Elke Schwab: Pleiten, Pech & Leichen. Kriminalkomödie

Elke Schwab: Pleiten, Pech & Leichen. Kriminalkomödie, Homburg 2019, Hybrid-Verlag, ISBN 978-3-96741-009-9, Softcover, 254 Seiten, Format: 13,1 x 2,2 x 19,4 cm, Buch: EUR 12,90, Kindle: EUR 2,99.

Abb. (c) Hybrid-Verlag

„Der heutige Tag gehört zu denen, die aus dem Kalender gestrichen werden sollten. Auch noch ein Montag. Am morgen habe ich mich ernsthaft gefragt, ob ich wirklich das gemütliche Bett verlassen soll, um mir acht Stunden mit dem Verkauf von Brötchen um die Ohren zu schlagen. Der Gedanke, mir selbst dabei ein paar Extrabrötchen zu verdienen, ließ mich dann doch aufstehen.“ (Seite 7)

Jennifer Klein, 35, ungelernte Bäckereiverkäuferin in Saarbrücken, macht sich keine Illusionen. Nicht über sich selbst und nicht über das Leben, das sie führt: kein Partner, keine Kinder, keine Eltern, keine Berufsausbildung und kein Geld. Immerhin hat sie eine Wohnung, aber die vermutlich nur, weil es außer ihr niemand mit der aufdringlichen Vermieterin Silvia Probst aushält. Ach ja, ein Auto hat Jenny auch: einen ausrangierten Leichenwagen, den ihr ihre Freundin, die Bestatterin Anna Marquard, vermittelt hat. Und einen Hund hat sie: den kleinen dreibeinigen Mischling Captain Ahab. Wie zu dem gekommen ist, ist eine Geschichte für sich.

Ein kriminelles Geschäftsmodell fliegt auf

Aufgewachsen ist Jenny bei ihrer Großmutter Käthe, einer Frau mit einem unerschöpflichen Vorrat an Sprichwörtern für jede Lebenslage – und einer gehörigen Portion krimineller Energie. Ihre karge Rente bessert sie sich dadurch auf, dass sie Alkohol und Zigaretten aus Luxemburg einschmuggelt und gewinnbringend verkauft. Da ist es kein Wunder, dass Jenny auf ein ganz ähnliches Geschäftsmodell gekommen ist. Sie klaut Luxusartikel in den Geschäften des Einkaufszentrums, in dem sie arbeitet, und vertickt sie im Internet. 

Das geht so lange gut, bis der Kaufhausdetektiv Karl Renner ihr auf die Schliche kommt. Er stellt sie- Es kommt zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf er unglücklich stürzt und stirbt. Jenny kann unerkannt entkommen, doch jetzt ermittelt die Kriminalpolizei und damit fängt der Ärger an.

Ladendiebin unter Mordverdacht

Hauptkommissar Harald Dennerlein weiß, dass Renner – rein beruflich, natürlich – hinter Jenny Klein her war und geht davon aus, dass sie etwas mit seinem Tod zu tun hat. Vermieterin Silvia redet ihm gegenüber wie ein Wasserfall und torpediert damit sämtliche Ausreden und Alibis, die Jenny sich zurechtgelegt hat. Jennys Stalker, der verliebte Schriftsteller Tobias Winter ergeht sich in geheimnisvollen Andeutungen darüber, was er über sie weiß. Das klingt auch nicht gut. Rechtsanwalt Simon Buchner, den sie in der Bäckerei kennengelernt hat, bietet ihr seine Hilfe an – und eine gemeinsame Reise nach Südfrankreich. Und Freundin Anna bandelt mit dem attraktiven Kriminalkommissar Ralf Hendriks an. Dann steht auch noch Jennys Oma auf der Matte. Man hat sie beim Schmuggeln erwischt und nun braucht sie Jennys Hilfe. Und dann will man zu allem Überfluss der armen Jenny einen Todesfall anlasten, für den sie nun wirklich nichts kann.

Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, mit dem zwielichtigen Anwalt Simon Buchner nach Südfrankreich zu verschwinden? Doch da hätte Jenny besser auf ihre nervigen Kolleginnen aus der Bäckerei hören sollen. Denn das ist nicht gerade die weltbeste Idee …

Der Chick-Lit-Versuch einer Krimiautorin

Nachdem die Krimiautorin Elke Schwab bei einer Internetumfrage zur blutrünstigsten Autorin gekürt worden ist, war sie einigermaßen schockiert und hat beschlossen, das Gegenteil zu beweisen und einen harmlosen Chick-Lit-Roman zu schreiben. Das Ergebnis dieser Bemühungen sehen wir hier. Eine Krimiautorin kann einfach nicht aus ihrer Haut! Ganz ohne Leichen geht’s nicht.

Was anfängt wie eine harmlose Geschichte über die Probleme einer prekären Existenz, steigert sich schnell zu einer haarsträubenden Krimigroteske, die man sich gut im Fernsehen vorstellen könnte. Die Leserin gibt bald auf, vorhersehen zu wollen, in welche Katastrophe die Heldin als nächstes hineinstolpern wird und beobachtet das Geschehen fassungslos und amüsiert.

In den letzten vier Kapiteln legt die Autorin noch ein paar Schippen drauf. Da wird’s richtig schräg. Als Leser*in ist man kurz vor der Schnappatmung, denn dieses Mal hat Jenny sich in wirklich heftige Schwierigkeiten gebracht. Da kommt sie ohne fremde Hilfe nicht wieder raus …

Schlimmer dran als am Anfang

Das ist schon ein irrer Ritt! Nur vom Schluss war ich nicht so begeistert. Die Heldin sicher auch nicht. 😉 Ihre wichtigsten Bezugspersonen hüpfen glücklich um sie herum, aber Jenny selbst ist keinen Schritt weiter als zu Beginn der Geschichte. Wenn man’s genau nimmt, ist sie jetzt sogar noch schlimmer dran als am Anfang. Und sie hat keine neue Perspektive.

Das ist für eine Komödie ein verflixt deprimierendes Ende. Es sei denn, die Autorin plant, in einer Fortsetzung die Fäden wieder aufzunehmen.

Die Autorin

»Gestorben wird immer« in den Büchern von Elke Schwab, denn »Mord ist ihr Hobby«. Das beweist die Tatsache, dass die Krimiautorin aus Leidenschaft in den letzten 20 Jahren über 20 Kriminalromane auf den Markt gebracht hat. Und es werden noch mehr, so viel kann sie schon verraten … Vierzehn Jahre hat sie in Frankreich gelebt. Jetzt hat sie den Entschluss gefasst, sich wieder in ihrer alten Heimat in Deutschland niederzulassen. Dort ist sie näher an ihren unzähligen Tatorten. Zwischen 2013 und 2016 wurde die Autorin mit einigen Preisen ausgezeichnet – u.a. mit dem Saarländischen Krimipreis und dem Kulturpreis für Literatur des Landkreises Saarlouis.

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
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