Ein Fuchs im Garten

Ich bin auf dem Dorf aufgewachsen. Als ich klein war, kam hinter unserem Haus nicht mehr viel „Zivilisation“: zwei, drei weitere Wohnhäuser, eine kleine Fabrik und danach Getreidefelder und Wald. Im Wald waren wir oft. Und dennoch ist mir nur ein einziges Mal ein Fuchs auf freier Wildbahn begegnet.

Seit bald 30 Jahren wohne ich jetzt kleinstädtisch. Ich hab ein paar hundert Schritte bis zur Hauptverkehrs- und Haupteinkaufsstraße. Gut, die Mehrfamilienhäuser bilden hier so eine Art Innenhof mit Rasenflächen, Bäumen und Sträuchern. Meisen, Amseln, Tauben und Elstern sieht man da oft. Ab und zu turnen auch ein paar Eichhörnchen durch die Bäume. Vor vielen Jahren haben in einem davon sogar Waldohreulen genistet und vier Junge aufgezogen.

Foto: (c) Gerhard Loew
Foto: (c) Gerhard Loew

Trotzdem habe ich nicht schlecht gestaunt, als ich vorhin auf den Balkon rausging – und am helllichten Nachmittag einen Fuchs durch unseren Garten spazieren sah. Ich starrte ihn völlig verdattert an, er guckte unerschrocken zurück und ließ sich nicht weiter stören. Schnell huschte ich ins Wohnzimmer, um die nächstbeste Kamera zu holen und startklar zu machen und habe ihn gerade noch erwischt. Auf ein längeres Fotoshooting hatte er leider keine Lust. Er verschwand unter einem der Sträucher.

Foto: (c) Edith Nebel
Foto: (c) Edith Nebel

Einer meiner Nachbarn kam des Weges. „Wundere dich nicht – hier rennt gerade ein Fuchs durch den Hof“, sagte ich zu ihm.
„Ein Fuchs?“
„Ja, ohne Witz jetzt. Ich bin nicht besoffen. Ich hab ihn fotografiert. Also mal ehrlich: Ist das normal? Vögel und Eichhörnchen lass ich mir noch gefallen. Aber Füchse?“
„Nein“, meinte er, „Wildtiere in der Stadt, das sollte wirklich nicht normal sein.“

Sie sind eben Kulturfolger geworden, die Füchse. Man kann’s ihnen nicht verübeln, dass sie die Nähe der Menschen suchen, weil sie da günstige Lebensbedingungen vorfinden.

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