Rita Falk: Kaiserschmarrn-Drama. Provinzkrimi. Franz Eberhofers 9. Fall

Rita Falk: Kaiserschmarrn-Drama. Provinzkrimi. Franz Eberhofers 9. Fall, München 2018, dtv Verlagsgesellschaft, ISBN 978-342-326192-0, Klappenbroschur, 300 Seiten, Format: 13,5 x 3,2 x 20,8 cm, Buch: EUR 15,90 (D), EUR 16,40 (A), Kindle Edition: EUR 13,99. Auch als Hörbuch lieferbar.

Abbildung: (c) dtv Verlagsgesellschaft

Noch nie habe ich mich über die Fortsetzung einer Reihe so gefreut wie über diese. „Juhu, der Eberhofer lebt!“, habe ich einer Freundin gemailt, nachdem ich das vorliegende Buch in der Verlagsvorschau entdeckt hatte.

Am Schluss von Band 8 hat’s ja für den Helden, Kommissar Franz Eberhofer aus dem niederbayerischen Niederkaltenkirchen, und seinen Kumpel, den Privatdetektiv Birkenberger, gar nicht gut ausgeschaut. Mit Franzens Dienstwagen sind sie auf einen Abgrund zugerast, und man hat schon gedacht, jetzt ist es aus und vorbei mit den beiden. Aber sie haben noch einmal Glück gehabt.

Der Dienstwagen, der ist natürlich hin. Aber der Franz ist zäh und beinahe ungeschoren davongekommen. Den Birkenberger Rudi hat’s schlimmer erwischt. Jetzt jammert und lamentiert er sich in altbekannter Dramaqueen-Manier durch seinen Krankenhaus- und Rehaklinik-Aufenthalt.

Eine Tote im Wald von Niederkaltenkirchen


Franz, das muss man zugeben, behandelt den Rudi ziemlich gemein. Er lässt sich nur bei ihm blicken, wenn er seine Hilfe braucht. Und das ist ruckzuck der Fall. Im Wald von Niederkaltenkirchen wird nämlich eine Tote gefunden – Simone Kitzeder, die Schwester des Gemeindepfarrers aus dem Nachbarort. Im Haus von Metzger Simmerl und dessen Frau Gisela hat sie zur Miete gewohnt. Gisela fällt aus allen Wolken, als sich herausstellt, dass das Mädchen aus gutem Haus unter dem Namen „Mona“ Stripshows im Internet angeboten hat. Ihren Mann überrascht das jetzt weniger. 😉 Ist ihre Arbeit der jungen Frau zum Verhängnis geworden?

Weil Franzens Hund, der Ludwig, derzeit schwächelt und viel Aufmerksamkeit braucht und weil ihm die Familie fortwährend mit dem leidigen Doppelhausbau auf den S@ck geht, kann der Kommissar sich nicht so auf die Mordermittlungen konzentrieren, wie es angebracht wäre. Auch die drei Kollegen aus Landshut, die man ihm für die Sonderkommission zugeteilt hat, sind nicht unbedingt eine Hilfe. Also soll der rekonvaleszente Detektiv Birkenberger wieder mal bei den Ermittlungen helfen. Der lässt sich das nicht zweimal sagen, quartiert sich beim Franz im umgebauten Saustall ein und lässt sich von Oma Leni bekochen. Die macht das gern und ganz wunderbar.

Den Eberhofer-Hof wird man bald wegen Überfüllung schließen müssen. Im Haupthaus wohnen derzeit nicht nur Eberhofer senior und Oma Leni, sondern, seit ihnen die Wohnung gekündigt wurde, auch Franzens Freundin Susi mit Sohn Paul. Im Saustall hausen, wie gesagt, der Franz, der Rudi und Hund Ludwig. Und weil auf dem weitläufigen Grundstück gerade das Doppelhaus von Franz und seinem Bruder Leopold gebaut wird, wirtschaften da nicht nur jede Menge Handwerker herum, sondern auch Leopold „die Schleimsau“ himself, dessen hochschwangere Frau Panida und Tochter „Sushi“.

Wenn nur das Doppelhaus nicht wär!


Da fliegen manchmal ganz schön die Fetzen. Zumal Franz das verflixte Doppelhaus gar nicht haben will. Er möchte weiterhin allein in seinem Saustall wohnen, von der Oma bekocht und von Susi und Söhnchen Paul übers Wochenende besucht werden. Das sagt er aber nicht. Er ignoriert nur alles, was mit dem Haus zusammenhängt und lässt seinen Bruder und seine Freundin wursteln. Erst, als sein Saustall einer Garage weichen soll, wird er leidlich aktiv. Seine Vogel-Strauß-Politik dürfte ihm bald böse auf die Füße fallen. Seine Familie wird ihn nämlich in ein Haus zwangsumsiedeln, an dem er überhaupt nichts geplant, ausgesucht oder mitbestimmt hat. Er wird ein Fremder im eigenen Leben sein.

