Ina Brandt: Zaubereulen in Federland (1) – Das Geheimnis von Athenaria (ab 8)

Ina Brandt: Zaubereulen in Federland (1) Das Geheimnis von Athenaria (ab 8), Würzburg 2020, Arena Verlag, 978-3-401-60535-7, Hardcover mit goldfarbenem Foliendruck, 136 Seiten mit s/w-Illustrationen von Irene Mohr, Format: 14,4 x 2,3 x 21 cm, Buch: EUR 9,00 [D], EUR 9,30 [A], Kindle: EUR 6,99.

Abb.: (c) Arena Verlag

„[Wir wissen, dass] alle Zauber, die die Ureule und die späteren Herrscherinnen geschaffen haben, eines Tages nachlassen können. Wie bei einem alten Haus, dessen Dach irgendwann undicht wird und repariert werden muss, Dafür braucht es eine starke Gruppe mit einem eigenen Reich in der Menschenwelt. Und das soll Federland heißen.“ (Seite 132)

Als ich das Buch bekam, war mir nicht bewusst, dass das ein „Ableger“ einer bereits bestehenden, bislang 13-bändigen Buchreine namens EULENZAUBER ist. In dieses Universum muss man sich, wenn man so spät einsteigt, erst einmal einarbeiten. 

Zaubereulen und ihre Menschenfreunde

Soweit ich verstanden habe, gibt es hier Zaubereulen, die die meiste Zeit ganz normal ihren tierischen Aktivitäten nachgehen. Doch wenn sie auf ihren menschlichen Partner, den Eulenfreund, treffen, können sie sich mit dessen Hilfe in magische Wesen verwandeln. Dann sind sie zwar immer noch Eulen, aber ihr Gefieder schimmert golden und sie sind in der Lage, sich mit Menschen zu verständigen. Und sie haben Zauberkräfte.

Diese Zweierteams aus Eule und Mensch haben eine Aufgabe: Lebewesen zu helfen, die in Not sind. Für dieses Ehrenamt ausgewählt werden nur die, die sich vorher durch besonders mutige Taten ausgezeichnet haben. Wer das entscheidet? Die vier Herrscherinnen aus dem magischen Land Athenaria. Die habe ich zunächst für so eine Art griechische Göttinnen gehalten, bis ich begriffen habe, dass das ebenfalls Eulen sind.

Das Zauberreich ist in Gefahr

Jetzt ist Athenaria in Gefahr. Die dortigen Zauberkräfte schwächeln, und um sie zu reaktiveren, braucht’s ein ganzes Team von Zaubereulen und Eulenfreunden – und eine Art „Filiale“ von Athenaria, ein magisches Reich in der Menschenwelt, das Federland.

Doch irgendwie scheinen die Herrscherinnen mit dieser Mammutaufgabe überfordert zu sein. Federland ist noch nicht ganz fertig, als sie schon wieder zurück nach Athenaria müssen. Ohne große Vorwarnung ergeht ein Auftrag an die Eulenfreundin Flora Faltin und ihre Zauber-Waldohreule Goldwing: Bis zum nächsten Vollmond – also in drei Nächten – haben sie Zeit, Federland „zum Leben zu erwecken“, was immer das bedeuten mag. Doch dazu müssen sie das magische Land erst einmal finden. 

Zum Glück müssen die beiden diese Aufgabe nicht alleine bewältigen. In einem der letzten EULENZAUBER-Bände sind sie Jona und dessen Zauber-Waldohreule Securo begegnet. Und es gibt ja auch noch die besonnene Schneeeule Nordis und den etwas übereifrigen Brillenkauz Klaro, die der Falknerin Frau Schnabel gehören. Wie dieses Trio ins Bild passt, ist mir allerdings nicht so ganz klar klar. Ein reguläres Team aus Zaubereulen und Eulenfreund sind Nordis, Klaro und Frau Schnabel wohl nicht, aber sie wissen über sämtliche magische Vorgänge Bescheid. Na, egal. Die Kenner*innen der EULENZAUBER-Reihe werden es wissen, und für die Handlung ist das jetzt nicht von zentraler Bedeutung.

