauberg, der sogleich bei ihr auf der Matte steht, bestärkt sie in ihren Bedenken und unterbreitet ihr ein Kaufangebot. Doch Franzi hat nicht nur ein marodes Gebäude mit Menagerie geerbt, sondern auch Tante Gerlindes Freundeskreis: ein eigensinniges und sturmerprobtes Rentner-Kleeblatt, bestehend aus der Ex-Bankerin Renate Harlinger und dem Ehepaar Edda und Norbert Ruppelt. Die drei wollen von Aufgeben und Verkaufen nichts hören. Sie plädieren für Hierbleiben und Kämpfen. So hätte Gerlinde das gewollt.

Kampfgeist wird Franziska auch brauchen, denn eine Menge Leute am Ort wünschen sie zum Teufel und bringen dies auch deutlich zum Ausdruck. Die Gründe dafür sind so vielfältig wie albern. Die einen hassen sie, weil sie Gerlindes Großnichte ist, die anderen, weil sie nicht aus der Gegend stammt, die dritten, weil sie eine Konkurrentin in ihr sehen oder weil sie ihre unausgesprochenen Erwartungen nicht erfüllt. Deppen gibt es also auch in Ostfriesland. Man nennt sie dort nur anders.

Natürlich leben auch freundliche und hilfsbereite Menschen in Westersum. Privat ist sogar der attraktive Makler Sönke ganz nett, stellt Franzi fest, und beginnt einen intensiven Flirt mit ihm.

Immer wieder Vandalismus

Mit Unterstützung von Nachbar Jan Jessen, den Geschwistern Coordes, zwei Arbeitern aus Polen, dem Rentner-Kleeblatt und der Teenager-„Gurkentruppe“, die immer vor dem Handyladen rumlungert, setzt sie Haus, Laden und Garten wieder instand. Das Geld ist knapp, aber das Team ist kreativ und gut vernetzt. Doch immer wieder kommt es zu unerklärlichen Rückschlagen und Sabotageakten: Mal ist die Hauswand beschmiert, mal der Garten verwüstet, mal sind die Reifen von Franzis Auto zerstochen. Verdächtige gibt es jede Menge. Aber wer auf wessen Seite steht, ist nicht immer ganz klar.

Wer legt des Nachts klammheimlich Geschenke vor Franzis Tür? Jemand aus dem gegnerischen Lager, als Entschuldigung? Und was bitte hat der Landwirt und ehemalige Seemann Onno Ehmken für ein Problem? Hasst er alle Menschen oder nur Franziska und ihre Freunde? Von seinen Überzeugungen her müsste er eigentlich auf einer Wellenlänge mit dem Rentner-Kleeblatt liegen, doch gerade die drei verabscheut er besonders. Am besten, man geht dieser ollen Miesmuschel weiträumig aus dem Weg …

Wer ist Freund und wer ist Feind?

Doch dann hat Ehmken einen Unfall und Franzi fühlt sich verpflichtet, ihm zu helfen. Sehr viel umgänglicher wird er dadurch zwar nicht, aber die Rolle des generellen Menschenfeindes kann er nicht auf Dauer aufrechterhalten. Und auch andere zeigen mit der Zeit ihre wahren Farben …

Wird Franzi es trotz des massiven „Gegenwinds“ schaffen, ihr Haus zu renovieren und ihr Geschäft rechtzeitig zu Saisonbeginn zu eröffnen? Die Chancen dafür stehen denkbar schlecht …

Als routinierte Leserin ahnt man recht bald, wo in der Geschichte die „falschen Fuffziger“ sitzen, die nur so tun, als seien sie loyal. Aber es gibt auch Überraschungen, weil wir, genau wie die Heldin, so manchen voreiligen Schluss gezogen haben.

KOMME, WAS WOLLE ist ein locker-leichter Wohlfühl-Roman mit einer sympathischen Protagonistin. Spontan und ziemlich naiv stürzt sie sich in ein Abenteuer, das ihr ganzes Leben umkrempelt. Angesichts der vielen Hindernisse, die sie dabei zu überwinden hat, bleibt ihr gar nichts anderes übrig, als über sich hinauszuwachsen.

Roman mit Werbeunterbrechung?

Ich frage mich, ob bei der Verknüpfung eines Romans mit Bastelanleitungen schon die optimale Form erreicht ist. Die jeweiligen Artefakte fügen sich zwar recht organisch in die Story ein, aber was mich gestört hat, waren die plakativen Hinweise auf die jeweilige Anleitung. Die sehen aus wie Post-it-Zettel und wirken mitunter so störend wie eine Werbeunterbrechung im Fernsehen. Da wacht die Heldin auf, weil der Hund knurrt. Draußen vorm Haus schleicht eine finstere Gestalt herum. Franzi schlottert vor Angst und fühlt sich bedroht. Und dann kommt – tataaa! – ein Hinweis auf eine Arbeitsanleitung für Topflappen. Am Anfang habe ich tatsächlich das Lesen unterbrochen und bis zu den Anleitungen vorgeblättert – bis ich lernte, die Hinweiszettel zu ignorieren.


Hinweis auf die Anleigung. Abb.: (C) Knaur, Foto: E. Nebel

Die Bastelobjekte kann man auf Farbfotos im Innenteil der vorderen und rückwärtigen Buchklappe sehen. Die ausführlichen Anleitungen findet man in Wort und Bild auf den Seiten 357 bis 444. Es entgeht einem also nichts, wenn man den Roman zuerst liest und sich dann  erst den Bastelanleitungen widmet.

Fotos der Bastelarbeiten im Innenteil der Klappe. Abb. (c) Knaur, Foto: E. Nebel

Für geübte DIY-Expert*innen ist die Umsetzung der Anleitungen sicher kein Problem. Ich habe generell Schwierigkeiten, schriftliche Arbeitsanleitungen zu verstehen, besonders, wenn ich es mit einer mir völlig fremden Technik zu tun habe. Ich muss einen Vorgang in Aktion sehen um ihn zu begreifen und bin deshalb nur bedingt dazu geeignet, über solche Arbeitsanweisungen ein qualifiziertes Urteil abzugeben.

KOMME, WAS WOLLE habe ich als unterhaltsamen Roman gelesen, der mit den Anleitungen einen Zusatznutzen anbietet, von dem man Gebrauch machen kann – aber nicht muss.

Die Autorin

Steffi Hochfellner studierte in Hannover Grafik-Design und Fotografie. Anschließend arbeitete sie als Grafikerin, Art-Direktorin und Werbetexterin bei verschiedenen Agenturen, ehe sie sich vor einigen Jahren als Werbetexterin, Designerin und Konzeptionerin selbständig machte. Neben dem Schreiben von Romanen ist ihre zweite große Leidenschaft die Handarbeit, besonders Basteln und Stricken. Sie hat bereits drei erfolgreiche Bücher über das Stricken von Kuscheltieren veröffentlicht. Mit ihrem ersten Kreativ-Roman vereint sie ihre beiden Lieblingsbeschäftigungen Schreiben und Bastelarbeiten.

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

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