Elke Seidel: Die Katze, die neue Abenteuer erlebt. Der dritte Fritzi-Kullerkopf-Roman

Elke Seidel: Die Katze, die neue Abenteuer erlebt. Der dritte Fritzi-Kullerkopf-Roman, Norderstedt 2013, BoD Books on Demand, ISBN 978-3-8482-5772-0, Softcover, 172 Seiten mit 12 Illustrationen in Farbe und s/w von Rolf Dörge, Format: 22 x 16,8 x 1,2 cm, Buch: EUR 12,90, Kindle Edition: EUR 9,99.

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Abbildung; © Seidel / Dörge

Die rote Hauskatze Fritzi Kullerkopf lebt nach einer turbulenten Vorgeschichte nun zusammen mit Kater Rüdiger bei der Flughafen-Angestellten Elke. Dort haben sie es gut, werden geliebt und verwöhnt.

Fritzi ist der temperamentvollere und unternehmungslustigere Teil des Katzenduos. Sie kann lesen, schreiben und rechnen, am Computer tippen und sogar googeln. Sie interessiert sich für vieles, stromert gerne in der Gegend herum und hat eine Menge vier- und zweibeinige Freunde, mit denen sie über die sozialen Medien in Kontakt steht. Ihr Partner Rüdiger dagegen setzt freiwillig keinen Fuß vor die Tür und ist hauptsächlich an der Nahrungsaufnahme interessiert. Er ist ein lieber Kerl, aber ein bisschen phlegmatisch.

Sich eigenmächtig auf die Socken zu machen um katzenmutterseelenallein bei einem Tier-Casting für einen Spielfilm vorstellig zu werden, das käme Kater Rüdiger nie in den Sinn. Katze Fritzi aber macht genau das – und wird tatsächlich engagiert. Frauchen Elke wird als Komparsin gleich mitgebucht. Jetzt wäre es natürlich nett, wenn Rüdiger auch noch eine Rolle bekäme. Aber der stellt sich dermaßen an, dass die beiden Damen doch lieber ohne ihn zu den Dreharbeiten fahren und ihn zum Haushüten abkommandieren.

Styling und Kostüme, Kameras, Catering und Kulissen, Tiertrainer, Regisseur und Schauspieler, Proben und Aufnahmen … Fritzi und Elke tauchen ein in eine ganz neue Welt. Und die rote Katzendame sieht sich im Geiste schon als Filmstar.

Während Fritzi auf neue Filmangebote wartet, geht das Alltagsleben weiter: Sie kabbelt sich mit ihrem Rüdiger und lässt sich auf ihren Streifzügen durch die Nachbarschaft die Lebensgeschichten anderer Katzen erzählen. Ehe sie es sich versieht, ist Weihnachten. Und das ist in einem Katzenhaushalt immer so eine Sache … Aus den Menschenritualen werden die Samtpfoten einfach nicht so recht schlau. Woher sollen sie auch wissen, dass die all die schönen Dekorationsobjekte nicht zu ihrer Belustigung angebracht worden sind? Und schon geht die schöne selbstgebastelte Weihnachtskrippe den Weg alles Irdischen. Nicht mal mit deren traurigen Überresten lässt Elke die Katzen spielen! Das wäre doch vollends egal, jetzt, wo das Ding eh schon hin ist, denken die beiden und setzen die nächste Katastrophe in Gang.

Als Elke auch noch wegen eines Notfalls den Nymphensittich und das Zwergkaninchen einer Bekannten für ein paar Tage beherbergen muss, ist das Chaos endgültig am Toben. Fritzi kann nämlich Käfigtüren öffnen. Das führt zu wilden Verfolgungsjagden durch die Wohnung, zu diversen Kollateralschäden an der Einrichtung und zu lebensgefährlichen Situationen für Vogel Carla. Und Fritzi lernt wieder allerhand dazu: Mit Kaninchen Jackie begegnet sie dem ersten Veganer ihres Lebens. Dass jemand lieber Tischbeine als Fisch fressen will, erstaunt sie schon sehr. Aber bitte: jedem Tierchen sein Pläsierchen!

