Marokko: Fakten, Fakten, Fakten (Stand 2000)

Jetzt hoff’ ich doch, dass uns die Jungs dort unten keinen Bullshit erzählt haben, als sie uns mit Fakten bombardierten. Haben sie gelogen, dann lüg ich jetzt auch:

  • Rund 30 Mio Einwohner hat Marokko. So ganz genau wissen sie das nicht, denn die Nomaden z.B. sind nirgendwo registriert.
  • 57% sind Berber (mehr im Süden)
  • 31% sind Araber (mehr im Norden)
  • Die restlichen 12% sind „sonstige“. Schwarzafrikaner, z.B., die Nachkommen der Sklaven, die einst die Königsstädte gebaut haben.
  • Woher die Berber ursprünglich kommen, weiß man wohl nicht so genau. Aus dem Jemen, möglicherweise. Es gibt da diverse krause Theorien. Im 8. Jahrhundert kamen die Araber ins Land und islamisierten nach 2 Jahren Krieg die Berber, die bis dato eine Naturreligion gehabt hatten. So ganz grün sind sich die beiden Volksgruppen immer noch nicht. Die Berber haben eine eigene Kultur, eigene Sprache(n) und eine eigene Schrift. Mit den Arabern hätte man lediglich die Staatsangehörigkeit, die Religion und die äußere Erscheinung gemeinsam, hieß es häufig.

    Um Berber und Araber »zusammenzuschmieden« betreibt der Staat eine Politik der Vermischung. Wenn einer einen Job beim Staat hat, wird danach geschaut, ob er Berber oder Araber ist. Ein Araber bekommt einen Job im Berbergebiet und umgekehrt. Die Politik scheint zu greifen, berichtete uns ein Reiseleiter. Es gibt nun schon Mischehen. Was früher undenkbar gewesen sei. Und so langsam entwickle sich aus berberisch und arabisch eine »Mischsprache«. Das mit den Sprachen fand ich sowieso faszinierend. Was es da nicht alles gibt!

  • 3 Berbersprachen, die so unterschiedlich ist, dass Angehörige verschiedener Stämme in Französisch oder arabisch miteinander sprechen müssen, um sich zu verstehen.
  • Das marokkanische Arabisch
  • Hocharabisch oder Literaturarabisch, das in allen arabischen Ländern verstanden wird.
  • Und zusätzlich lernt jeder Schüler ab dem 9. Lebensjahr noch französisch. Geht jemand ins Gymnasium, kommt eine weitere Fremdsprache hinzu. Ein Berber auf dem Gymmi spricht also bis zu 5 Sprachen: Berberisch, marokkanisch, hocharabisch französisch und dann noch eben diese weitere Fremdsprache.
  • Was haben sie uns sonst noch alles erzählt…? Ab 300 Einwohnern muss ein Dorf ein städtisches Krankenhaus haben. (Das ist mehr was für die Bedürftigen. Privatkliniken in den Städten sind besser ausgestattet. Aber das kostet natürlich …) In kleineren Ortschaften gibt’s Naturheilkundige, die die Leute behandeln. Klang übrigens gar nicht schlecht, was man von dieser Naturheilkunde hörte. Auf Hokuspokus stehe ich ja nun gar nicht, aber ich werde mit Sicherheit mal Schwarzkümmel gegen Erkältung ausprobieren oder Kreuzkümmel gegen Verdauungsbeschwerden. Könnte funktionieren. Kräuter und ätherische Öle nimmt man hierzulande ja auch.

  • Es gibt durchschnittlich 3,2 Kinder pro Familie. Und Familienplanung sei vom Islam verboten.
  • 20% Arbeitslose hat das Land. Und Arbeitslosengeld gibt’s bislang noch nicht. Aber sie sind dran.
  • Renten- und Krankenversicherung gibt es, allerdings freiwillig.
  • Von 1912 bis 1956 war Marokko eine französische Kolonie. Und ist heut noch wirtschaftlich von Frank reich (und Spanien) abhängig.
  • 49% der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft, 11% von der Fischerei/Fischindustrie und 8% vom Tourismus.
  • Islam
    Der Freitag ist in Marokko ein Arbeitstag – Wochenende ist seit der französischen Kolonialzeit Samstag und Sonntag. Aber wie in anderen islamischen Ländern gilt der Freitag als heiliger Tag. Mittags wird zum gemeinschaftlichen Gebet in der Moschee gerufen. Freitags ist Mittagspause deshalb extra eine Stunde länger (12:00 Uhr bis 15:00 Uhr anstatt 12:00 Uhr bis 14:00 Uhr), damit man an diesem gemeinsamen Gebet teilnehmen kann.Freitags werden an heiligen Plätzen Almosen an die Bedürftigen verteilt. Auch auf Friedhöfen. Man legt Datteln, Münzen, Schmuck auf die Gräber, und die Bedürftigen können sich die Almosen dort holen. Almosen zu geben gehört zu den 5 Pfeilern des Islam, die da wären:

  • Das Bekenntnis zu Allah als dem einzigen Gott und zu Mohammed, seinem Propheten
  • Das Gebet, das fünfmal täglich nach Osten gewandt vollzogen wird.
  • Das Fasten im Monat Ramadan
  • Die Pilgerfahrt nach Mekka einmal im Leben
  • Das Almosengeben an Bedürftige.
  • Auch von der islamischen Sitte der Beschneidung erzählte man uns. Nur beschnittene Männer gelten als rein und dürften eine Moschee betreten. Kleine Jungs müssen daher spätestens mit 7 Jahren beschnitten werden. In der Stadt macht das der Arzt, auf’m Land der Friseur. Quasi als „Entschädigung“ für die Schmerzen Eingriffs gibt’s für den Jungen ein Fest und Geschenke. Am Freitag nach der Beschneidung kriegt ein weißes Gewand angezogen und darf mit dem Vater zum ersten Mal in die Moschee gehen zum gemeinsamen Gebet.

    Aberglauben gibt’s natürlich auch. Obwohl man nur Allah beten soll, pilgern trotzdem vor allem Frauen zu Marabouts, den Grabstätten von Heiligen, verteilen dort Almosen und bitten um Hilfe und Wunder. Gern gesehen wird das nicht, weil’s ja dem Islam zuwiderläuft. Das Vorgehen der Leute unterscheidet sich nicht groß von der Heiligenverehrung im Katholizismus, dachte ich mir. Das Bedürfnis nach Beistand einer höheren Macht und nach Wundern scheint einfach ein menschliches zu sein … ganz egal wo auf der Welt.

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