Ein bisschen mehr Aktivität muss er in seinem Beruf an den Tag legen. Im Wald wird nämlich eine zweite Frauenleiche gefunden. Geht ein Serienmörder in Niederkaltenkirchen um, der es auf attraktive Joggerinnen abgesehen hat? Dann wird auch noch junges Mädchen vermisst, das perfekt ins Beuteraster des unbekannten Täters passen würde.

Je tiefer Franz und Rudi in die Ermittlungen einsteigen, desto absurder kommt ihnen die Idee mit dem Serienkiller vor. Was, wenn die drei Fälle gar nicht miteinander zusammenhängen? Oder ganz anders als bisher geglaubt?

Als sie die Kundenliste der Internetstripperin Mona abarbeiten, kommen sie aus dem Staunen nicht mehr heraus …

Ein sehr pikanter Fall


Ein pikanter Fall, den der Eberhofer für sich zu nutzen versteht: Wer auf Monas Kundenliste steht, ist erpressbar. Eberhofer spielt bekanntlich nach seinen eigenen Regeln. Nicht umsonst hat man ihn auf diesen Sackgassenposten in der Provinz versetzt. Dabei ist er clever und kreativ (die Aktion mit den beiden Güllebauern 😀 !). Seine Aufklärungsquote ist legendär. Er hätte Karriere machen können, wenn er nur nicht so ein entsetzlich bequemer L@hm@rsch wäre! Er geht halt allerweil den Weg des geringsten Widerstands.

Genau das ist auch privat sein Problem. Sein Bruder Leopold bringt’s erstaunlich liebevoll auf den Punkt: „Du denkst immer, alles soll bleiben, wie es ist, dann kann ja nicht allzu viel schiefgehen, nicht wahr? Aber woher willst du das eigentlich wissen? Wenn du nie etwas Neues ausprobierst, Franz, dann wirst du auch nie was dazulernen. Oder was erfahren. Erfahrungen kommen von Veränderungen, das ist nun mal so. Und freilich kann es auch schlechte Erfahrungen geben, ganz klar. Aber schlechte Erfahrungen sind allemal wertvoller als gar keine.“ (Seite 276)

Ob er sich’s zu Herzen nimmt, der Franz? Wir werden ja sehen.

Ein bisschen ist das bei den Niederkaltenkirchenern so wie in einer langlebigen Fernsehserie: Die Personen haben ihre Eigenheiten und entwickeln sich praktisch nicht weiter. Oma kocht und jagt Schnäppchen, die Nachbarin tratscht, Papa raucht Joints, Leopold nervt, der Bürgermeister auch, Franz und seine Kumpels, allesamt Mitte 40, führen sich auf wie eine Bande Teenager und die Susi verzweifelt. Dem eigentlichen Krimi ist noch ein „Bonus-Track“ angehängt: eine Geschichte, die vor 14 Jahren spielt. Und da sieht man, dass sich seither rein gar nichts verändert hat.

Veränderungen gehören zum Leben


Natürlich bezieht das Eberhofer-Universum seinen Witz aus dem unreifen Gehabe seines Helden und dessen Freunden. Aber jetzt hilft alles nix: Das Doppelhaus steht vor der Vollendung und Franzens Leben wird anders werden, ob ihm das nun passt oder nicht. Entweder er findet in letzter Minute noch einen Trick, um sich dieser Entwicklung zu entziehen, oder er wird ein bisschen erwachsener werden müssen. Vielleicht merkt er ja, dass das auch seine guten Seiten hat und dass ihn eine Veränderung seiner Lebensumstände nicht gleich umbringt. Genau deshalb warte ich mit Spannung auf Band 10. Der Kriminalfall an sich steht bei dieser Reihe immer nur zweiter Stelle.

Kenner der Serie wissen schon: In diesem Provinzkrimi wird andauernd vom Essen geredet, und im Anhang gibt’s immer die entsprechenden Rezepte von der Eberhofer-Oma. So auch hier. Und ein kleines Glossar mit nicht bundesweit bekannten Dialekt-Begriffen gibt es auch.

Die Autorin
Rita Falk, Jahrgang 1964, hat sich mit ihrer Provinzkrimiserie um den Dorfpolizisten Franz Eberhofer in die Herzen ihrer Leser geschrieben. Von sich selber sagt die Autorin, dass sie die schönste Zeit ihres Lebens in Oberbayern verbracht hat. Dort hat sie ihre Kindheit verbracht, wuchs bei der Oma auf. Dem ihr so vertrauten Landstrich ist Rita Falk auch als Erwachsene treu geblieben. Sie lebt heute in München. Rita Falk ist mit einem Polizisten verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

Rezensent: Edith Nebel
EdithNebel@aol.com

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