Mirko Reeh, Barbara Stromberg: Kräuter und Gewürze

Mirko Reeh, Barbara Stromberg: Kräuter und Gewürze, Norderstedt 2020, BoD Books on Demand, ISBN 978-3-75192061-2, Softcover, 140 Seiten mit Farbfotos, Format: 18,9 x 0,79 x 24,61 cm,  Buch: EUR 14,90, Kindle: EUR 9,99.

Abb.: (c) M. Rehh / BoD

„Wie schmeckt ein Essen ohne Gewürz? Weiß jeder: mit wenigen Ausnahmen eher fade und langweilig. Kurz: lepsch.“ (Seite 5)

So beschreibt Mirko Reeh die Situation. Meine Kollegen in der Druckerei fanden seinerzeit für geschmackfreies Kantinenessen deutlich deftigere Worte. 😀 Ich denke, in dem Punkt sind wir uns alle einig: Würzen muss der Mensch, wenn die Speisen munden sollen. 

Jetzt kann man natürlich fertig gekaufte Gewürzmischungen verwenden. Das ist besser als nichts, aber es ist nicht ideal. Wenn sämtliche Bestandteile schon pulverisiert sind, verfliegt das Aroma recht schnell. Und was in den Mischungen drin ist, weiß man auch nicht immer so genau. Das kann insbesondere für Allergiker*innen schnell unerfreulich werden. 

Frische Alternativen

Was also sind die Alternativen? Kräuter kann man frisch auf dem Markt erwerben oder selbst anbauen. Dazu braucht man nicht mal unbedingt einen Garten, das geht auch im Blumentopf auf der Fensterbank. Wenn man sich auskennt, kann man auch Wildkräuter sammeln. Und es ist möglich, Gewürzmischungen selbst herzustellen, wobei’s für den Erhalt des Aromas von Vorteil ist, wenn man nicht alles in Pulverform vorrätig hat, sondern die Gewürze erst bei Bedarf mit Mühle oder Mörser zerkleinert.

Im Infoteil des Buchs erfahren wir etwas über die Geschichte des Würzens, ein klein wenig über Heilkräuter, ein bisschen was über das Sammeln und Selbstanbauen – und warum die eingetopften Basilikumpflanzen, die wir im Laden kaufen, immer in Rekordzeit eingehen. Mit Mirko Reehs sieben praktischen Tipps sollte dies zu verhindern sein. Aber es klingt schon ziemlich aufwändig. Wenn das Basilikum so eine Diva ist, dann wird das wohl nichts werden mit uns beiden!

Gewürzmischungen selber machen

Nach einer Hitliste der teuersten Gewürze der Welt – Kardamom hätte ich dort wirklich nicht vermutet! – geht es weiter zu den Rezepten. Und da gibt’s Erstaunliches. Man kann Gin selber machen ohne dass man unter die Schwarzbrenner gehen muss? Was es nicht alles gibt! In die Verlegenheit werde ich zwar nie kommen, aber es ist bemerkenswert.

Die Gewürzmischungen kommen für mich schon eher in Frage: Curry, Zatar, Tahina, Baharat, Ras El Hanout, Harissa, thailändische Currypasten … dafür habe ich schon eher Verwendung. 

Exotische Gerichte …

Natürlich entdecken wir hier nicht nur, wie man die verschiedensten Gewürz- und Kräutermischungen herstellt, sondern auch, was man damit Tolles zubereiten kann: einen bunten Tomatensalat mit kreolischem Dressing (das Foto passt nicht so recht zur Beschreibung) … gebackenen Paprika mit Couscous … Pasta mit Hummer in Tomaten-Weißwein-Sauce … Ricotta-Parmesan-Törtchen mit lila Nudelnest und Safranschaum oder orientalische Hackbällchen mit süßem Rübengemüse.

… und Bewährtes aus der Heimat

Wenn Kräuter und Gewürze nicht in Mischungen auftauchen, sondern Solo-Auftritte haben, wird’s auch mal deutlich weniger exotisch: Tiroler Schüttelbrot oder Mutti Carmens dicke Bohnensuppe nach Hersfelder Art, von der der Autor zugibt, dass er sie erst als Erwachsener so richtig zu schätzen lernte. Im Buch drückt er sich noch unverblümter aus, und diese Ehrlichkeit macht ihn mir sympathisch. Ich würde seine Anmerkung berücksichtigen, wenn auch Kinder bekocht werden sollen.

