Angelika Godau: Merhaba, ich Esel! (Türkei für Anfänger, Band 11), Zweibrücken 2026, Independently published, ISBN 978-3-56563512-2, Softcover, 293 Seiten, Format: 12,5 x 1,7 x 19 cm, Buch: EUR 13,99, Kindle: EUR 4,99.

„Oh Mann, Cem, kann das Leben nicht einfach mal geradeaus laufen? Alles problemlos und langweilig?“
(Seite 157)
„Offenbar bist du dafür nicht geboren.“
Ein ruhiges Leben ist Yusuf Karamak (fast 50), dem Türken, der kein Türkisch spricht, auch in Band 11 nicht vergönnt. Dafür ist hauptsächlich seine große chaotische Familie verantwortlich, mit der zusammen er seit rund zwei Jahren ein Hotel in Side betreibt.
Yusuf muss endlich Türkisch lernen!
Dass er nicht alles mitkriegt, was in seinem Betrieb läuft, liegt aber hauptsächlich daran, dass er noch immer kein Türkisch spricht. Wer ein Problem hat, geht damit zum mehrsprachigen Geschäftsführer Mehmet oder zu Yusufs Mutter Hatice, die mit eiserner Hand über die Hotelküche herrscht. Oder sie wenden sich an seine patente deutsche Frau Marie, die inzwischen nahezu fließend die Landessprache spricht, genau wie seine erwachsenen Kinder Elyas und Dilek, die, wie Yusuf, in Deutschland geboren und aufgewachsen sind.
So kann das nicht weitergehen, und der diesbezüglich talentfreie Yusuf nimmt sich fest vor, wenigstens jeden Tag ein türkisches Wort zu lernen. Sein Kumpel, der Schlagersänger Cem, lacht sich scheckig, als er das hört:
„Cool, wenn man davon ausgeht, dass die türkische Sprache etwa 100.000 Wörter hat, bist du schon in 274 Jahren fertig.“
(Seite 179)
Der Ernst des Lebens
Doch nicht nur diesen beiden Herren vergeht das Lachen schnell. Abgesehen von ein paar Kabbeleien zwischen Yusuf und seiner Frau und den scharfzüngigen Wortgefechten von Hatice (70+) und deren Schwiegermutter (90), werden Familie und Freunde dieses Mal mit den ernsten Themen des Lebens konfrontiert.
Ein tragisches Ereignis hat sich schon im letzten Band abgezeichnet: Kerem, der schwer kranke Stiefvater der achtjährigen Halbwaise Aylin, liegt im Sterben. Geplant ist, dass Cem und sein Lebensgefährte Akif die Kleine adoptieren und mit nach Berlin nehmen, was aus juristischen Gründen gar nicht so einfach ist. Es wäre wesentlich leichter, wenn der Erzeuger des Kindes sich zu seiner Vaterschaft bekennen würde. Warum sich der Mann – einer von Yusufs angeheirateten Verwandten – standhaft weigert, dies zu tun, ist dem Hotelier ein Rätsel. Da kann sich sein väterlicher Freund Mustafa (75) noch so bemühen, es ihm zu erklären: Die türkischen Traditionen und Moralvorstellungen bleiben Yusuf weitgehend fremd.
Klappt das jetzt mit Aylins Adoption?
Die Sache geht ihn eigentlich gar nichts an, aber weil ihm das Mädchen leidtut, bittet er den launischen Anwalt Bilgim um Hilfe. Dieser Mann ist schwer einzuschätzen. Mal überlässt er freundlich und großzügig der Familie Karamak ein Grundstück mit Stallungen für ihre vielen Tiere. Marie ist ja im Tierschutz aktiv. Und dann ist er plötzlich ohne ersichtlichen Grund reserviert bis feindselig. Ist das auch wieder so ein Kulturding?
Manches wäre sicher leichter, wenn sich Yusuf und Bilgim ohne Dolmetscher verständigen könnten. Nun, das Problem ist bekannt aber nicht so schnell zu lösen. Jetzt geht es vordringlich darum, ob der Anwalt helfen will und kann oder ob Aylin doch in ein Kinderheim muss.
