Claus Beese: Petri Heil, Herr Pastor

Claus Beese: Petri Heil, Herr Pastor, Goldebek 2010, Mohland Verlag D. Peters Nachf., ISBN 978-3-86675-123-1, Softcover, 130 Seiten, mit s/w-Illustrationen von Coprnelia Ott, Format: 14,5 x 20,5 x 0,5 cm, EUR 8,50

Pastor Jan Heinrich Klaaspedder aus Düwelsdorf hat ein Problem: Er hat ein Auge auf die hübsche Katrin Petersen geworfen, aber ausgerechnet deren Vater lässt sich seit 20 Jahren nicht mehr in der Kirche sehen. Lieber geht er sonntags angeln. Dafür hat er zwar nachvollziehbare Gründe, doch als möglicher Schwiegervater eines Geistlichen ist er mit dieser Einstellung ein Totalausfall.

In einem Moment der Frustration lässt sich Pastor Klaaspedder zu einer flammenden Predigt gegen das Angeln hinreißen. Den Frauen der Gemeinde, die ebenfalls der Meinung sind, dass ihre Göttergatten ihre Zeit sinnvoller verbringen könnten als mit Herumsitzen und Fischefangen, gefällt das natürlich. Die Mitglieder des örtlichen Angelvereins dagegen sind entsetzt, alldieweil ihre besseren Hälften sogleich mit Hinweis auf die Predigt die Angelausrüstung ihrer Ehemänner konfiszieren und wegsperren.

Auch bei Katrin Petersen hat es sich der Pastor mit seiner spontanen Anti-Angler-Rede verscherzt. Es gefällt ihr nicht dass er den Männern im Dorf ihre Freizeitbeschäftigung madig macht. Und zu seinem Entsetzen erfährt der Pastor, dass Fräulein Katrin nur einen Angler zum Mann will. ’žWeil nämlich Angler ein Auge für die kleinen Schönheiten und Wunder der Natur haben, ruhig, gütig und geduldig sind und in ihrer Seele friedvoll und rein.’œ (Seite 23)

Die Lösung liegt auf der Hand: Der Pastor muss angeln lernen. Und wer wäre ein besserer Lehrmeister als Katrins Vater, Maurermeister Peter Petersen? Der durchschaut zwar schnell die fadenscheinigen Begründungen, die der Pastor vorschiebt, doch was soll’™s? Schaden kann es auf keinen Fall, wenn der Gottesmann weiß, wie man Fische fängt. Und das nicht nur, weil Petrus und ein paar weitere Jünger Jesu Fischer von Beruf waren. Vielleicht entwickelt Klaaspedder dann auch mehr Verständnis für die Männer seiner Gemeinde, denkt sich Petersen und willigt ein, den Pastor zu unterrichten.

Damit nicht gleich die ganze Gemeinde mitkriegt, was die beiden Herren vorhaben, machen sie sich nachts um halb drei auf den Weg an den Mühlenteich. Dort traut sich von der Gemeinde niemand hin, weil sich seit Jahrzehnten eine Spukgeschichte um das Gewässer rankt: Ein Ungeheuer soll vor 30 Jahren den Müller in den Teich gezogen haben. Die Schleifspur hat man gefunden, der Müller war weg.

Was niemand gedacht hätte: Der geistliche Anglerfeind Klaaspedder erweist sich als gelehriger Schüler. Und die Angelei macht ihm sogar einen Riesenspaß! Manchmal zieht er nachts alleine los. Nur zugeben kann er das nicht. Erstens wäre ihm sein Sinneswandel peinlich und zweitens ist sein nächtliches Tun illegal.

Doch wie das so ist auf dem Dorf: Nichts bleibt lange geheim. Bald heißt es beim Angelverein Düwelsdorf: ’žUnser Vereinskamerad Anton Schnibbel hat dem Vorstand gemeldet, dass am Mühlenteich ein Fischdieb sein Unwesen treibt!’œ (Seite 82). Eindeutige Fußspuren hat Anton dort entdeckt. Noch kann Peter Petersen mit einer kleinen Notlüge weitere Nachforschungen verhindern, doch als der Pastor eines Tages verspätet und mit lehmverschmierten Gummistiefeln in der Kirche erscheint, um gleich nach der Trauungszeremonie wieder hektisch zu verschwinden, weckt dies den Argwohn des Vereinsvorsitzenden. Heimlich folgt er dem Pastor ’“ und ertappt ihn auf frischer Tat!

Jetzt ist alles aus! An offiziellen Ermittlungen führt kein Weg mehr vorbei. Und ein überführter Schwarzangler ist weder als Pastor noch als Ehemann und Schwiegersohn tragbar.

Ein Gutes hat die Beschäftigung des Pastors mit dem Mühlenteich und seiner Legende wenigstens: Er hat es geschafft, das Schicksal des vor 30 Jahren verschwundenen Müllers zu klären. Aber privat und beruflich ist Klaaspedder unwiderruflich erledigt. Nur ein Wunder könnte ihn noch retten!

Doch die Petersens, die das Gefühl haben, den Geistlichen in den Schlammassel hineingeritten zu haben, sind nicht bereit, so schnell die Flinte ins Korn bzw. die Angel in den Mühlenteich zu werfen. Peter Petersen hat auch schon eine Idee, wie man den Pastor vielleicht aus der Geschichte herauspauken könnte. Aber die Chancen sind minimal, und die Zeit läuft …

Ein Artikel in einer alten Anglerzeitschrift war die Inspiration für diese heiter-philosophische Novelle mit einem Hauch von Kriminalroman. Man kichert und schmunzelt über die haarsträubenden Situationen, in die sich der junge Pfarrer durch seine neu entdeckte Angelleidenschaft bringt. Und man amüsiert sich über die gerissenen Dörfler und ihre überaus kreativen Problemlösungen.

Man kann auch nicht umhin, über den Disput zwischen dem Pastor und dem Angelfreund Petersen nachzudenken: Kann einem gläubigen Menschen Gott nicht auch in der freien Natur begegnen? Braucht es dazu unbedingt eine Kirche? Und macht es jemanden zu einem schlechteren Menschen oder schlechteren Christen, wenn er zwar nach den Grundsätzen des Glaubens lebt, aber den Gottesdiensten fernbleibt?

Spannend ist die Geschichte auch noch: Was ist damals wirklich mit dem Müller passiert? Hat ihn tatsächlich ein Monster in den Mühlenteich gezogen? Oder war’™s ein gigantischer Wels, wie die Angler vermuten? Vielleicht steckt aber auch etwas ganz anderes dahinter. Und schließlich steht noch die zentrale Frage im Raum: Wird es ein Happy End geben für den illegal angelnden Pastor?

Treffend illustriert wurde die unterhaltsame Novelle des in Bremen lebenden Autors von Cornelia Ott aus München. Eine Nord-Süd-Kooperation, die sich sehen lassen kann! Das Buch ist übrigens nicht nur für Freunde des Angelsports ideal, es interessiert und amüsiert auch Leserinnen und Leser, die allenfalls mal einen Tiefkühlfisch nach Hause bringen.

Was man alles für eine Rezension braucht! Buch, Block, Stift und Brille. Und sogar ein Lineal.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com
     
http:// edithnebel.wordpress.com

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