Kaum sind die Besucher wieder abgereist, droht schon das nächste Ungemach: Elke wird krank und muss in die Klinik. In einer Hauruck-Aktion werden Fritzi und Rüdiger bei Freundin Johanna einquartiert. Rüdiger jammert – und Fritzi reißt aus. Ihr Plan: sich zum Bürgerhospital durchzuschlagen und Elke zu besuchen. Hätte sie mal besser vorher auf den Stadtplan geschaut! Weil sie kreuz und quer durch die Gegend irrt und an jeder Ecke einen Artgenossen mit einer interessanten Lebensgeschichte trifft, dauert die „Mission Krankenbesuch“ länger als gedacht. Daheim verzweifeln Johanna und Rüdiger – und Elke darf von ihrem Verschwinden nichts erfahren, um ihre Genesung nicht zu gefährden. Davon weiß Fritzi nichts. Sie unterhält sich bestens, fährt mit dem Bus durch die Gegend und erlebt ein Abenteuer nach dem anderen. Sogar Sauriern begegnet sie. Okay, die sind schon tot und stehen in einem Museum. Aber es sind Saurier.

Zum Glück begegnet sie unterwegs irgendwann einer Bekannten ihrer Dosine: Maria, die gerade selbst auf dem Weg ins Bürgerhospital ist, um Elke zu besuchen. Auch wenn Maria die Katzensprache nicht versteht, kann sie sich doch zusammenreimen dass Fritzi auf der Suche nach ihrem Frauchen ist. Doch bis Fritzis „Wohngemeinschaft“ wieder glücklich im trauten Heim vereint ist, ist noch so manch eine Hürde zu nehmen …

„Fritzi Kullerkopf“ und ihre Romane haben nicht umsonst eine Fangemeinde im Internet. Die Geschichten sind spannend, unterhaltsam und mit einem feinen Humor erzählt. Herrlich sind die Szenen einer Katzenehe! Die großen und kleinen Probleme, die Fritzi und Rüdiger miteinander haben, kommen einem als Mensch irgendwie vertraut vor.

So manch einen real existierenden tierischen und menschlichen Bekannten hat Elke Seidel in die Geschichte mit „eingewoben“. Uschi, Ryan, Moppi und noch ein paar andere „Gaststars“ habe ich erkannt. Und weil sie im realen Leben in verschiedenen Ecken des deutschsprachigen Raums leben, lässt Elke Seidel sie in ihrem jeweiligen Heimatdialekt reden. Für Mundartfreunde wie mich ist das ein besonderes Vergnügen. Wer im einen oder anderen Idiom nicht sattelfest ist, braucht keine Angst zu haben: Eine Übersetzung ins Hochdeutsche wird jeweils mitgeliefert. Dialekt mit Untertiteln, sozusagen

Es kann natürlich sein, dass man sich beim Lesen dieser Textstellen mit der Vielfalt und den Feinheiten der Sprache aufhält und ein bisschen die Handlung aus den Augen verliert. Aber sei’s drum. Den Anschluss findet man schnell wieder. Außerdem hetzt uns ja keiner beim Lesen und die schwätzenden, babbelnden und sabbelnden Katzen machen tierisch Spaß.

Dass es Band 3 einer Serie ist, merkt man an Kleinigkeiten. Manche Nebenfigur muss eine Vorgeschichte haben, die man als Seiteneinsteiger nur erahnen kann. Der Waldschrat, zum Beispiel. Oder Maria. Warum redet Fritzi sie manchmal mit „Zenzi“ an? Das ist eine Kurzform des Namens Kreszentia bzw. Kreszenz und hat mit Maria gar nix zu tun. Den Grund dafür findet man wahrscheinlich in einem der beiden Vorgänger-Bände: DIE KATZE, DIE AUS IHREM LEBEN ERZÄHLT, ISBN 978-3-8423-5552-1, DIE KATZE, DIE AUS IHREM URLAUB BERICHTET, ISBN 978-3-8482-0915-6. Einen Band 4, der direkt an die Geschehnisse des vorliegenden Buchs anknüpft, gibt es auch: DIE KATZE, DIE IHR GLÜCK SUCHT, ISBN 978-3-7386-0343-9. Da erfahren wir dann hoffentlich auch, was es mit Fritzis rätselhaftem Gesundheitszustand auf sich hat …

Fritzi Kullerkopfs Abenteuer sind eine amüsante Lektüre für Katzenfreunde, die so manches darin wiedererkennen werden. Illustrator Rolf Dörge setzt Schlüsselszenen aus der Geschichte gekonnt ins Bild – mit einer niedlichen feuerrot gestreiften Fritzi Kullerkopf.

Die Autorin
Elke Seidel war als Reisebüro-Angestellte und Reiseleiterin tätig und und hat danach viele Jahre am Frankfurter Flughafen gearbeitet. Sie hat an der Frankfurter U3L studiert, wo sie unter anderem an einem kreativen Schreibseminar teilnahm. Sie lebt in Frankfurt.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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