Dilek will heiraten, Elyas erleidet einen Schicksalsschlag
Das ist noch nicht alles: Yusufs flatterhafte Tochter verblüfft die Familie mit der Nachricht, einen jungen Koch heiraten zu wollen, den sie erst seit wenigen Wochen kennt. Ist das ihr Ernst oder braucht sie nur wieder Aufmerksamkeit? Yusuf reagiert panisch, seine Frau deutlich gelassener. Und unser Held muss sich eingestehen, dass er die Frauen ebenso wenig versteht wie die türkische Kultur.
Sohn Elyas, bisher ein egoistischer Bruder Leichtfuß, muss der bitteren Realität ins Auge sehen, und seine Eltern können ihm nicht helfen. Yusuf hat nicht den Hauch einer Ahnung, wie er auf die Situation reagieren soll. Und wieder einmal ist der Rat seines lebenserfahrenen Freundes Mustafa Gold wert. Man kann also tatsächlich aus den Fehlern anderer lernen!
Erstaunliche Entwicklungen
Mustafa ist meine Lieblings-Nebenfigur. Ich finde, jeder sollte so einen klugen Freund haben – und zu gegebener Zeit zu einem solchen werden. Eine andere Nebenfigur, der tierliebe und schlitzohrige Hoca, hat mich überrascht. Der kann tatsächlich mehr als schnorren, nerven und Sprüche klopfen! Jetzt warte ich nur noch darauf, dass Yusufs biestige Mutter einmal etwas Freundliches und Selbstloses tut. Das wäre für mich die größte Überraschung. Na, vielleicht im nächsten (und letzten) Band!
Wieder habe ich einiges gelernt über verschiedene Kulturen und deren Wertvorstellungen – und über die Menschen im Allgemeinen.
Ich verfolge die Reihe von Anfang an und bin so stolz auf die Entwicklung mancher Romanfiguren, als wäre ich persönlich dafür verantwortlich. 😉 Yusuf kümmert sich zwar immer noch zu viel um anderer Leute Angelegenheiten, weil er unbedingt helfen will, aber er lässt sich längst nicht mehr alles gefallen. Wenn er merkt, dass er manipuliert oder ausgenutzt werden soll, kann er inzwischen ganz schön kiebig werden. Und auch Cem ist nicht mehr der naive Gschaftlhuber, der er zu Beginn der Reihe war. Er war schon immer ein Guter, aber jetzt denkt er nach, bevor er handelt und stiftet dadurch deutlich mehr Wohltaten als Chaos. Selbst Elyas und Duran (der Ältere) haben sich weiterentwickelt. Was die richtige Partnerin nicht alles bewirken kann!
Ist ein Crossover geplant?
Wenn ich recht verstanden habe, steht uns ein Crossover mit Angelika Godaus Buchreihe 5 ALTE SCHACHTELN ins Haus. Diese 5 Damen scheinen zumindest einen Aufenthalt im Hotel Günes in Erwägung zu ziehen. Gute Idee! Würde wenigstens ein Teil der Freundinnen gelegentlich dort Urlaub machen, bekämen wir Fans auch nach Abschluss der Reihe TÜRKEI FÜR ANFÄNGER mit, was bei Familie Karamak gerade los ist. Ja, das würde mir gefallen!
Die Autorin
Angelika Godau, geboren in Oberbayern, hat in verschiedenen Regionen Deutschlands gelebt und fast 10 Jahre lang in der Türkei. Sie hat als Journalistin gearbeitet, Psychologie studiert und in Mannheim eine eigene Praxis betrieben. Heute lebt sie mit ihrem Mann, zwei Hunden und einer Katze in Zweibrücken, schreibt Bücher und engagiert sich im Tierschutz.
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Rezensentin: Edith Nebel
E-Mail: EdithNebel@aol.com
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Liebe Edith, wie immer ist es dir gelungen,
mich mit deiner wundervollen Rezension davon zu überzeugen, meine eigenen Bücher mal zu lesen😂Dir fallen immer Dinge auf, die ich gut für den nächsten Band gebrauchen kann, auch dafür meinen allerherzlichsten Dank♥️♥️