Usch Luhn: Luna Wunderwald, Band 1: Ein Schlüssel im Eulenschnabel (ab 8 Jahren)

Usch Luhn: Luna Wunderwald, Band 1: Ein Schlüssel im Eulenschnabel (ab 8 Jahren), Ravensburg 2018, Ravensburger Buchverlag, ISBN 978-3-473-40350-9, Hardcover, 183 Seiten, mit s/w-Illustrationen von Lisa Brenner, Format: 14,3 x 2 x 21,5 cm, Buch: EUR 9,99 (D), EUR 10,30 (A), auch als Hörbuch lieferbar.

Abbildung: (c) Ravensburger Buchverlag

Luna Murmelstein, 9 Jahre alt, ist die Tochter des neuen Förster-Ehepaars aus Sommerwald. Gerade ist die Familie im Begriff, sich in ihrem neuen Heim, dem alten Forsthaus, gemütlich einzurichten.

Luna findet eine Zauberflöte …


Was man in der ersten Nacht nach dem Umzug träumt, geht in Erfüllung, hat Sophia Murmelstein zu ihrer Tochter gesagt – und Luna hat geträumt, die Sprache der Tiere zu verstehen. Hat wirklich eine Schleiereule einen verschnörkelten Schlüssel durchs Dachfenster auf ihr Bett fallen gelassen? Der Schlüssel passt jedenfalls zu einer Kammer in der Dachschräge. Dort lagert jede Menge Gerümpel. In einer alten Wäschetruhe findet Luna altmodische Mädchenkleider, Schulhefte in altdeutscher Schrift, jede Menge Tierzeichnungen und eine goldfarbene Querflöte. Das trifft sich gut, denn das ist genau das Instrument, das Luna auf Geheiß ihrer Mutter, einer talentierten Hobbymusikerin, gerade zu spielen lernt.

Sonderbar: Auf der goldenen „Zauberflöte“ klingt jede Melodie, die Luna spielt, sehr viel besser als auf dem Instrument, das der neue Musiklehrer ihr geliehen hat.

… und versteht die Sprache der Tiere


Lunas erstes Publikum besteht aus Daisy und Drago, den Dackeln der Familie. Luna fragt sich, ob sie Fieber hat: Sie kann tatsächlich verstehen, was die beiden Hunde sagen! Wer wird ihr das glauben? Die Eltern? Haushälterin Rosie, Tierärztin Pippa oder ihr neuer Kumpel, Jonas Schmidt, der Sohn der Bauern, bei der die Murmelsteins jetzt immer Milch und Eier holen? Er ist nett und hat Luna sogar ein Angora-Kaninchen geschenkt, aber er würde sie, genau wie die anderen, für komplett verrückt halten. Also behält sie ihre neue Fähigkeit für sich.

Wann immer ein Tier das Spiel ihrer goldenen Flöte hört, kann es sich mit Luna verständigen. Und so erfährt das Mädchen schon lange vor den Erwachsenen, dass Wilderer im Wald ihr Unwesen treiben und dass sie vor allem hinter dem weißen Hirsch Arto her sind. Aber auch andere Tiere sind in Gefahr.

Wie kann eine Neunjährige hier helfen?


Die Waldtiere bitten Luna um Hilfe. Aber wie soll eine Neunjährige es mit erwachsenen, bewaffneten Männern aufnehmen? Einfach jemandem von dem Problem zu erzählen geht nicht, denn dann müsste sie erklären, woher sie von den Wilderern weiß. Und das geht nicht. Sie muss, im Gegenteil, tierisch aufpassen, dass sie sich nicht verplappert. Aber das clevere Wildschwein Momo hat schon einen Plan. Bald kommt das Försterehepaar Murmelstein aus dem Staunen nicht mehr heraus …

Falls sich jetzt jemand fragt, warum der Reihentitel nicht, wie die Heldin „Luna Murmelstein“ heißt: Den Beinamen „Wunderwald“ haben ihr die Wildtiere verliehen.

Thematisch geht die Reihe in eine ähnliche Richtung wie Antje Szillats FABELHAFTE FELINE-Reihe (Coppenrath-Verlag): Ein Kind kann Tieren helfen, weil es deren Sprache versteht. Doch das Geheimhalten dieser Fähigkeit kostet sehr viel Kraft.

