Zeitverschwendung

Ha! Das war aber eine kurze Besprechung am Freitag am Bau. Vorausgegangen war ihr ein Telefonat mit dem Fensterbauer, der seinerzeit die Fenster in meinem Elternhaus eingebaut hat. Er sei gerade bei meinem Cousin nebenan gewesen, meinte der Chef am Telefon, und habe bei der Gelegenheit festgestellt, dass an der Rückseite meiner Haushälfte immer noch die Fenster aus den 1970er Jahren dran sind.

Daran, dass er wirklich mit meinen Verwandten in Kontakt war, bestand kein Zweifel. Wie sonst hätte er von den neuen Besitzverhältnissen wissen und meine Telefonnummer haben können?

„Ja“, sagte ich, „das sind noch die alten Fenster. Die letzten 35 Jahre oder so war ein Wintergarten davor, deswegen hat da kein Handlungsbedarf bestanden. Das ist jetzt aber im Budget auch nicht vorgesehen. Wenn Sie bei meinem Cousin waren, haben Sie ja sicher mitgekriegt, dass ich innen alles umbaue. Der Architekt meinte, die rückwärtigen Fenster können wir auch in ein paar Jahren zusammen mit der Fassade machen. Schlecht sind sie ja noch nicht. Nur halt nicht mehr up-to-date.“

„Energetisch und vom Sicherheitsstandard her sind die Fenster wirklich nicht mehr das Gelbe vom Ei“, meinte der Fensterbauer. „Ich schlage vor, da wir ja sowieso schon in der Gegend sind, misst mal einer meiner Mitarbeiter die Sache aus und macht Ihnen ein Angebot.“

Ja, gut, wenn er meint. Informationen sind besser als keine Informationen. Also habe ich einen Termin ausgemacht. Habe aber ausdrücklich nochmals betont, wie unwahrscheinlich es sei, dass wir zeitnah ins Geschäft kommen. Weil der Architekt schon meinte, dass das nochmal ein Batzen Geld koste und ich mir das derzeit einfach nicht auch noch ans Bein binden kann.

Am Freitag ging ich also früher vom Büro weg und fuhr zur Baustelle raus. Der Mitarbeiter der Fensterbaufirma erwartete mich schon.
„Oh, eine Schiebetür“, meinte er mit Blick auf die rückwärtige Fensterfront.
Es sind sogar zwei. Eine oben, eine unten.
„Funktionieren die?“, wollte er wissen.
Ich: „Funktioniert alles, ist nur nicht mehr taufrisch.“
Er: „Hm. Da brauchen wir einen Kran, mit dem wir die Teile übers Haus heben …“
Davon hatte schon der Architekt gesprochen.
„Also, damit Sie mal eine Hausnummer haben, Frau Nebel …“. Und er nannte einen Betrag, für den man einen nagelneuen Kleinwagen bekäme.
Ich so, aus tiefstem Herzen: „Näää!“
Er grinste: „Dann brauche ich auch gar nicht zu messen und zu rechnen. Ein schönes Wochenende!“

„Diesen Preis hätte mir der Herr X auch am Telefon nennen können“, meinte ich. „Dann hätten wir beide uns eine Menge Zeit gespart.“
Der Mann schaute auf seinen Auftragszettel. „War denn überhaupt von den Schiebetüren die Rede? Hier steht nur ‚Kunststofffenster‘“.
„Es war explizit und ausschließlich von den rückwärtigen Schiebetüren die Rede. Die anderen Fenster sind ja alle schon ausgetauscht.“

Ich habe mir dann noch seine Visitenkarte geben lassen und sie zu meinen Hausunterlagen genommen.

Manchmal frage ich mich schon, was die Firmen sich bei solchen Verkaufsgesprächen denken. Der Chef wusste doch, von wie vielen Zigtausenden wir hier reden und dass man so einen Betrag nicht einfach spontan ausgibt. Ich hab’s hab’s ihm ja noch gesagt.

Im Übrigen haben wir nie einen Kran gehabt, um die Schiebetüren hinters Haus zu bringen. Weder in 70er Jahren noch in den Neunzigern, als mein Cousin nebenan seine hat erneuern lassen. Ich hab gestern mit ihm gesprochen. Das geht wahrscheinlich auch ohne Kran … und damit günstiger.

Haus-RS-80er-kl 001

Und hier ein Foto aus den 1980ern … da sieht man die Schiebetüren, um die es hier geht.

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