Nika S. Daveron: Das Chaospferd und das bekloppte Fohlen, Band 2 (10 – 14 J.)

Nika S. Daveron: Das Chaospferd und das bekloppte Fohlen, Band 2, (10 – 14 J.), Stuttgart 2020, Franckh-Kosmos Verlag, ISBN: 978-3-440-16914-8, Hardcover, 188 Seiten, mit 15 s/w-Illustrationen von Anna-Lena Kühler, Format: 15 x 2,2 x 21,6 cm, Buch: EUR 13,00, Kindle: EUR 8,99.

Abb.: © Franckh-Kosmos Verlag

„Ich fände es gar nicht so schlecht, Polizistin zu sein (…) bei der berittenen Polizei. Dann kann ich jeden Tag mit Zora zusammenarbeiten und werde fürs Reiten bezahlt. (…) Außerdem tue ich was Gutes, fange mit Zora schlechte Menschen. (Wie macht man das eigentlich von Pferd aus? Mit dem Lasso, wie im Wilden Westen?) (…) Falls Zora sich nur halb so benimmt, wie sie es bei Donnerschlag tut, dann mache ich mir überhaupt keine Gedanken darüber, dass die Verbrecher noch mal was verbrechen. Zora wird sie das Fürchten lehren.“ (Seite 67)

Romi, die im Verlauf der Geschichte 13 wird, hat ihr erstes Tagebuch schon vollgeschrieben. Jetzt, zu Weihnachten, hat sie ein neues bekommen und wir sind wieder hautnah dabei, wenn’s um die Zickereien im Reitstall geht, um verständnislose Eltern, nervige Verwandte, gute Freunde und natürlich um Romis Stute Zora, das russische Warmblut.

Als Herr Albrecht Zoras vierjährigen Sohn Donnerschlag vom Anreiten zurückholt, um ihn auf seinem Reiterhof weiter auszubilden, geht es dort verrückter zu denn je. Wenn man ein Chaospferd und dessen Nachwuchs auf dem Hof hat, ist das wohl nicht zu vermeiden.

Stute Zora ist genervt von ihrem Sohn

Donnerschlag macht seinem Namen alle Ehre. Er ist laut und ungebärdig. Zora ist mächtig genervt von ihm und tickt jedes Mal aus, wenn er aus der Rolle fällt. Ihn in eine weiter entfernte Box umzuquartieren, wo sie ihn nicht ständig hören und sehen muss, bringt ebenso wenig wie der teure Kurs bei Esoterik-Biggi. Dass sie für so einen Quatsch so viel Geld rausgeschmissen hat, bereut Romi noch nach Monaten. Wo sie doch ohnehin stets knapp bei Kasse ist, weil sie ihr Hobby zu einem guten Teil selbst finanzieren muss. 

Romis Vater wäre ja nicht so knauserig, aber ihre Mutter hört auf das ständige Gemecker von Tante Thea, die ihr permanent damit in den Ohren liegt, wie teuer und gefährlich das Reiten doch sei. Nun ja: Basispass, Springstunden, Reitstiefel und alles, was man so rund ums Pferd braucht, das geht schon ins Geld. Und dann verletzt sich Zora auch noch und es werden immer wieder Tierarztkosten fällig! Tante Thea stänkert, Mutter jammert und Romi macht sich Sorgen … um ihr Pferd, ums Geld und darum, ob man ihr das Reiten am Ende noch verbieten wird.

Probleme mit Menschen und Pferden

Warum ist die Tante eigentlich so wild darauf, dass Romi nicht reiten darf? Das geht sie doch gar nichts an! Bei einer Familienfeier fasst sich die junge Reiterin ein Herz und fragt ganz unverblümt nach – und das vor allen Gästen. Dass das nicht gut ankommt, hätten wir ihr vorher sagen können. 😉 Aber jetzt ist zumindest einiges klar.