Überall Geheimnisse


Luna Murmelstein ist offenbar nicht nur als Tierretterin gefragt, sie ist auch einem alten Menschengeheimnis auf der Spur. Wem gehörten die Kleider, die Schulsachen und die Zauberflöte, die sie auf dem Dachboden gefunden hat? Was weiß ihr Musiklehrer darüber? Mit seiner dürren Gestalt und seinem Raubvogelgesicht er Luna unheimlich, aber sie weiß kaum etwas über ihn. Noch ist offen, ob er zu den Guten oder den Bösen gehört.

Der Rest des „Serien-Personals“ ist überaus nett und patent und ein bisschen austauschbar. Klasse ist Opa Schmidt, Jonas‘ Großvater, der sich nicht davon behindern lässt, dass er jetzt auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Er ist ein tatkräftiger aber unsentimentaler Tierfreund und redet nicht lange um den heißen Brei herum. Diese Nebenfigur hat Charakter!

Ernste Themen, alberne Namen


Natürlich gehöre ich nicht mehr zur Zielgruppe. Aber ich glaube, die Personennamen hätten mich auch schon im Grundschulalter gestört. In dem Buch werden Themen wie Freundschaft, Tier- und Naturschutz mit phantastischen Elementen kombiniert und durchaus ernsthaft behandelt. Man kann hier einiges lernen. Warum also haben die Figuren dann so alberne Comic-Namen wie Julius Jupiter, Pippa Piepenbrink und Rosie Reich? Murmelstein kann man heißen. Es gab da einen Rabbiner in Wien …

Mir fällt es schwer, Romanfiguren ernst zu nehmen, die affig alliterierte Namen haben. Was ist falsch daran, einfach nur Maier, Kowalski, Martinez oder Yilmaz zu heißen? Bei den Schmidts ging’s doch auch!

Lisa Brenners Illustrationen zielen in dieselbe Richtung. Viele sind wunderschön, aber manche gehen doch stark ins Karikaturhafte. Ich hab’s nicht so mit überbreiten Mündern und apfelsinengroßen Kulleraugen. Es ist natürlich möglich, dass das junge Publikum heute andere, japanisch inspirierte Sehgewohnheiten hat und die Zeichnungen gar nicht als Karikaturen empfindet.

Wie dem auch sei: Jetzt wäre es schon interessant zu sehen wie es mit den Menschen und Tieren von Sommerwald weitergeht – und wie lange die verschiedenen Geheimnisse wohl noch geheim bleiben …

Die Autorin
Usch Luhn wuchs in der Steiermark in Österreich auf. Schon als kleines Kind hat sie sich unheimlich gerne Geschichten ausgedacht. Nach dem Abitur zog sie nach Berlin und studierte an der Freien Universität Berlin Kommunikationswissenschaften. Danach arbeitete sie einige Jahre beim Radio und beim Kinderfernsehen. Schließlich fing sie an, längere Geschichten zu schreiben und machte noch eine weitere Ausbildung zur Drehbuchautorin und Filmdramaturgin. Seitdem arbeitet sie auch für den Film. Sie wohnt abwechselnd in Berlin und Ostfriesland an der Nordsee. Mittlerweile hat sie schon über 30 Bücher geschrieben. Viele von ihnen wurden in andere Sprachen übersetzt und sind in verschiedenen Ländern erschienen.

Die Illustratorin
Lisa Brenner, 1987 in Kaiserslautern, geboren, hat schon als Kind viel gemalt und gezeichnet.Von 2007 bis 2012 hat sie an der HBKsaar in Saarbrücken Kommunikationsdesign studiert. Nach vielem Ausprobieren von Fotografie über Grafikdesign, Animation und anderen kreativen Dingen ist sie in den letzten Semestern zu Illustration und Comic gelangt. Seitdem zeichnet sie Illustrationen für Kinderbücher, Magazine, Buchcover und vieles andere. Die meisten Arbeiten entstehen digital mit Grafiktablett und Photoshop. www.lisabrenner.de

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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