Ben Aaronovitch: Die Meerjungfrauen von Aberdeen, Roman, OT: Stone and Sky, Deutsch von Christine Blum, München 2025, dtv Verlagsgesellschaft, ISBN 978-3-423-26420-4, Klappenbroschur, 414 Seiten, Format: 13,6 x 3,4 x 21 cm, Buch: EUR 17,00, Kindle: EUR 12,99, auch als Hörbuch lieferbar.

„Was war das?“, fragte [Detective Sergeant Martin] Blinschell im ruhigen Ton eines Menschen, der sich sagt, dass hysterisch zu werden, so gern er es gerade täte, im Moment gar keine gute Idee wäre.
(Seite 249/250)
„Dämonenfalle“, sagte ich. „Eine Art Tretmine, nur magisch.“
Paranormale Ermittlungen im Urlaub
Statt, wie sonst in London, ermitteln Chief Inspector Thomas Nightingale, DS Peter Grant und seine Cousine Abigail Kamara dieses Mal im schottischen Aberdeen – am Meer. Hier wie dort kümmern sie sich um Fälle mit übernatürlichen Komponenten. Auch wenn ihre Magie überall funktioniert, arbeiten sie hier mit gebremster Kraft, weil sie in Schottland keine Befugnisse haben. Sie sind ja eigentlich auch nur zur Erholung hier.
Auch Peter Grants Frau, die Flussgöttin Beverly Brooks, ist hier am Meer nur mit Einschränkungen aktiv. Je weiter sie von zuhause weg ist, desto schwächer werden ihre magischen Kräfte. Eine neue Erfahrung für die junge Mutter. Aber jetzt, in den Ferien, sollte sie ihre Kräfte ja auch allenfalls zum Domptieren ihrer ungebärdigen zweijährigen Zwillinge Taiwo und Kehine einsetzen. Theoretisch …
Ein Riesenpanther in Schottland? Da ist Magie im Spiel!
Warum sind denn jetzt alle auf einmal in Aberdeen? – Es war eine Kettenreaktion: Dr. Abdul Haqq Walid ist als erster auf dieses Reiseziel gekommen. Hier soll angeblich eine riesige schwarze Raubkatze ihr Unwesen treiben und Schafe reißen. Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen, das ist bestimmt ein Tier aus einer anderen Dimension. Das will der Doc sich aus der Nähe ansehen.
Eine magische Großwildjagd? Coole Idee, findet CI Thomas Nightingale und fährt mit. Zur Unterstützung hat er Abigail Kamara dabei, seine jüngste Auszubildende. Und wo Abigail ist, sind auch ihre sprechenden Füchse nicht weit. Was ganz praktisch ist: Die Tiere sind unglaublich gut vernetzt, wenn auch unklar ist, warum sie sich für Spione halten.
Urlaub in Schottland? Das wäre auch was für sie, Peter und die Zwillinge, findet Beverly. Aber nur, wenn Peters Eltern als gelegentliche Babysitter mitkommen! Und wenn Rose und Richard Grant dabei sind, kann auch gleich Richards Jazzband samt ihrem halbseidenen Manager Zachary Palmer mitfahren. Vielleicht gibt’s ja Auftrittsmöglichkeiten … Ja, und so setzt sich der ganze Tross in Richtung Aberdeen in Bewegung.
Ein toter Mann mit … Kiemen?
Während Doc Walid, Nightingale, Abi und die Füchse hinter allerlei magischem Getier herjagen – es ist nicht nur der Riesenpanther unterwegs! – und hinter demjenigen, der die Ungeheuer beschwört, wird Peter Grant aus seinem Familienurlaub aufgescheucht, um sich im Leichenschauhaus ein Mordopfer anzusehen, mit dem irgendwas nicht stimmt. Der Tote ist muskulös, von gedrungener Gestalt – und er hat Kiemen! Er ist also ein … was? Aquamann? Ein Selkie? Die Herrschaften von der Londoner Magiepolizei sind ratlos. Selbst Flussgöttin Beverly staunt: So ein Wesen hat sie noch nie gesehen!
Auch Ione Seaton, die Studentin, die Abigail bei ihrer Jagd nach dem magischen Panther kennenlernt, gehört einer Spezies der Fae an, der keiner unserer Magie-Expert:innen je begegnet ist. Sie ist aber etwas anderes als der Kiemenmann. Kann es sein, dass Iones Sippe hier am Meer das Äquivalent zu Londons Vater Themse und dessen Flussgötter-Verwandtschaft ist? Sieht fast so aus …
Eine Geologin wird vermisst. Was weiß ihr Chef?