Mal schnell die Welt retten

Es ist ja schon dreist von den Herrscherinnen, von ein paar Kindern zu verlangen, sich Nacht für Nacht aus dem Haus zu schleichen und mal eben die Welt zu retten! Aber Flora und Jona nehmen ihren Auftrag ernst und tun wie geheißen. Wo sie mit der Suche nach Federland beginnen werden, darüber sind sie sich schnell einig: im ehemaligen Kloster außerhalb des Orts. Dort wimmelt es nur so von Eulen-Darstellungen und der Ort hat etwas Übernatürliches.

Aber selbst, wenn sie vor den Toren Federlands stünden: Wie kämen sie hinein? Ein Passwort haben ihnen die Herrscherinnen nicht hinterlassen, ebenso wenig eine konkrete Handlungsanweisung. Wenn sie sich doch nur ungestört um die Sache kümmern könnten! Aber Flora und Jona müssen ja „nebenbei“ noch ihr ganz normales Menschenleben führen.

Eine verhängnisvolle Idee

Irgendwann hält der hibbelige Brillenkauz Klaro die ewige Warterei auf die Kinder nicht mehr aus. Er hat eine Idee, fliegt spontan zum Kloster und kehrt nicht mehr zurück.  Alles Suchen ist vergebens. Unter den Eulen und ihren Freunden bricht Panik aus. Ohne Klaro ist die Mannschaft nicht vollständig und das ganze Projekt zum Scheitern verurteilt. Wenn er nicht mehr auftaucht, sind Athenaria und seine Herrscherinnen dem Untergang geweiht. 

Werden sie Klaro rechtzeitig finden und ihre Aufgabe lösen? Die Herrscherinnen verlassen sich doch auf sie! Viel Zeit haben sie nicht mehr. Da naht Hilfe von unerwarteter Seite. Es gibt anscheinend noch mehr Zaubereulen und Eulenfreunde! Leider haben die genauso wenig Ahnung wie Flora und ihre Gruppe …

Mit Magie ist alles möglich

Eine interessante magische Welt hat Ina Brandt da geschaffen, und Irene Mohrs detailreiche Illustrationen tragen zusätzlich dazu bei, sie für die Leser*innen lebendig werden zu lassen. Als Eulen-Fan gefällt mir das. Dass magisch begabte Teams Tieren und Menschen in Not helfen, ist ja auch ein schöner Gedanke. Und weil immer, wenn Zauberei im Spiel ist, alles möglich erscheint, ist die Geschichte auch nicht allzu vorhersehbar. Als Leser*in kann man nie voraussagen, welche Maßnahmen nun funktionieren und welche nicht, und so bleibt es spannend.

Die Eulen scheinen mehr Persönlichkeit zu haben als die Menschen. Zumindest kann ich mir von Nordis und Klaro ein besseres Bild machen als von Flora und Jona. Was aber auch daran liegen mag, dass ich erst beim vierzehnten Band in die Story eingestiegen bin.

Serie mit Suchtpotential

Wenn man das Buch einem Kind gibt, das Tiere und magische Abenteuer liebt, muss man sich der möglichen Konsequenzen bewusst sein: Wenn ihm das Buch gefällt, wird es alle vorangegangenen EULENZAUBER-Bände haben wollen. Und alle folgenden samt FEDERLAND-Ableger ebenfalls. Aber das Suchtpotential von Serien kennen wir Erwachsenen ja, nicht zuletzt vom Fernsehen. Das können wir den Kindern nicht zum Vorwurf machen und müssen im Zweifelsfall da durch. 😉

Die Autorin

Ina Brandt arbeitete nach dem Germanistikstudium einige Jahre als Lektorin, bevor sie sich als Autorin selbstständig machte. Seitdem hat sie zahlreiche Kinderbücher veröffentlicht. Mit „Eulenzauber“ erfüllt sie sich einen lange gehegten Traum, den ihr ein kleiner Waldkauz in vielen Nächten aus dem Garten zugerufen hat. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern in der Nähe von Stuttgart. www.eulenzauber-lesen.de


Die Illustratorin

Irene Mohr wurde in Hamburg geboren und hat dort an der Fachhochschule für Gestaltung Grafik-Design studiert. Seitdem arbeitet sie als Illustratorin und Grafikerin für verschiedene Kinderbuchverlage. In ihrem Atelier hat sie eine Malschule gegründet und dort viele Jahre Kurse für Kinder und Erwachsene gegeben. Wenn sie keine Bücher illustriert, ist sie am liebsten in der freien Natur – zwar ohne Eule, aber dafür gerne mit Pinsel und Staffelei.

Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
www.boxmail.de

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