Lieblingsbeschäftigung: Hühner füttern

Urlaub auf dem Bauernhof in den 60-er Jahren
Ganz selbstverständlich reisen Neffen und Nichten, Kinder und Enkel heute in aller Welt herum und kommen aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus, wenn man ihnen erzählt, dass man selbst mit 14 Jahren zum ersten Mal das Meer gesehen hat und die erste Flugreise unternahm, als man bereits erwachsen war.

Vor Mitte der 60-er Jahre hat unsere Familie gar keinen Urlaub gemacht. Es wurde ein Haus gebaut und erst Anfang der Sechziger machte mein Vater den Autoführerschein und kaufte einen Pkw. Vorher hatte er ’žnur’œ ein Motorrad.

Von dem Zeitpunkt an gab es aber kein Halten mehr. Nach ein paar ’žGeneralproben’œ ’“ Tagesausflüge in die nähere Umgebung ’“ wurde es Ernst. Urlaub!

Der VW-Käfer wurde mit dem halben Hausrat beladen. Was nicht in den Kofferraum und ins Wageninnere passte, wurde auf den Dachgepäckträger verfrachtet und mit einer schwarz-gelb-gestreiften Plane abgedeckt. So wurde aus dem Käfer ein urlaubstauglicher ’žKartoffelkäfer’œ, und es ging nach Kärnten an den Faakersee, nach Unterferlach zur Familie A. Urlaub auf dem Bauernhof. Und das war immer ein unglaubliches Erlebnis für mich. Hühner füttern, Traktor fahren, Brot backen, im See schwimmen. Auch wenn man mich da mal als halbe Leiche herausziehen musste, weil ich in meinem kindlichen Überschwang nicht berechnet hatte, dass ich ja auch wieder zurückschwimmen musste. Mitten im See verließen mich die Kräfte. Zum Glück war ein geistesgegenwärtiger Schwimmer in der Nähe, der mich auf seine Luftmatratze zog und mit mir ans Ufer paddelte. Erst Jahre später haben meine Eltern von diesem Ereignis erfahren.

Als ein Hühnerküken eines Nachts in den Gummistiefel des Bauern kroch und dort erstickte, war ich untröstlich und wollte unbedingt Tierärztin werden und alle Tiere retten. Ganz so ist es nicht gekommen, aber Tiere und Tiergeschichten begleiten mich bis heute privat und beruflich.

Faakersee

Ich bin später viel gereist, mit der Familie und geschäftlich, aber so detailliert wie mein ersten drei Urlaube in Kärnten bei Familie A. ist mir keine Reise je im Gedächtnis geblieben. Ich kenne heute noch die Namen aller Bauernhofbewohner, weiß noch, wie der ortsansässige Fleischermeister hieß und erinnere mich an die liebenswürdige Marotte der Bauersfrau, die Küchenuhr immer 20 Minuten vorgehen zu lassen. Weil es so ein gutes Gefühl sei, erst zu denken: ’žMeine Güte, schon so spät!’œ ’“ und dann die Erleichterung darüber zu spüren, dass man doch noch 20 Minuten länger Zeit hat.

Auch an meine Spielkameradin aus dem Ruhrgebiet, die wir Jahr für Jahr auf dem Hof trafen. Carola Z. hieß sie. Was wohl aus ihr geworden ist?

Bei der Familie A. gab es das beste Frühstück der Welt ’“ mit frischen Brötchen, frischer Butter, köstlicher Marmelade und kuhwarmer Milch. Nirgendwo auf der Welt hat mir je wieder ein Frühstück so wunderbar geschmeckt.

Und kein Mensch kann sich vorstellen, wie unglaublich stolz ich war, als meine Mutter sich auf einem Melkschemel setzte und anstandslos eine Kuh molk. Meine Mama konnte das. Und die Mütter der Stadtkinder konnten das nicht!

Seit Jahren rede ich davon, da wieder mal hinzufahren und zu gucken, ob der Bauernhof noch steht und der große Kastanienbaum davor. Wahrscheinlich ist der Hof heute im Besitz einer der Söhne, Siggi oder Franzl. Ob sie sich wohl noch daran erinnern können, dass sie mir damals meine leuchtfarbenen Mickymaus-Aufkleber aus den Comic-Heften stibitzt haben …

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