Bodenständig bleibt’s auch bei der Original Frankfurter Grüne Soße nach Mirkos Oma. Hier werden wir eindringlich ermahnt, die Zutaten keinesfalls zu verändern, weil’s sonst keine echte Frankfurter Grüne Soße mehr sei.

Gerösteter Kurkuma-Blumenkohl auf würziger Joghurtsoße klingt auch für mich als ungeduldige und wenig begnadete Küchenfee nach einem Plan. Rote-Bete-Carpaccio, Räucherlachs und Handkäse mit süß-würzigem Kardamom-Fenchel-Zitrusdressing erscheint mir dagegen eher schräg. Das würde ich erst mal kosten wollen. So ist hier für jede(n) etwas dabei. Und Nachtisch gibt’s auch: vom Vanillepudding über Orangenkuchen bis hin zu Muskatnusseis mit süßem Pesto und Mandelplätzchen.

Aufregende Geschmackserlebnisse

Dankenswerterweise steht bei jedem Rezept dabei, wie viel Zeit jeweils das Vorbereiten und Kochen bzw. Backen in Anspruch nimmt. Da weiß man, worauf man sich einlässt. Sonst richte ich mich meist nach der Länge der Zutatenliste und dem Umfang der Erklärungen. Je kürzer beides ausfällt, desto eher traue ich mir das Nachkochen zu.

Ob Fleisch, Fisch oder vegetarisch, warm oder kalt, süß oder herzhaft, regional oder international, einfach oder eher anspruchsvoll in der Zubereitung – hier gibt’s Rezepte für alle Geschmacksrichtungen, Vorlieben und Lebenslagen. Alle versprechen ein aufregendes Geschmackserlebnis und sind ganz bestimmt nicht „lepsch“. J

Verflixt, wo kriege ich das her?

Ich habe von Haus aus den halben Orient im Gewürzschrank, weil bei uns daheim von österreich-ungarisch über balkanisch bis nah- und fernöstlich alles Mögliche gekocht wurde. Und doch ist bei den Rezepten im Buch immer mal wieder was dabei, bei dem ich denke: „Verflixt! Was ist das und wo kriege ich das her?“ Je ländlicher man wohnt, desto schwieriger wird’s mit der Beschaffung. 

Ich habe das Gefühl, dass es bei uns in den Geschäften gemahlenen Pfeffer von 15 verschiedenen Anbietern gibt, aber keinen Schwarz- oder Kreuzkümmel. Da klemmt’s oft schon beim Rosmarin. Der gut sortierte Laden für Tee und Gewürze hat schon vor Jahrzehnten dicht gemacht, den Stand auf dem Wochenmarkt gibt’s auch nicht mehr. Deshalb wünsche ich mir immer, wenn ich einigermaßen „exotische“ Rezepte sehe, dass ein paar URLs mit seriösen Lieferanten für qualitativ hochwertige Gewürze mit dabei stünden. Denn sonst fällt manches lecker klingende und auf den Fotos verlockend aussehende Rezept gleich durch den Rost, weil man als Landei die Zutaten nicht kriegt. Das ist natürlich nicht dem Buch anzukreiden, könnte aber die Euphorie und den Tatendrang mancher würzfreudiger Hobbyköch*innen ein bisschen bremsen.

Die Autoren

Mirko Reeh ist Bestsellerautor, Inhaber von Kochschulen und Moderator. Barbara Stromberg ist Journalistin, Texterin und coacht Unternehmer in Sachen Expertentexte. Der eine ist Experte fürs Kochen, die andere fürs Schreiben. Zusammen sind sie ein bewährtes Autorenteam für Lese- und Reisekochbücher. 

Das Reisekochbuch Israel – Kulinarische Reise mit Mirko Reeh gewann für seine Texte über Land, Leute und Esskultur und für die authentischen Rezepte direkt aus den Küchen Israels den Gourmand World Cookbook Award als eines der besten Kochbücher über die israelische Küche im Jahr 2017.Seitdem wurde die Reihe der Reisekochbücher fortgesetzt. Dazwischen: Immer wieder Lese-Kochbücher, die unterhaltsames Lesen mit leckerem Kochen verbinden, wie zum Beispiel die Suppen – Rund um die Welt.
www.mirko-reeh.com, www.textorama.de  

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

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