Bärbel Oftring: Voll eklig. 55 eklige Dinge und was dahintersteckt (6 – 8 Jahre)

Bärbel Oftring: Voll eklig. 55 eklige Dinge und was dahintersteckt (6 – 8 Jahre), Bern 2014, Haupt Verlag, ISBN 978-3-258-07843-4, Softcover, 129 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen, u.a. mit Illustrationen von Roberta Bergmann und Tonia Wiatrowski, Format: 25,8 x 23,4 x 1,2 cm, EUR 19,90.

Abbildung: © Haupt Verlag
Abbildung: © Haupt Verlag

Welches Kind begeistert sich nicht für Igittigitt-Themen? Hier werden 55 eklige Dinge in alphabetischer Reihenfolge vorgestellt und auf kindgerechtem Niveau wissenschaftlich erklärt.

Von Aas über Kadaver, Kot und Mundgeruch bis hin zu Spinnen, Würmern und Zecken bekommt der interessierte Leser/die interessierte Leserin auf je einer Doppelseite eine kurze Beschreibung des Ekelobjekts und ein paar griffige Begründungen dafür, warum es den Menschen vor diesem Tier, Objekt oder Phänomen graust. In sehr vielen Fällen gibt es ja gute Gründe dafür: eine ausgeprägte Abscheu verhindert den Kontakt mit Dingen (Kadaver, Schimmelpilzen, Schlangen, fremden Körperausscheidungen), die giftig oder auf andere Weise krankmachend und gefährlich sein können. Da hat der Ekel eine Schutzfunktion. Die Ekelgefühle manchen Objekten gegenüber sind hingegen erlernt, kulturell bedingt und zu nichts weiter nütze. Was bringt’s wenn man sich vor Käse, Schnecken oder Körperbehaarung gruselt?

Zu jedem Objekt gibt es eine Quizfrage, die gar nicht so leicht zu beantworten ist, nicht einmal für Erwachsene, die den entsprechenden Textbeitrag gründlich gelesen haben. Auf den Seiten 124 bis 128 findet man die richtigen Antworten und jeweils eine kurze Erläuterung dazu.

Es gibt Forscheraufgaben und Ekel-Experimente für die jungen Leserinnen und Leser, die dem seriösen Erkenntnisgewinn dienen. Infokästen, die mit „Aha“ überschrieben sind, liefern interessante Zusatzinformationen, die Rubriken „Noch ekliger“ und „Rekord“ treiben das Thema der jeweiligen Doppelseite auf die Spitze. Die „Nicht-mehr-ekeln-Tipps“ gewinnen dem Ekel-Gegenstand positive Seiten ab und das „Ekel-Rezept“ ist eine Jux-Rubrik, die zeigt, wie man leckere Speisen zubereitet, die ein bisschen gruselig aussehen. Würstchen werden als „blutige Finger“ zurechtgemacht und die „Augäpfel in Eiter“ sind in Wahrheit eine Süßspeise. Das wäre doch was für Halloween!

Zu Beginn jedes neuen Ekelthemas steht ein „Ekelbarometer“. Da kann man auf einer Skala markieren, wie widerlich man die beschriebene Sache findet: überhaupt nicht eklig, ein bisschen eklig oder gar schauerlich eklig. Im Anhang hat man dann die Möglichkeit, seine persönliche Ekel-Hitparade einzutragen uns seine „Champions“ in Wort und Bild zu porträtieren.

Die Autorin erklärt die Sachverhalte kurz und knackig. Sie redet nicht um den heißen Brei herum. Wenn sie „kacken“ und „kotzen“ meint, dann schreibt sie das auch. Die Kinder wird’s freuen.

Dieses lehrreiche Buch könnte allerdings eine gewisse Gefahr für den Familienfrieden darstellen, wenn die Kids zum Beispiel ihre neu erworbenen Erkenntnisse bei der nächsten Familienfeier an der Kaffeetafel zum besten geben:

  • „Hör mal, Opa, hast du gewusst, dass vor 400 Jahren die Kaiser und Könige vor den Augen ihrer Gäste auf den Leibstuhl kacken gegangen sind? Iiiiih!“
  • „Stellt euch vor: Früher mal haben die Leute sich eine Pampe aus zermatschten Fliegen in die Haare geschmiert, weil sie geglaubt haben, dass sie dann keine Glatze kriegen!“
  • „Ich hab heut schon fünf Mal gefurzt. Das zähle ich für meine Forscheraufgabe.“
  • „In Indien lebt ein Mann, dem wachsen 13 Zentimeter lange Haare aus den Ohren. Würg!“
  • „Denk nur, Kakerlaken können bis zu 9 Tage ohne Kopf überleben. Dann verhungern sie aber, weil sie ja kein Maul mehr zum Fressen haben.“
  • „Soll ich euch mal sagen, warum es graue, gelbe und grüne Nasenpopel gibt?“

Das sind so die Risiken und Nebenwirkungen der Wissbegier und des Forscherdrangs: Wer etwas gelernt hat, will seine Erkenntnisse mit der Welt teilen, auch wenn diese im Moment gar kein Interesse daran hat. Als Wissender hat man es nicht immer leicht.

Das Buch ist unterhaltsam und sehr informativ. Auf einmal sind Stinkesocken, schimmeliges Brot, Rülpser und Ohrenschmalz nicht mehr nur als abstoßender Ekelkram, sondern spannende Themen, die man mit wissenschaftlicher Gründlichkeit erforschen kann. Selbst als erwachsener Leser lernt man hier noch einiges dazu. Denn wenn man nicht gerade im medizinischen Bereich arbeitet oder Biologie studiert hat, wird man sich mit den wenigsten der 55 hier vorgestellten Themenbereiche eingehender beschäftigt haben.

Ich würde dieses Buch jederzeit an Kids der entsprechenden Altersgruppe verschenken. Und zusehen, dass ich bei der nächsten Familienfeier ganz weit weg bin …

Die Autorin
Bärbel Oftring ist Diplom-Biologin. Ihre Liebe zur Natur setzt sie heute als Autorin, Redakteurin und Herausgeberin von zahlreichen Sachbüchern für Kinder und Erwachsene sowie in verschiedenen Naturforscherprojekten in die Tat um. Ihre Bücher vermitteln auf anschauliche und interessante Weise, was es alles über Tiere und Pflanzen zu entdecken gibt. Sie wurden bereits in mehrere Sprachen übersetzt und mehrfach mit Preisen ausgezeichnet.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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