Im Lauf der Ermittlungen erfahren Peter Grant und sein Kollege vor Ort, Martin Blinschell, dass eine junge Geologin vermisst wird: Alice MacDuffie. Ihr Verschwinden fällt zeitlich mit dem Auftauchen des Kiemenmanns zusammen. Alice hat Forschungen für ein Unternehmen betrieben. Und das ist nicht die einzige Spur, die zu dieser Firma und zu einem dubiosen Politiker führt. Nicht nur Peter Grant und seine Frau, sondern auch wir Leser:innen vermuten hier schnell einen Zusammenhang: Was, wenn diese Firma etwas treibt, das den Wasserwesen nicht in den Kram passt?
Jaaaa! Dieses Buch hat einen roten Faden! Und ausnahmsweise mal nicht in Gestalt eines total verwurstelten Wollknäuels! 😉
Dramatischer Showdown auf dem Meer
Peter und DS Blinschell fühlen der Firma auf den Zahn, Beverly steuert ihre Expertise als Flussgöttin und Technikerin bei. Und sie kommen Unfassbarem auf die Spur! Zum dramatischen Showdown kommt es dann auf und im Meer und wir müssen um Beverlys Leben bangen. Denn uns allen ist klar: Im Meer ist ihre Flussgöttinnen-Magie nicht viel wert …
Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht von Peter Grant und seiner Cousine Abigail erzählt. (Im Zweifelsfall auf die Zeiten achten: Abi erzählt in der Gegenwarts-, Peter in der Vergangenheitsform.)
Ich mag Abigail und ihre sprechenden Füchse. Meines Erachtens sind das die besten und unterhaltsamsten magischen Viecher, die der Autor für diese Reihe ersonnen hat. Auch Abis neue Freundin Ione hat ein paar ausgesprochen interessante übernatürliche Fähigkeiten. (Was passiert eigentlich, wenn ihr magischer Silberschal mal verlorengeht oder ruiniert wird? Gibt’s dann Ersatz?)
Sarkasmus, Sachschäden und Zauberei
Peter hat neben den Ermittlungen auch viele Gelegenheiten, seinen „nerdigen Architekturfimmel“ (Seite 355) auszuleben und über die Gestaltung diverser Gebäude abzulästern. Und über Politik, das sowieso. Sein Sarkasmus gehört ebenso zu der Reihe wie Magie und Sachschäden. Obwohl … dieses Mal geht gar nicht so viel kaputt.
Mir scheint, es gibt hier auch nicht ganz so viele Figuren und Handlungsstränge wie sonst. Das eine oder andere Mal musste ich aber schon zurückblättern und nachsehen, wer denn nun wieder Bridget, Elric oder Donnie ist. Und die wichtigen Leute aus der fraglichen Firma konnte ich auch nicht auseinanderhalten. Aber ich habe wenigstens beizeiten kapiert, worum es in der Geschichte überhaupt geht. Das ist bei dieser Reihe keine Selbstverständlichkeit.
Phantasievoll, schräg und spannend
In DIE MEERJUNGFRAUEN VON ABERDEEN geht es auf phantasievolle, schräge und spannende Weise ordentlich rund. Es gibt auch einiges zum Schmunzeln und zum Kichern. Und ich ziehe meinen Hut vor der Übersetzerin Christine Blum: Sie stand nicht nur vor der Aufgabe, die sprachlichen Besonderheiten des Schottischen ins Deutsche zu übertragen, sondern musste sich streckenweise mit sehr spezifischem Technik-Vokabular herumplagen.
In den letzten 13 Jahren habe ich alle 10 Bände der Peter-Grant-Reihe gelesen und auch die 6 Spin-offs. Die Reihe hat ihre Höhen und Tiefen. Diesen Band hier fand ich wieder so richtig klasse. Und ich bin durchaus offen für weitere magische Abenteuer.
Der Autor
Ben Aaronovitch wuchs in einer politisch engagierten, diskussionsfreudigen Familie in Nordlondon auf. Er hat Drehbücher für viele TV-Serien, darunter ›Doctor Who‹, geschrieben und als Buchhändler gearbeitet. Inzwischen widmet er sich ganz dem Schreiben. Er lebt nach wie vor in London. Seine Fantasy-Reihe um den Londoner Polizisten Peter Grant mit übersinnlichen Kräften eroberte die internationalen Bestsellerlisten im Sturm.
Die Übersetzerin
Christine Blum, geboren 1974 in Freiburg im Breisgau, studierte Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaften, Russische Literatur, Musikwissenschaft und kurze Zeit auch Medizin. Seit 2002 übersetzt sie aus dem Englischen und Russischen. Für dtv überträgt sie u. a. Ben Aaronovitch ins Deutsche.
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Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
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