Leben in der Warteschleife

Jetzt wurstle ich seit einem Monat als Neu-Single bzw. Witwe vor mich hin und fühle mich wie im Wartestand. Nur: Worauf warte ich eigentlich? Darauf, dass der Schmerz nachlässt? Dass das Leben wieder irgendwie lebenswert wird? Dass eine wie auch immer geartete Normalität einkehrt? Dass alles wieder gut wird?

Es gibt nach wie vor Momente, in denen ich denke, das darf doch alles nicht wahr sein. Insbesondere, wenn ich in der Küche vor mich hinwirtschafte, was ja immer sein Reich war. Er war ein klasse Koch, ich war da nur der Hiwi. Krame ich in den Schränken und Regalen, fühle ich mich wie ein Eindringling. Hat er nie gern gesehen, wenn ich ihm alles durcheinanderbrachte. Gestern ertappte ich mich bei dem Gedanken: „So, nun ist aber gut. Schluss mit den Faxen, wird Zeit, dass du wieder übernimmst!“

Ja, Scheiße war’s. Auch das ist jetzt mein Job.

Wahrscheinlich wäre es leichter, ich würde anderswo neu anfangen. Aber einen Umzug kriege ich momentan wirklich nicht geregelt. Das übersteigt meine Kräfte. Ich allein mit dem ganzen Krempel? Zehntausend Bücher? Da krieg ich vollends die Meise. Und wo soll ich hin? Ins Elternhaus? Nein, jetzt noch nicht. Aus Gründen. In ein paar Jahren, vielleicht.

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5 Kommentare

  1. Liebe Edith,

    diese Fragen kann wohl so richtig vollständig keiner beantworten. Versuche einen Teil von dem zu erpbern, den du zuvor nicht beherrscht hast. Das ist sicherlich ein Weg mit dem Neuen zu beginnen. Was unbedingt Eigenes, Neues zu beginnen, übersteigt wohl jedermans und jederfraus Kräfte. Das ist Sache der Zeit, die vergehen muss.
    Ich bin menen Gedanken oft bei dir und wünsche dir weiterhin Kraft.
    Sei herzlich gegrüßt

  2. Ich danke dir, Rainer. Ich weiß ja, du hast wahrlich selber genug Sorgen. Schön, dass du dennoch ein bisschen an mich denkst.

  3. Liebe Edith,
    hab ein wenig Geduld mit dir! Mir scheint, dass du ganz ungeduldig bist, weil du jetzt schon einen Monat in deinem Trauerzustand bist und nicht weißt, was tun, wohin gehen und warum der Schmerz nicht schneller nachlässt …

    Ich finde, du hast jedes Recht dir für alles Zeit zu nehmen. Niemand – auch du nicht – kann von dir erwarten, dass du einfach wieder zum Alltag übergehst.

    Alles Liebe von Susi.

  4. Liebe Frau Nebel

    mein Mann ist schon vor acht Monaten verstorben und es geht mir immer noch so schlecht. Und ich weine, wenn es schlimm ist und ich immer an ihn denken muss. Die Menschen die mir alles mögliche sagen, denen höre ich nicht mehr zu. Was wissen die denn schon von meinen Gefühlen, nichts. Mein Mann und ich sind vor neun Monaten umgezogen und jetzt bin ich alleine hier, aber ich ziehe nicht um, auch wenn alle mir zureden. Hier war er nur wenige Tage, aber er war hier mit mir, und ich fühle, wie er noch bei mir ist, das tröstet mich.
    Und Sie haben alle Zeit der Welt um traurig zu sein. Wenn ich Ihnen nicht mehr schreiben soll, sagen Sie es mir.

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