Ruhiger wird’s in Romis Leben trotzdem nicht. Ihre beste Freundin Celine verliert ihre Reitbeteiligung, weil „Snoopys“ Besitzerin in ein anderes Bundesland zieht. Abgesehen vom Abschiedsschmerz, weil Celine natürlich an Snoopy hängt:  Mit welchem Pferd soll sie jetzt das Reitabzeichen machen? Die eigensinnige Zora lässt sich von ihr nicht reiten. Der Reitstallbesitzer hat eine Idee. Die hätte tatsächlich funktionieren können. Doch am Tag der Prüfung tobt das Chaos im Quadrat. Wie wird da wohl das Resultat sein …?

Ein herrlich unperfektes Paar

Wie wir schon in Band 1 gelernt haben, ist das Reiter*innenleben tatsächlich kein Ponyhof. Romi und Zora sind ein herrlich unperfektes Paar, und die Probleme, die sie haben, sind spannend, lustig und unterhaltsam erzählt.

Die Heldin bleibt gelassen

Romi lässt sich nichts vormachen. Mit billigen Ausreden und Scheinargumenten brauchen ihr die Erwachsenen gar nicht erst zu kommen. Das durchschaut sie sofort und hakt dann gnadenlos nach. Und provozieren lässt sie sich auch nicht, weder von dummem Geschwätz noch von den Kapriolen ihres Pferdes. Für sie ist jedes Problem zunächst mal bei seinem Verursacher angesiedelt. Mit ihr hat das nichts zu tun und deshalb trifft es sie auch nicht persönlich. Menschen? Sind halt manchmal blöd. Das Pferd? Ist eben eigensinnig.

Für diese Gelassenheit liebe ich Romi. Ich könnte mir von ihr ohne Ende Alltagsgeschichten aus dem Stall erzählen lassen, auch wenn ich altersmäßig längst nicht mehr zur Zielgruppe gehöre.

Auch in diesem Band hat die Schrift Handschriftencharakter, was ich nicht so rasend lesefreundlich finde. Es passt aber gut zu einem Tagebuch. Und ich habe den Eindruck, dass Band 2 noch mehr Illustrationen enthält als der erste. Einige zeigen tatsächlich das beschriebene Geschehen, mehrheitlich sind es aber Vignetten, die sich bis zu einem Dutzend Mal wiederholen. 

Die Sache mit den Zeichnungen 

Dass das Tagebuch eines Pferdemädchens mit Kritzeleien von Hufeisen, Herzchen und Pferdeköpfen verziert ist, ist nachvollziehbar. Pferdäpfel hat’s auch … fast hundert Stück! 😀 Aber dass die größeren Bildmotive wie das Pferd mit Sonnenbrille, das Mädchen mit Hut, das Klecksbild oder die Einlinienzeichung im Stil Osvaldo Cavandolis fünf- bis zehnmal auftauchen, ist doch sehr auffällig. Ich dachte spontan an Sparmaßnahmen und daran, dass man hier wohl das vorhandene Material gestreckt hat. Wenn das aber nur mich stört und die jungen Leserinnen nicht, ist das in Ordnung.

Eine coole Freundin

Ich kann mir noch viele weitere Romi-und-Zora-Abenteuer vorstellen. Sie könnte die jungen pferdebegeisterten Leserinnen gut beim Erwachsenwerden begleiten. Und so eine coole Freundin wie Romi kann jedes Mädchen gebrauchen.

Die Autorin

Nika S. Daveron entdeckte bereits als Kind die Liebe zum Schreiben und eiferte früh ihren Vorbildern nach, indem sie die Handlungen ihrer Lieblingsbücher weitererzählte. Mittlerweile veröffentlicht sie eigene Geschichten und baut darin Welten, deren Komplexität und Schönheit wiederum andere inspirieren. Geboren in Köln, lebt sie derzeit in Neuss und ist als Sales & Account Managerin tätig. 

Die Illustratorin

Anna-Lena Kühler illustriert seit 2011 illustriere im schönen Eltville für kleine und große Menschen. Für Verlage und Agenturen bebildert sie Bücher, Magazine, Werbung, Verpackungen und diverse andere Projekte. www.annalenakuehler.de

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.